NPD in der Krise: Rechtsextreme denken über neuen Namen nach

Hessen - Die rechtsextremistische Kleinpartei NPD ist in der Krise – während zugleich die rechtspopulistische Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) einen Erfolg nach dem Nächsten feiert.

Das Foto aus dem Jahr 2014 zeigt ein zerstörtes Wahlplakat der NPD.
Das Foto aus dem Jahr 2014 zeigt ein zerstörtes Wahlplakat der NPD.  © Julian Stratenschulte/dpa

Die zurückliegenden Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen waren insbesondere wegen der großen AfD-Erfolge ein Thema in der Berichterstattung.

Was darüber oft vergessen wurde: Die schon seit Jahrzehnten in Deutschland etablierte rechtsextreme "Nationaldemokratische Partei Deutschlands" (NPD) ging währenddessen bei allen drei Wahlen unter.

In Sachsen war die NPD von 2004 bis 2014 im Landtag vertreten – 2019 landete sie dort in den Wahlstatistiken unter "Sonstige".

In Thüringen holte die AfD insbesondere in alten NPD-Hochburgen besonders viele Stimmen (TAG24 berichtete).

Auch in Brandenburg, wo die AfD mit 23,5 Prozent zweitstärkste Partei wurde, blieb für die NPD nur ein bedeutungsloser Platz unter "Sonstige" übrig.

NPD Hessen veröffentlicht zwei Video-Interviews

Ein Unterstützer der NPD steht im Jahr 2002 bei einer Kundgebung der Partei in Berlin.
Ein Unterstützer der NPD steht im Jahr 2002 bei einer Kundgebung der Partei in Berlin.  © Matthias Balk/dpa

Offensichtlich sehen einige NPD-Kader diese Entwicklung mit großer Sorge.

Die NPD Hessen veröffentlichte am Donnerstag und am Samstag zwei Video-Interviews mit ranghohen Mitgliedern der Partei.

Axel Michaelis (54), der Geschäftsführer des bayrischen NPD-Landesverbandes, und der aus Hessen stammende Peter Schreiber (46), Landesvorsitzender der sächsischen NPD und Mitglied des Parteivorstandes, standen darin Rede und Antwort.

In beiden Interviews war die Krise der NPD Thema, wobei beide Politiker dafür plädierten, mit einer Umbenennung oder gar Neugründung der Partei darauf zu reagieren.

Axel Michaelis sprach klar die Konkurrenz-Situation an, in welche die NPD mit dem Erstarken der AfD geraten ist.

Die AfD profitiert ihm zufolge dabei von ihrem "unbelasteten Namen".

NPD ging aus der Deutschen Reichspartei (DRP) hervor

Das Archivbild aus dem Jahr 2014 zeigt NPD-Mitglieder bei einer Kundgebung in Brandenburg.
Das Archivbild aus dem Jahr 2014 zeigt NPD-Mitglieder bei einer Kundgebung in Brandenburg.  © Oliver Mehlis/dpa

Sowohl Michaelis als auch Peter Schreiber erinnerten daran, dass die NPD 1964 aus der – ebenfalls rechtsextremen – Deutschen Reichspartei (DRP) hervorgegangen ist.

Peter Schreiber plädiert offen für eine Neustrukturierung der NPD, deren "symbolische Krönung" eine neuer Name sein solle.

Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Bestrebungen nach einer Neu-Aufstellung der Partei wirklich durchsetzen.

Der NPD-Politiker Axel Michaelis gab in jedem fall klar zu erkennen, welchen Hintergedanken er mit einer Neustrukturierung und Umbenennung seiner Partei verbindet.

Der 54-Jährige denkt an Rechte und Rechtsradikale, die in der AfD nicht mehr geduldet werden – oder denen die "Alternative für Deutschland" zu gemäßigt ist – die aber vom negativen Branding des Kürzels "NPD" abgeschreckt werden.

Titelfoto: Oliver Mehlis/dpa

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