Der große Winter-Report vom Dach des Erzgebirges: "Die Flachländer werden da schnell nervös"

Oberwiesenthal - Alle reden vom Schneechaos. Nur die Einwohner von Oberwiesenthal nicht. Dort, wo sachsenweit die meisten Flocken fallen, ist die Stimmung völlig entspannt. Viel zu tun gibt’s trotzdem. TAG24-Reporterin Carolina Neubert (28) schaute sich das Schneetreiben aus der Nähe an.

40 Zentimeter Neuschnee an einem Tag: Ungewohnt für TAG24-Reporterin Carolina Neubert (28).
40 Zentimeter Neuschnee an einem Tag: Ungewohnt für TAG24-Reporterin Carolina Neubert (28).  © Uwe Meinhold

Links und rechts von der Fahrbahn türmen sich meterhohe Schneeberge auf. Der Wind pfeift, Schneeböen wirbeln durch die Luft. Es geht bergauf. Am Ende der Straße, mitten im Nirgendwo: das Hotel von Jens Weißflog (54). Die Skisprunglegende ist unbeeindruckt vom Winterwetter.

"Wir können hier ganz gut mit Schnee umgehen, auch wenn es sehr viel ist. Schnee ist das, was wir wollen", sagt Weißflog mit einem entspannten Lächeln. "Wir hatten Gäste, die sind zwei Tage eher abgereist. Die hatten Angst, dass sie nicht mehr wegkommen." Er ist die Ruhe selbst: "In 22 Jahren haben wir jeden weggekriegt, der abreisen wollte. Der Wetterdienst und die Leute aus dem Erzgebirge sind darauf eingestellt."

Dass der Schnee auch mal nervt, weiß Weißflog natürlich. "Dann geht mal die Schneefräse nicht mehr, der Schnee kommt von den Dächern runter, die Straße ist gesperrt. Es gibt Tage, da überfordert es einen."

Sein Tipp: "Man muss es nehmen, wie es ist und Geduld bewahren", sagt er und schwingt gelassen die Schneeschaufel.

Schwebebahn-Chef René Lötzsch (46) nimmt es locker

Skisprunglegende und Hotelier Jens Weißflog (54) schippt den Parkplatz seines Hotels heute selbst frei.
Skisprunglegende und Hotelier Jens Weißflog (54) schippt den Parkplatz seines Hotels heute selbst frei.  © Uwe Meinhold

Auf dem Weg ins Tal knirscht der Schnee unter den Stiefeln. Der Wind weht Flocken in Gesicht und Haare. Es ist frostig. Doch auch weiter unten schimpft niemand übers Wetter. Schwebebahn-Chef René Lötzsch (46) zuckt nur mit den Schultern: "Solche Winter gab's schon immer. Wir kennen das so und freuen uns, dass es so richtig schneit. Es ist nun mal Winter!"

Kinder quietschen vergnügt, bauen Schneemänner, schmeißen sich in Schneeberge. Carsten Jacob (42) ist Chef der Skischule Fichtelberg. Als Sportler begeistert ihn der Schnee: "Das ist der Wahnsinn! Es hat zwei Tage durchgeschneit. Für uns Wintersportler ist das ein Traum." Auch für ihn ist die blanke Angst einiger Touristen vor Niederschlag schwer nachvollziehbar.

"Einige Kurse wurden schon abgesagt, weil die Straßen dicht sind. Die Flachländer werden da schnell nervös, wir sind es gewöhnt."

Und das sagen die "Flachländer"

René Lötzsch (46), freut sich über das Winterwetter.
René Lötzsch (46), freut sich über das Winterwetter.  © Uwe Meinhold

Monique Rösler (30) aus Riesa ist eine von diesen Flachländern. Gemeinsam mit Tochter Greta (4) macht sie einen Anfängerkursus im Skifahren. "Das ist das erste Mal für mich", sagt sie glücklich. "Bei uns liegt wenig Schnee. Das ist für mich sehr ungewohnt, aber super zum Skifahren."

Andreas Böhme (37) von der Bergwacht versteht den Wirbel um das Wetter nicht. "Der Winter bringt die Menschen hier oben nicht aus der Ruhe. Es hat 40 Zentimeter geschneit. Das ist eigentlich nichts." Auch hier Gelassenheit pur - dabei sollen bis morgen noch einmal 40 Zentimeter runterkommen!

Eine historische Dampflok mitten im Winterwunderland - leider außer Betrieb. Stephanie Arnold (28) von der Fichtelbergbahn erklärt gelassen: "Es hat über Nacht fast einen halben Meter geschneit. Da müssen wir aus Sicherheitsgründen sperren, bis fertig geräumt ist." Bäume könnten unter der schweren Last des Schnees brechen. Keine ungewöhnliche Situation für Einheimische. "Ich bin hier groß geworden, ich kenne das."

Das Ehepaar Dinse aus Hessen scheint etwas hilflos, ist auf der Suche nach einem Bus. Die zwei sind überrascht von den Schneemassen und dass es tagelang schneit. Doch wer glaubt, dass diese Touristen in Panik ausbrechen, irrt. "Uns stört das Wetter nicht, wir sind glücklich, dass so viel Schnee da ist."

Die erzgebirgische Entspannung scheint ansteckend zu sein...

Die Ski-Lehrer Jonas Feldmann (28) und Corinna Trommler (25) geben Monique Rösler (30) und ihrer Tochter Greta (4) die erste Stunde.
Die Ski-Lehrer Jonas Feldmann (28) und Corinna Trommler (25) geben Monique Rösler (30) und ihrer Tochter Greta (4) die erste Stunde.  © Uwe Meinhold
Der Betrieb der Fichtelbergbahn ist eingestellt. Andreas Deutscher (46) hält im Bahnhof Oberwiesenthal die Weichen frei.
Der Betrieb der Fichtelbergbahn ist eingestellt. Andreas Deutscher (46) hält im Bahnhof Oberwiesenthal die Weichen frei.  © Uwe Meinhold
Für die Einwohner von Oberwiesenthal ist der Wintereinbruch nichts Besonderes. Hier bleibt man entspannt.
Für die Einwohner von Oberwiesenthal ist der Wintereinbruch nichts Besonderes. Hier bleibt man entspannt.  © Uwe Meinhold

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