Opfer-Tochter macht Beate Zschäpe ein bitteres Angebot

Für Beate Zschäpe fordert die Bundesanwaltschaft eine lebenslängliche Gefängnisstrafe.
Für Beate Zschäpe fordert die Bundesanwaltschaft eine lebenslängliche Gefängnisstrafe.  © DPA

München - Nebenkläger im NSU-Prozess haben dem Staat am Mittwoch vorgeworfen, die Aufklärung der Morde des "Nationalsozialistischen Untergrunds" bis heute zu blockieren. Rechtsanwalt Sebastian Scharmer griff am Mittwoch vor allem die Bundesanwaltschaft und das Bundesamt für Verfassungsschutz an.

"Es soll ein Schlussstrich gezogen werden", sagte Scharmer. Mit ihrer These, der NSU habe nur aus drei Personen bestanden und sich auch gegenüber der Szene abgeschottet, stelle die Bundesanwaltschaft einen "Persilschein für die 13 Jahre lang falsch ermittelnden Behörden" aus.

Scharmer vertritt die Tochter von Mehmet Kubasik. Er war am 4. April 2006 in seinem Kiosk in Dortmund mutmaßlich von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos erschossen worden. Seine Tochter Gamze wandte sich direkt an die Jenaer Hauptangeklagte Beate Zschäpe. "Wenn es Ihnen irgendwann leidtut, dann antworten Sie. Ich habe immer noch so viele Fragen, auf die ich keine Antworten habe."

Scharfe Vorwürfe richtete der Anwalt gegen die staatlichen Ermittler. Diese hätten die Pläne des NSU durch V-Leute kennen müssen. Kritik übte er auch an der Verhandlungsführung des Münchner Oberlandesgerichts. Das habe zahlreiche Beweisanträge abgelehnt, obwohl es zur Aufklärung verpflichtet sei. Viele Akten seien zurückgehalten worden.

Rechtsanwalt Carsten Ilius, der die Witwe Kubasiks vertritt, hielt der Bundesanwaltschaft vor, sie wolle "das Bild eines postnazistischen, schönen, freien Deutschlands" nicht beschädigen.

Der Terrorzelle NSU werden zehn vorwiegend rassistisch motivierte Morde zugerechnet. Hauptangeklagte im Prozess ist Beate Zschäpe. Ihre beiden Freunde Mundlos und Böhnhardt hatten sich nach einem gescheiterten Banküberfall im November 2011 das Leben genommen.

Titelfoto: DPA


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