OB Ludwig schlägt Alarm: Drogen und Prostitution im Tietz

Sie fordern die Rückkehr des WLAN ins Tietz: Steffen Förster (31, li.) und Toni 
Rotter (28).
Sie fordern die Rückkehr des WLAN ins Tietz: Steffen Förster (31, li.) und Toni Rotter (28).  © Maik Börner

Chemnitz - Die Situation im Tietz spitzt sich zu. Nach mehrfacher Randale im Kulturkaufhaus und dem Abschalten des freien WLANs durch die Stadt erhebt das Rathaus neue schwere Vorwürfe gegen Besucher des Hauses:

Im Tietz gebe es sogar Prostitution und Drogenhandel, sagt Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (54, SPD). Ordnungsbürgermeister Miko Runkel (55, parteilos) wurde deutlich: „Drogenspürhunde der Polizei schlugen auf Toiletten im Tietz an. Unhaltbar!“

Polizeisprecher Steffen Wolf (36) bestätigte: „Bei einer Polizeihundeübung schlugen die Tiere im Haus an. Drogen wurden keine gefunden.“

Barbara Ludwig legte nach: „Im Tietz bewegen sich unter jährlich 1,3 Millionen Besuchern Problemgruppen. Sogar Prostitution ist eine Begleiterscheinung.“

Im Bereich Zenti/Tietz geraten 
öfter junge Leute aneinander. Die Polizei muss es richten.
Im Bereich Zenti/Tietz geraten öfter junge Leute aneinander. Die Polizei muss es richten.  © Maik Börner

Die OB versprach, dass die Stadt gegen die Kriminalität vorgehen wolle. So sei das offene WLAN abgeschaltet, der Wachdienst auf acht Mann verdoppelt worden. „Zudem überlegen wir, die Videoüberwachung im Haus auszubauen.“

Unterdessen regt sich gegen das WLAN-freie Tietz Widerstand. Stadtrat Toni Rotter (28, Piraten) nennt die Aktion sinnlos: „Dann suchen sich einige Besucher eine andere Beschäftigung.“

Das fehlende WLAN raube vielen den Zugang zum Internet - „dort waren bis zu 300 Nutzer gleichzeitig online. Die sperren wir aus, um einige Idioten zu treffen“. Außerdem, so Rotter, passe fehlendes WLAN nicht zum Zukunftskonzept des Tietz, das am Mittwoch im Stadtrat beraten werde.

Unverständlich findet Steffen Förster (31) von der Freifunk-Initiative das neue Funk-Loch im Tietz: „Für uns ist das ein großer Rückschritt, weil die WLAN-Versorgung um die Zenti wegfällt.“

Mehr Ruhe sei ohne WLAN nicht eingekehrt, sagen Verkäuferinnen im Tietz. „Kein Unterschied“, meint Iris Müller (57), Agricola-Buchhandlung. Sie fordert wieder WLAN: „Das Tietz soll strahlen. Dazu gehören Funkstrahlen. Sorgen mit Jugendlichen löst man mit Streetworkern.“

Auch die Galerie Roter Turm denkt nicht an ein Abschalten seines WLANs. Center-Manager Jörg Knöfel (49): „Zoff gibt es mit und ohne Internet.“

Unter den 1,3 Millionen Besuchern befinden sich eben auch Problemgruppen, so OB Ludwig.
Unter den 1,3 Millionen Besuchern befinden sich eben auch Problemgruppen, so OB Ludwig.  © Uwe Meinhold

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