"Nurejew - The White Crow": Künstler wird von Regime bedroht!

Dresden - Er war einer der besten Tänzer des 20. Jahrhunderts! Das Kinodrama "The White Crow" behandelt das Leben von Ballett-Ikone Rudolf "Rudi" Nurejew (Oleg Ivenko) und seine Probleme mit dem politischen System der Sowjetunion.

Rudolf Nurejew (Oleg Ivenko) hat einen stark ausgeprägten eigenen Willen.
Rudolf Nurejew (Oleg Ivenko) hat einen stark ausgeprägten eigenen Willen.  © PR/Alamode Film

"White Crow" ist dabei ein feststehender Begriff für eine Person, die anders ist. Genau das war Nurejew, der viel Wert auf seine Freiheit und eigenständige Entwicklung legte.

Deshalb hatte er, ein Junge aus armen Verhältnissen, trotz seines außergewöhnlichen Talents früh Probleme mit dem Sowjet-Regime. Denn er lehnte sich auf und lernte durch seine arbeitsbedingten Reisen auch die Vorzüge westlicher Städte wie Paris schätzen.

Sein unbändiger Ehrgeiz trieb ihn an, immer besser zu werden und am Ende für eine Revolution in der Tanzszene zu sorgen.

Regisseur Ralph Fiennes ("The Invisible Woman") zeigt den Weg des ambivalenten Nurejew dorthin mit all seinen Facetten auf.

In manischen Trainingsszenen quetscht er das letzte Körnchen aus sich heraus, in Gesprächen lässt er seinen arroganten, einwickelnden Charme spielen, in seiner Freizeit schaut er sich weltberühmte Gemälde an und nimmt ihre Stimmung in sich auf.

Darüber hinaus bandelt er sowohl mit Frauen und Männern an. Besonders vorangebracht haben ihn die Stunden bei seinem berühmten Lehrmeister (Ralph Fiennes), der mit seiner unaufgeregten und überlegten Art zu dem schwierigen Charakter durchdringt und ihn viele Dinge über den Tanz und das Leben lehrt.

Nurejew hat allerdings seinen eigenen Kopf, lässt sich dabei auch von hochrangigen Politikern nichts sagen und schreit diese in einigen Szenen befehlsmäßig an. Das führt wenig überraschend zu großen Schwierigkeiten...

Ralph Fiennes erschafft mit "Nurejew - The White Crow" ein gefühlvolles Portrait

Alexander Puschkin (Ralph Fiennes) lehrt seinen Schützling viel über den Tanz und das Leben.
Alexander Puschkin (Ralph Fiennes) lehrt seinen Schützling viel über den Tanz und das Leben.  © PR/Alamode Film

All diese Charaktereigenschaften werden in diesem mitreißenden Biopic exzellent und hintergründig dargestellt.

Fiennes gelingt es aufzuzeigen, weshalb sich der polarisierende Künstler so verhält, wie er es tut. Dabei gibt es immer wieder Rückblicke in die komplizierte Kindheit Nurejews, was dem Drama Tiefe verleiht.

So wird auch das Interesse von Zuschauern, die keine Ballett-Fans sind, geweckt. Denn obwohl der Tanz "Rudi" ausfüllt, hat er noch viele andere Dinge, für die er steht.

Seine unterschiedlichen Affären werden geschickt und nachvollziehbar beleuchtet. Auch seine elektrisierende Wirkung auf andere Menschen wird glaubwürdig in Szene gesetzt.

Daran hat Fiennes einen großen Anteil. Der erfahrene Filmschaffende, der dem breiten Publikum vor allem als Schauspieler ein Begriff ist (verkörperte Lord Voldemort in der "Harry Potter"-Reihe), beweist, dass er auch als Regisseur viel Qualität hat.

Denn ihm ist ein vielschichtiges Werk über einen Ausnahmekünstler gelungen, der in vielerlei Hinsicht seiner Zeit voraus war, sich mit vollem Eifer ins Leben stürzte und jeden Moment auskostete.

Oleg Ivenko ist die Entdeckung schlechthin in "Nurejew - The White Crow"

Alexander Puschkin (l., Ralph Fiennes) ist für Rudolf Nurejew (Zweiter von rechts, Oleg Ivenko) eine ganz wichtige Bezugsperson.
Alexander Puschkin (l., Ralph Fiennes) ist für Rudolf Nurejew (Zweiter von rechts, Oleg Ivenko) eine ganz wichtige Bezugsperson.  © PR/Alamode Film

Auch der exzellent ausgewählte Cast trägt seinen Teil zum Gelingen des Filmes bei. Ivenko ist bei seinem Schauspieldebüt die Entdeckung schlechthin: Denn der Weltklasse-Tänzer der Tatar State Ballet Company zeigt eine großartige Leistung und verkörpert seine diffizile Rolle glaubwürdig, kraftvoll und lässt auch Nurejews starke Aura durchscheinen.

An seiner Seite überzeugen Adèle Exarchopoulos ("Blau ist eine warme Farbe") als Clara Saint, Fiennes selbst als Pushkin, Chulpan Khamatova ("Good Bye Lenin!") als seine Filmfrau Ksenija und der deutsche Schauspieler Louis Hofmann (Netflix-Serie "Dark") als Teja Kremke.

Dank des herausragenden Drehbuchs von David Hare ("Der Vorleser"), der sich den Roman "Rudolf Nureyev: The Life" von Julie Kavanagh zur Vorlage nahm, kann das Publikum auch emotional mit den differenziert gezeichneten Figuren mitfiebern.

Deshalb ist "Nurejew - The White Crow" ein starkes, ambivalentes, brisantes und spannendes Portrait eines revolutionären Künstlers geworden, das mit einem zeitversetzenden Szenebild, abwechslungsreichen Locations, stimmiger Musikuntermalung und einer dynamischen Kameraführung weitere Stärken hat.

Trotz intellektuellem Anspruch fällt es nicht schwer, der packenden Geschichte zu folgen und über 127 Minuten mitgerissen zu werden. Sehenswert!

Rudolf Nurejew (Oleg Ivenko) lernt die bildschöne Clara Saint (r., Adèle Exarchopoulos) in Paris kennen.
Rudolf Nurejew (Oleg Ivenko) lernt die bildschöne Clara Saint (r., Adèle Exarchopoulos) in Paris kennen.  © PR/Alamode Film

Titelfoto: PR/Alamode Film

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