Die profitable Not: An "Zahltag! Ein Koffer voller Chancen" zerbricht die Hoffnung

Berlin/Köln - Wie fühlt es sich an, von Hartz-IV abhängig zu sein - über Jahre? Und was passiert, wenn plötzlich unerwarteter Reichtum das sonst so enthaltsame Leben übermannt? RTL hat mit "Zahltag! Ein Koffer voller Chancen" ein Sozialexperiment gestartet, dass bereits im Vorfeld heiß diskutiert wurde.

Familie M. aus Bethelsdorf bei Herrnhut (Sachsen) ist absolut überfordert. In den ersten Tagen wird bereits die Hälfte des Geldkoffers verpulvert.
Familie M. aus Bethelsdorf bei Herrnhut (Sachsen) ist absolut überfordert. In den ersten Tagen wird bereits die Hälfte des Geldkoffers verpulvert.  © MG RTL D

Auch nach der zweistündigen Ausstrahlung konnte das Format seine schärfsten Kritiker - den Fernsehzuschauer - nicht zufriedenstellen.

Wer von Sozialleistungen abhängig ist, kann in Deutschland TV-Star werden. Hartz-IV, Armut & Co sind als thematischer Aufhänger einer Sendung schwer angesagt.

"Hartz und Herzlich" (RTL II), "Plötzlich arm, plötzlich reich" (Sat.1) und nun springt auch noch RTL mit "Zahltag! Ein Koffer voller Chancen" auf den bedürftigen Zug auf.

Doch während die einen nur begleitet werden oder für eine gewisse Zeit ihren Lebensstandard tauschen, hat es sich der Kölner Privatsender zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, inwiefern sich Hartz-IV-Empfänger allein durch Geld aus der Armut kämpfen können.

Bis zu 33.000 Euro bekamen so die ersten Familien vor die Tür gestellt und ein Experten-Team bestehend aus Gründerberater Felix Thönnessen, Ilka Bessin (einstige Kunstfigur "Cindy aus Marzahn") und Heinz Buschkowsky (Ex-Bürgermeister von Berlin-Neukölln) schaute munter zu und hatte die Möglichkeit, einzugreifen, sofern die Familien mit dem unerwarteten Reichtum überfordert sind.

Geholfen wurde nur der TV-Quote: viel Kritik am TV-Experiment

Die siebenköpfige Familie B. aus Visselhövede (bei Bremen) freut sich über den unerwarteten Geldsegen. Das Experten-Team schaut freudig zu.
Die siebenköpfige Familie B. aus Visselhövede (bei Bremen) freut sich über den unerwarteten Geldsegen. Das Experten-Team schaut freudig zu.  © MG RTL D / Gordon Mühle

Die TV-Zuschauer fanden viele positive Ansätze wieder, aber übten sich auch in harscher Kritik. So sind sich die meisten einig, dass sich an der Notlage der Menschen gezielt bereichert wird. Geholfen wird niemanden, außer der Quote - so das Fazit.

So stach Buschkowsky gleich zu Beginn bei der Begutachtung der ersten Familie mit einer Aussage hervor: "Das ist natürlich ein besonders heißer Kandidat".

Denn aus der Ferne agierte das Experten-Team wie Kommentatoren eines Fußballspiels. Diskutierten eifrig über die Familien- und Lebensverhältnisse, und was der Geldsegen mit den Kandidaten macht. Und so befeuert RTL die Diskussionen über gute und schlechte Hartz-IV-Empfänger, über diejenigen, die es verdient haben oder nicht, unterstützt zu werden.

Und so ist die Richtung klar: "Die Leute brauchen Arbeit, einen Arschtritt, keinen Koffer voll Geld", kritisiert eine wütende RTL-Zuschauerin.

Andere greifen die Familien direkt an. "Ich bin nach wie vor der Meinung, das jeder für kurze Zeit Arbeitslos werden kann, aber nicht jahrelang - das ist Faulheit." Das Format hebt die sozialen Gräben in Deutschland weiter aus, statt diese zuzuschütten, so die allgemeinen Reaktionen.

Kommende Woche (Dienstag, 20.15 Uhr) werden die Familien erneut begleitet. Erste Tendenzen über den Ausgang gibt es bereits. So attestieren einige User bereits das Scheitern. "Ich denke, alle werden wieder Hartz-IV am Ende beantragen." Damit wäre das Experiment wohl gescheitert.

Titelfoto: MG RTL D / Gordon Mühle


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