Die Bilanz: Halbzeit für Dresdens Rathaus-Chef Dirk Hilbert

Dresden - Im Juli 2015 gewann Dirk Hilbert (47, FDP) als Kandidat des bürgerlichen Lagers relativ deutlich die Stichwahl gegen Eva Maria Stange (61, SPD). Seit September 2015 ist er im Amt, dreieinhalb Jahre später zog OB Hilbert Dienstag sein "Halbzeitfazit".

OB Dirk Hilbert (47, FDP) zog Dienstag eine kämpferisch-positive Halbzeitbilanz.
OB Dirk Hilbert (47, FDP) zog Dienstag eine kämpferisch-positive Halbzeitbilanz.  © Christian Juppe

Rückblick: 2014 setzte sich bei der Kommunalwahl erstmals eine linke Ratsmehrheit durch. Die wollte ein Jahr später mit der gemeinsamen Kandidatin auch den Chefsessel im Rathaus übernehmen. Doch Hilbert, seit 14 Jahren Wirtschaftsbürgermeister und während ihrer Krankheit kurze Zeit Vertreter von OB Helma Orosz, machte das Rennen.

Im Wahlkampf setzte Hilbert auf "Herzensangelegenenheiten" genannte Schwerpunkte. "80 Prozent davon sind umgesetzt oder in Umsetzung, obwohl die ersten anderthalb Jahre von der Flüchtlingsthematik überlagert waren, wir kaum zu etwas anderem kamen", so Hilbert.

Tatsächlich redet der OB in Dutzenden Gesprächsformaten, wie angekündigt, mit seinen Bürgern. In der neu eingeführten OB-Sprechstunde wurde 287 Fälle besprochen. 40 Prozent der dort beschriebenen Probleme wurden geklärt. Was offen bleibt: Kein einziger Bürgerentscheid fand statt. Zu wenige Eigenheime werden gebaut. "Wir verlieren Familien ans Umland".

Mit Ehefrau Su Yeon (38) feierte der OB 2015 auf Schloss Eckberg seinen Wahlsieg.
Mit Ehefrau Su Yeon (38) feierte der OB 2015 auf Schloss Eckberg seinen Wahlsieg.  © Ove Landgraf

Was Hilbert umtreibt: "Ich bin neugierig, will mich auf neue Kulturen und Religionen einlassen" - unter anderem beim islamisch-jüdischen Neujahrsfest.

Noch immer sichtbar ist der frühere Wirtschafts- und Umweltbürgermeister. Hilbert treibt neue Parks voran, fördert das Freilegen von Bächen. 20 000 neue Jobs sind während seiner OB-Zeit entstanden, die Gewerbesteuer stieg um 100 Millionen Euro. "Wir knallen jede Behörde mit Förderanträgen zu. Allein für E-Mobilität sind so 15 Millionen Euro zusammen gekommen."

Gröster Kritikpunkt der Linken im Rat: Hilbert reise zu viel. Der OB: Ich bin mit sämtlichen relevanten Wirtschaftsbossen Europas im Gespräch. Doch dazu kann ich nicht im Büro hocken und warten, bis die zu mir kommen."

Ob es in dreieinhalb Jahren weiter gehen soll, ließ Hilbert dennoch offen.

Diese Politiker lesen OB Hilbert die Leviten

Kritisiert die "sogenannten" Dienstreisen des OB: Linke-Chef André Schollbach (40).
Kritisiert die "sogenannten" Dienstreisen des OB: Linke-Chef André Schollbach (40).  © Norbert Neumann

Schärfster Kritiker ist Linke-Chef André Schollbach (40): "Herr Hilbert tritt leider recht behäbig auf und wird seiner Rolle als erster Bürger der Stadt zu selten gerecht. Häufig stehen sogenannte Dienstreisen im Vordergrund, während er sich als Chef der Verwaltung drückt, notwendige Entscheidungen zu treffen."

Grüne-Chef Thomas Löser (47) kritisiert mit Blick auf die Albertstraße Hilberts vermeidlichen "Schulterschluss mit den Rechtskonservativen im Stadtrat für eine autozentrierte Politik".

CDU-Chef Jan Donhauser (49): "Positiv ist die kollegiale Zusammenarbeit. Äußerst kritisch sehe ich seine Positionierung, der WiD weitere zwölf Millionen Euro für Grundstücksankäufe zur Verfügung zu stellen."

Holger Zastrow (50, FDP) hingegen lobt, der OB habe "die aufgeregte Stadtgesellschaft beruhigt".

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