Zschäpe bestreitet Mitgliedschaft im NSU und Beteiligung an Morden

Zschäpe, hier neben ihren Anwälten Hermann Borchert (l.) und Mathias Grasel (r.) bestreitet, überhaupt Mitglied im NSU gewesen zu sein.
Zschäpe, hier neben ihren Anwälten Hermann Borchert (l.) und Mathias Grasel (r.) bestreitet, überhaupt Mitglied im NSU gewesen zu sein.

München – Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe hat bestritten, an den zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen beteiligt gewesen zu sein, die die Bundesanwaltschaft der Terrorgruppe NSU vorwirft.

Das geht aus Zschäpes Aussage hervor, die ihr Anwalt Mathias Grasel am Mittwoch im NSU-Prozess verlas. Ihre Freunde Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hätten sie erst hinterher darüber informiert. Als sie davon erfahren habe, sei sie sprachlos und fassungslos gewesen.

Auch an dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter im April 2007 in Heilbronn sei sie nicht beteiligt gewesen, behauptete Zschäpe. Böhnhardt und Mundlos hätten erklärt, es sei ihnen dabei nur um die Pistolen der beiden Polizisten gegangen, auf die sie geschossen hatten. Ein Polizist hatte den Angriff überlebt

Zschäpe bestreitet sogar, Mitglied des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) gewesen zu sein. "Ich weise den Vorwurf der Anklage, ich sei ein Mitglied einer terroristischen Vereinigung namens NSU gewesen, zurück", ließ Zschäpe ihren Anwalt Mathias Grasel am Mittwoch im NSU-Prozess erklären.

Eine lange Schlange bildete sich vor dem Oberlandesgericht München am Mittwoch.
Eine lange Schlange bildete sich vor dem Oberlandesgericht München am Mittwoch.

Allerdings gestand Zschäpe, die letzte Fluchtwohnung der Terrorgruppe NSU in Zwickau in Brand gesteckt zu haben. Das geht ebenfalls aus der Aussage hervor, die ihr Anwalt Mathias Grasel am Mittwoch im NSU-Prozess verlas: Im Radio habe sie im November 2011 davon erfahren, dass ein Wohnmobil mit zwei Leichen entdeckt worden war.

Sie sei sich sofort sicher gewesen, dass es sich um ihre beiden Freunde Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gehandelt habe. Vor der Brandstiftung sei sie durchs Haus gegangen, um sicherzustellen, dass sich niemand mehr darin befinde.

Bei den Opfern der Terrorgruppe NSU entschuldigte sie sich. Die Schuld für die Verbrechen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" trügen allerdings ihre Freunde Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos.

"Ich fühle mich moralisch schuldig, dass ich zehn Morde und zwei Bombenanschläge nicht verhindern konnte", ließ Zschäpe erklären.

Mehr als zweieinhalb Jahre nach Beginn des NSU-Prozesses hatte Zschäpe am Morgen erstmals ihr Schweigen gebrochen. Nach Verlesung der gut eineinhalbstündigen Erklärung ordnete der Vorsitzende Richter eine Pause an.

Zschäpe muss sich vor dem Oberlandesgericht München als Mittäterin an sämtlichen Verbrechen verantworten, die dem NSU angelastet werden, darunter zehn vorwiegend rassistisch motivierte Morde. Mundlos und Böhnhardt starben 2011 nach einem Banküberfall.

Fotos: dpa


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