Erhalt der Nazi-Tribüne: Staat beteiligt sich mit 21 Millionen Euro

Nürnberg - Sie gehört zu den eher unbeliebten Hinterlassenschaften von Nürnbergs wechselvoller Geschichte. Und Stadtpolitikern aller Couleur ist klar: Die marode Zeppelintribüne auf dem früheren Reichsparteitagsgelände ist nicht gerade ein Thema, mit dem sich Wählerstimmen gewinnen lassen.

Die Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände spiegelt sich in einer Wasserpfütze.
Die Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände spiegelt sich in einer Wasserpfütze.  © DPA

Seit Jahren spaltet die Diskussion über die Zukunft der monumentalen Steintribüne die Bürgerschaft – erst recht, seitdem klar ist, dass allein Erhaltungsarbeiten an der Zeppelintribüne rund 85 Millionen Euro kosten würden.

Wie auch immer - an den Finanzen dürfte das Projekt wohl nicht mehr scheitern. Nachdem sich der Bund nach jahrelangem Zögern im Vorjahr bereiterklärt hatte, die Hälfte der Erhaltungskosten zu übernehmen, kommt nun auch aus München die Förderzusage.

Die Staatsregierung werde sich mit mehr als 21 Millionen Euro beteiligen, gab Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Samstag bei einem Treffen mit Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) bekannt. Die weiteren rund 21 Millionen Euro übernimmt die Stadt Nürnberg. Das Konzept ist vom Grundsatz her vom Stadtparlament beschlossen.

"Weltgeschichtliches Mahnmal"? Die Zeppelinbühne in Nürnberg ist baufällig

Daniel Ferdinand Ulrich (l-r), Planungs- und Baureferent der Stadt Nürnberg, Michael Piazolo (Freie Wähler), Kultusminister von Bayern, Ulrich Maly (SPD), Oberbürgermeister von Nürnberg, Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, und Julia Lehner,
Daniel Ferdinand Ulrich (l-r), Planungs- und Baureferent der Stadt Nürnberg, Michael Piazolo (Freie Wähler), Kultusminister von Bayern, Ulrich Maly (SPD), Oberbürgermeister von Nürnberg, Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, und Julia Lehner,  © DPA

Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich zeigte sich zufrieden. Können doch nun endlich die komplexen Planungs-, Förder- und Ausschreibungsprozesse angeschoben werden. Mit den Arbeiten selbst könne man wohl im Jahr 2021 beginnen.

Ulrich kalkuliert dabei mit acht bis zwölf Jahren Bauzeit – schon wegen der gewaltigen Größe des Geländes. Zudem habe die Tribüne in den vergangenen Jahren stark gelitten.

Oberbürgermeister Maly wird derweil nicht müde, klar zu machen, was man nicht wolle: eine Sanierung oder Renovierung, die den wuchtigen NS-Bau in ein schmuckes Baudenkmal verwandle und damit womöglich zu einer Kultstätte für Geschichtsvergessene oder Rückwärtsgewandte mache.

"Es geht nicht ums Aufhübschen, sondern ums Trittfest-Machen", machte das Stadtoberhaupt am Samstag deutlich. Baureferent Ulrich geht schon jetzt davon aus, dass am Ende der Arbeiten so mancher enttäuscht sein könnte.

"Das wird und soll später nicht anders aussehen als heute" - aber sicher betretbar sein.

Millionengrab: Gegner der Instandsetzung streben Bürgerbegehren in Nürnberg an

Eine Feuerschalen steht in der Halle (Goldener Saal) in der Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.
Eine Feuerschalen steht in der Halle (Goldener Saal) in der Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.  © DPA

Besucher des "Lernorts" sollen künftig zum bisher meist versperrten "Goldenen Saal" im Mittelbau der Zeppelintribüne Zugang haben. Auch ein daran anschließendes Treppenhaus sollen sie betreten können. Stärker in den Blick rücken wollen die Planer auch das sich unterhalb der Tribüne erstreckende Zeppelinfeld samt seiner Wallanlagen.

Das Reichsparteitagsgelände, so machte etwa Söder klar, sei schließlich ein "wichtiger Teil des kollektiven Gedächtnisses an die NS-Zeit, ein Mahnmal von nationaler, wenn nicht von weltgeschichtlicher Bedeutung".

Dass das Konzept in der Nürnberger Bürgerschaft auch auf Kritik stößt, zeigt der jüngste Vorstoß einer Gruppe von Intellektuellen um den Schriftsteller Reinhardt Knodt. Um die teure Sanierung zu verhindern, denken die Künstler, Professoren und Architekten inzwischen über ein Bürgerbegehren nach.

Sie sprechen sich dafür aus, die Zeppelintribüne nur notdürftig zu sichern und auf dem Gelände eine internationale Gartenanlage nach dem Muster der "Gärten der Welt" anzulegen.

Von einem "kontrollierten Verfall", über den einige Nürnberger schon länger diskutieren, hält freilich OB Maly gar nichts.

Titelfoto: DPA