Ehrenmal von Neonazis zum "Heldengedenken" missbraucht

Das Ehrenmal am Tönsberg wird immer wieder von Neonazis für ihre Versammlungen missbraucht.
Das Ehrenmal am Tönsberg wird immer wieder von Neonazis für ihre Versammlungen missbraucht.

Oerlinghausen - Am Sonntag war in ganz Deutschland Volkstrauertag. Eigentlich wird an diesem Tag Kriegstoten und Opfern von Gewaltbereitschaft gedacht.

Neonazis nehmen den Gedenktag allerdings jedes Jahr aufs Neue zum Anlass, um mit Fackeln, schwarz-weiß-roten Fahnen und Trommeln den Kammweg auf dem Tönsberg entlang zu gehen und schließlich am Oerlinghauser Kriegerdenkmal an ihre "Helden" aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg zu erinnern.

Um etwa 19 Uhr kamen sie am Sonntag dort an. Sie sangen gemeinsam nationalsozialistische Lieder und hielten Reden ab, die die Machenschaften der Soldaten der Waffen-SS und der Wehrmacht verharmlosen und idealisieren.

Laut Informationen der Neuen Westfälischen riefen die fünfzehn Neonazis im Alter zwischen 20 und 60 Jahren, die sich dieses Jahr an dem Ehrenmal versammelten, auch dazu auf, das aktuelle System zu boykottieren und zu bekämpfen.

In einem Beitrag hieß es demnach, dass die heutige Regierung mit Migration und der Homo-Ehe Deutschland und das, wofür das deutsche Volk früher gekämpft habe, verraten würde.

Mit schwarz-weiß-roten Fahnen zogen die Neonazis auf den Tönsberg. (Symbolbild)
Mit schwarz-weiß-roten Fahnen zogen die Neonazis auf den Tönsberg. (Symbolbild)  © DPA

Täter sollen zu Opfern gemacht worden sein. Alles soll an die Heldenstilisierung im "Dritten Reich" angelehnt gewesen sein. Beschwörungen der Toten sollen ebenfalls dazugehört haben.

Gemeinsam rief man unter Trommelklängen "die gefallenen Soldaten der Wehrmacht" und die "gefallenen Soldaten der Waffen-SS" zurück, wie ein Zeuge der Zeitung berichtet haben soll.

Zwanzig Minuten dauerte die Veranstaltung, dann war der Spuk, der auch die feierliche Niederlegung eines Kranzes beinhaltete, vorbei. Gegen die Versammlung unternehmen kann die Stadt Oerlinghausen laut Bürgermeister Dirk Becker nichts.

"Wenn keine Straftaten passieren, muss eine Demokratie so etwas aushalten, auch wenn es mir nicht gefällt", sagte er mit Verweis auf das Recht der Versammlungsfreiheit. "Alle vermeintlichen Treffpunkte von Neonazis in OWL prophylaktisch zu überwachen, ist personell nicht zu schaffen", heißt es vom Staatsschutz.

"Wenn man von solch einer Versammlung Kenntnis bekommt, sofort die Polizei anrufen. Die Kollegen reagieren dann recht schnell", wird geraten. Aber: "Es handelt sich bei den Versammlungen erst einmal nicht um Straftaten."


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