Jugendliche vor S-Bahn geschubst und getötet: Anklage zu milde?

Nürnberg - In der Heimatgemeinde der beiden getöteten Jugendlichen löste das schreckliche Ereignis tiefe Trauer und Betroffenheit aus: Zwei 16-Jährige fielen nach einem Streit auf ein S-Bahn-Gleis und wurden von einem Zug getötet.

Zwei Jugendliche waren von einer S-Bahn erfasst und tödlich verletzt worden.
Zwei Jugendliche waren von einer S-Bahn erfasst und tödlich verletzt worden.  © Daniel Karmann/dpa

Den Widersachern der Opfer wird nun in Nürnberg der erwartete Prozess gemacht.

An dem Trauergottesdienst für die Opfer im mittelfränkischen Heroldsberg im Landkreis Erlangen-Höchstadt nahmen mehrere Hundert Menschen teil. Pfarrer Thilo Auers sagte, Gott halte beide "unendlich sanft in seinen Händen". Es gebe eine Zuversicht, die die Grenzen des Todes sprenge.

Die beiden 16-Jährigen waren in der Nacht vom 25. auf den 26. Januar bei einer Auseinandersetzung auf dem Nürnberger S-Bahnhof Frankenstadion ins Gleis gestürzt, von einem Zug mitgerissen und getötet worden. Beide hatten keine Chance.

Ein Gleichaltriger konnte sich in letzter Sekunde vor der einfahrenden Bahn durch einen Sprung gerade noch retten.

Am 14. November beginnt nun vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth der Prozess gegen die zwei damals 17-jährigen Kontrahenten der jungen Männer. Ihnen wirft die zuständige Staatsanwaltschaft Körperverletzung mit Todesfolge vor.

Prozess in Nürnberg findet nach Jugendgerichtsgesetz statt

In der Heimatgemeinde der Jugendlichen löste das Ereignis tiefe Trauer aus.
In der Heimatgemeinde der Jugendlichen löste das Ereignis tiefe Trauer aus.  © Ferdinand Merzbach/dpa

Nach Auffassung der Ankläger haben die beiden damals beim Warten auf die S-Bahn einen vor ihnen stehenden Jugendlichen ins Gleis gestoßen. Wegen des dichten Gedränges am Bahnsteigrand stürzten zwei weitere Jugendliche auf die Schienen.

Während sich einer der drei durch einen Sprung retten konnte, wurden die beiden anderen von einem herannahenden Zug erfasst und auf grausame Weise getötet.

Vom ursprünglichen Vorwurf der fahrlässigen Tötung war die Staatsanwaltschaft am Ende der Ermittlungen abgerückt.

Die beiden jungen Männer hätten nicht gewusst, dass zum Tatzeitpunkt mit der Durchfahrt eines Zuges zu rechnen gewesen sei, weil die nächste fahrplanmäßige S-Bahn erst zehn Minuten später eintreffen sollte.

Die Eltern der beiden Getöteten hielten die Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge laut mehrerer Medienberichte im Juli für verharmlosend.

Der Prozess ist nach dem Jugendgerichtsgesetz nicht öffentlich, wie das Gericht mitteilte. Zunächst sind vier Verhandlungstage bis zum 20. November angesetzt. Dann wird ein Urteil erwartet.

Am Nürnberger S-Bahnhof Frankenstadion war es zu dem schrecklichen Zwischenfall gekommen.
Am Nürnberger S-Bahnhof Frankenstadion war es zu dem schrecklichen Zwischenfall gekommen.  © Daniel Karmann/dpa

Titelfoto: Daniel Karmann/dpa

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