Personal-Notstand! Feuerwehr alarmiert, aber niemand kam

Wehrleiter Uwe Mandel (40) ist besorgt: Bei einem Alarm konnte seine Truppe nicht ausrücken.
Wehrleiter Uwe Mandel (40) ist besorgt: Bei einem Alarm konnte seine Truppe nicht ausrücken.  © Marko Förster

Hohnstein/Dresden – Der Feueralarm schrillt, doch keiner kommt! Wovor Experten wegen des zunehmenden Personalmangels bei den Rettern immer wieder gewarnt haben, wurde in Hohnstein jetzt Realität: Kein Kamerad war verfügbar.

Und das kann künftig auch bei anderen freiwilligen Wehren in Sachsen passieren.

Punkt 14 Uhr lief der Alarm ein: Der Rauchmelder im Hohnsteiner Parkhotel "ambiente" war angesprungen. Doch die freiwillige Ortsfeuerwehr war lahmgelegt.

Erst kam gar kein Kamerad. "Wir mussten 14.16 Uhr noch mal alarmieren", so Wehrleiter Uwe Mandel (40). "Da kamen ein paar Kameraden, aber wir hatten keinen Fahrer." Einsatz abgeblasen. Umliegende Wehren übernahmen. Zum Glück war es diesmal nur ein Fehlalarm.

Auch die Feuerwehr Dohna leidet unter fehlender Stärke zur Arbeitszeit. Sie verteilten deshalb symbolische Eimer zum Selberlöschen.
Auch die Feuerwehr Dohna leidet unter fehlender Stärke zur Arbeitszeit. Sie verteilten deshalb symbolische Eimer zum Selberlöschen.  © Norbert Neumann

Der Personalmangel ist ein zunehmendes Problem in ganz Sachsen – vor allem unter der Woche zu den Arbeitszeiten. Die Hohnsteiner Feuerwehr etwa hat 17 Kameraden.

"Doch die meisten müssen tagsüber arbeiten", so Wehrleiter Mandel. "Da bekommen wir im Notfall vielleicht drei Mann zusammen."

Weil das Problem länger bekannt ist, hat die Gemeinde bereits Bauhofmitarbeiter ausbilden lassen. "Mit dieser Verstärkung sind wir eigentlich sieben Männer", sagt Mandel. "Aber die müssen sich eben derzeit auch um den Winterdienst kümmern."

Sachsenweit ist die fehlende Tageseinsatzbereitschaft längst brisant. "Wir verlieren seit 2008 im Schnitt jährlich 500 bis 800 aktive Kameraden", sagt Karsten Saack (51), Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbands. "Da kann es gar nicht mehr besser werden."

Ein Fall wie in Hohnstein ist ihm bisher noch nicht zu Ohren gekommen. "Wir bekommen aber immer wieder aus den Kreisverbänden Meldungen, dass es sehr kritisch aussieht", so Saack.

"Besonders im ländlichen Raum." Wie zum Beispiel in Dohna bei Pirna: Die Feuerwehr hatte hier sogar Eimer zum Selberlöschen verteilt, um auf ihre Situation hinzuweisen.

Titelfoto: Marko Förster


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