Anwalt erfindet NSU-Opfer und streicht hunderttausende Euro ein

München - Seit fast fünf Jahren läuft der NSU-Prozess gegen die aus Jena stammende Beate Zschäpe. Doch jetzt steht nicht die Hauptangeklagte im Mittelpunkt sondern ein Anwalt der Nebenklage.

Beate Zschäpe steht seit fünf Jahren als Hauptangeklagte in München vor Gericht.
Beate Zschäpe steht seit fünf Jahren als Hauptangeklagte in München vor Gericht.  © DPA

Denn gegen Ralph Willms wurde laut "Spiegel" jetzt selber ein Verfahren wegen des besonders schweren Betrugs eröffnet. Im Oktober 2015 war herausgekommen, dass der Anwalt ein NSU-Opfer beim Prozess in München vertrat, dass es überhaupt nicht gibt.

Zweieinhalb Jahre lang vertrat der Mann das angebliche Opfer Meral Keskin. Dafür strich er Reisekosten und Vorschüsse für Sitzungsgebühren von 200.000 Euro ein.

Aufgeflogen war die ganze Sache erst, als die Richter das Opfer vor Gericht sehen wollten, daraufhin erklärte Willms, dass es die Frau anscheinend gar nicht gebe. Ein inzwischen verstorbener Nebenkläger habe ihm die Mandantin vermittelt und dafür Provision bekommen, so die Erklärung des Angeklagten.

Mit Keskin habe er auch immer nur über den Vermittler kommuniziert. Eigentlich sei Willms das Opfer, denn "er ist da ja auch zwei Jahre lang hingefahren und hatte ja auch die Auslagen, die er geltend gemacht hat", so der Anwalt des Angeklagten.

Ein unbeschriebenes Blatt ist der angebliche Opfer-Anwalt allerdings nicht. Bereits im Prozess um die tödliche Love-Parade machte er sich wegen Urkundenfälschung und Anstiftung zu falscher Versicherung an Eides schuldig.


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