Notfallseelsorger brauchen nun selbst Hilfe!

Susanne Siegmund (43) vom Kinder und Jugendnottelefondienst.
Susanne Siegmund (43) vom Kinder und Jugendnottelefondienst.

Von Andrzej Rydzik

Grimma - Diejenigen, die bei Tragödien Halt und Trost spenden, brauchen jetzt selber Hilfe: Die Notfallseelsorger im Leipziger Land gehen auf dem Zahnfleisch. Es fehlt an Mitarbeitern.

Das Interesse für das wichtige Ehrenamt schwindet zunehmend. Dem gegenüber stehen mindestens 70 Einsätze des Kriseninterventions-Teams im Jahr.

Nach dem Tod eines Geisterfahrers (†64) Mitte August auf der A38 bei Leipzig war er wieder zur Stelle - Notfallseelsorger Rainer Schmitt.

Feuerwehrleute, die mit den heftigen Bildern und Erlebnissen nicht klarkamen, brauchten seine „Erste Hilfe für die Seele“.

Pfarrer Werner Rudloff, seit 2002 Seelsorger in der Uniklinik.
Pfarrer Werner Rudloff, seit 2002 Seelsorger in der Uniklinik.

Er war für die Kameraden da, sprach mit ihnen über die immer wiederkehrenden Bilder, über ihre Empfindungen, baute sie auf.

„Das ist unser Auftrag. Die Leute dürfen nicht den Krisen verfallen. Wir müssen sie wieder handlungsfähig machen. Bei den Feuerwehrleuten war das umso wichtiger, weil solch eine Tragödie jeder Zeit passieren kann“, erklärt Schmitt.

Seit 2013 ist er dabei, hat viel Leid nach Unfällen, Suiziden, Hochwasser oder plötzlichen Todesfällen erlebt. „Entscheidend dabei ist, dass die eigene Psyche sauber bleibt.

Auf dem Weg nach Hause muss der Einsatz verarbeitet sein. Das ist ein Lernprozess“, so Rainer Schmitt.
Auf dem Papier hat das Kriseninterventionsteam 27 Notfallseelsorger.

„Aber wir brauchen noch mindestens zehn Leute“, schätzt Schmitt. Wer mithelfen will, bitte per Email melden.

Fotos: Thomas Türpe, Matthias Lippmann


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