Messerangreifer im Rathaus Neukölln: Mitarbeiterin sollte sterben, damit er in den Knast kommt

Berlin - Bewaffnet mit einem Kampfmesser besuchte ein damals 57-Jähriger im September 2016 das Bezirksamt Neukölln. Er wollte auf eine Mitarbeiterin des Sozialamtes einstechen.

Ein Obdachloser hat vor zwei Jahren im Rathaus Neukölln um sich gestochen. (Symbolbild)
Ein Obdachloser hat vor zwei Jahren im Rathaus Neukölln um sich gestochen. (Symbolbild)  © dpa/123RF

Aus Verärgerung und Ausländerhass habe er die damals für ihn zuständige Mitarbeiterin des Sozialamtes umbringen wollen, erklärte der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung am Montag. Er habe der Obdachlosigkeit entgehen und verhaftet werden wollen. "Aber die Frau bemerkte die Gefahr", sagte der Deutsche.

Der frühere Taxifahrer war obdachlos und lebte in einem Wohnheim, als er laut Anklage im September 2016 mit einem Kampfmesser im Rucksack zum Bezirksamt ging. Er habe vor dem Dienstzimmer der Geschädigten auf eine günstige Gelegenheit gewartet, um der Frau mit dem Messer in den Hals zu stechen, heißt es dort. Als die Mitarbeiterin in ein benachbartes Zimmer flüchtete, verfolgte er sie. Einen Kollegen der Frau, der sich ihm in den Weg stellte, verletzte er demnach durch einen Stich in den Oberkörper (TAG24 berichtete).

Der 59-Jährige war in einem ersten Prozess unter anderem wegen versuchten Totschlags zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht ging damals von erheblich verminderter Schuldfähigkeit des Täters aus und ordnete seine Unterbringung in einem Krankenhaus des Maßregelvollzugs an. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte die Entscheidung auf Revision des Angeklagten und der Nebenklägerin aufgehoben. Im neuen Prozess droht ihm nun ein Schuldspruch wegen versuchten Mordes.

Der Angeklagte sagte weiter, er sei "nicht krank und kein Fall für die Psychiatrie". 2015 habe er seine Wohnung verloren. Seitdem habe sich sein Ausländerhass verstärkt. Die Mitarbeiterin habe mit Akzent gesprochen. Nach Angaben eines Zeugen war der Angeklagte vor allem darüber verärgert, dass er kein Einzelzimmer im Wohnheim bekam.

Das Opfer leidet bis heute unter den psychischen Folgen der Tat. Ob die Frau vor Gericht als Zeugin aussagen wird, ist fraglich. Der Prozess wird am 8. November fortgesetzt.

Titelfoto: dpa/123RF

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