Nach Hitzewelle: Unwetter und unsichtbare Gefahr im Anmarsch

Offenbach/Berlin - Nach den historischen Hitzetagen können sich die Menschen in Deutschland auf leichte Abkühlung freuen. Gleichzeitig kündigen sich Unwetter an, und auch die negativen Folgen der Rekordtemperaturen werden vermehrt spürbar.

Lingen, deutscher Hitze-Rekordhalter mit 42,6 Grad Celsius.
Lingen, deutscher Hitze-Rekordhalter mit 42,6 Grad Celsius.  © Christophe Gateau/dpa

Ab Samstag sei die große Hitzewelle vorbei, sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Freitag in Offenbach.

Am Wochenende drohen Unwetter; der DWD hält Überflutungen und sogar Hagel für möglich. Die extrem hohen Temperaturen der vergangenen Tage führen vielerorts auch zu Wasserknappheit.

Am Wochenende werden in mehreren Bundesländern außerdem erneut hohe Ozonkonzentrationen erwartet.

In Nordrhein-Westfalen soll nach Angaben des Umweltbundesamtes am Samstag die Warnschwelle von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten werden. Am Sonntag geht die Belastung demnach leicht zurück. Die Meldegrenze (180) soll aber dennoch übertreten werden. Auch in Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz soll an beiden Tagen diese Schwelle überschritten werden.

Die gute Nachricht: Hoch "Yvonne" wandert nach Skandinavien ab und macht Platz für das Tiefdruckgebiet "Vincent". Das bringt statt Sahara-Hitze feuchte und etwas kühlere Atlantikluft. Spätestens am Sonntag fällt die Temperatur daher meist unter 30 Grad.

Gewitterrisiko steigt, Ozon-Belastung nimmt zu

Unwetterartige Regenfälle können herunterkommen, so wie hier in Großbritannien.
Unwetterartige Regenfälle können herunterkommen, so wie hier in Großbritannien.  © DPA / Stefan Rousseau

Damit steigt allerdings auch das Gewitterrisiko. Am Samstag gibt es im Südwesten, am Sonntag fast überall ein erhöhtes Unwetterpotenzial.

Örtlich könnten laut DWD in kurzer Zeit bis zu 40 Liter pro Quadratmeter fallen - da die Böden meist sehr trocken sind, können sie das Wasser nicht aufnehmen, und es kann zu Überflutungen kommen.

Der DWD bestätigte außerdem den neuen deutschen Hitzerekord von 42,6 Grad im niedersächsischen Lingen. Der am Donnerstag gemessene Wert sei korrekt, sagte ein Sprecher am Freitag nach einer Überprüfung der Messwerte.

Der DWD hatte zu den Rekordergebnissen vom Donnerstag geschrieben: "Heiß, heißer, Deutschland - Ein Tag für die Wettergeschichte".

Demnach wurden an 25 Messstationen 40 Grad oder mehr gemessen, an 15 Stationen wurde der Rekordwert aus Kitzingen übertroffen. Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg twitterte: "Vorläufiger neuer deutscher Hitzerekord... 42,6°C! Über 2° wärmer als der alte Rekord. Der gestern aufgestellt wurde..."

Angesichts der Hitze forderte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) die Unternehmen in Deutschland auf, auf genug Schutz ihrer Mitarbeiter zu achten. "In solchen Ausnahmesituationen wie aktuell müssen sich die Betriebe flexibel zeigen und sich gut um ihre Angestellten kümmern", sagte Heil am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Viele Arbeitnehmer müssten trotz Hitze schwer arbeiten, viele auch im Freien. Heil rief die Unternehmen zu praktischen Lösungen auf.

Große Hitze: Feuerwehr kämpft gegen Waldbrände an

Alle Hände voll zu tun hatte die Feuerwehr bei einem Waldbrand in Jüterborg.
Alle Hände voll zu tun hatte die Feuerwehr bei einem Waldbrand in Jüterborg.  © DPA / Monika Skolimowska

Unterdessen weitete sich der Waldbrand bei Jüterbog in Brandenburg am Freitag erneut aus. Inzwischen seien 100 Hektar Wald in Flammen, berichtete der stellvertretende Bürgermeister.

Der Brand könne wegen der Munitionsbelastung auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz weiter nur mit zwei Hubschraubern aus der Luft bekämpft werden.

Auch auf dem früheren Truppenübungsplatz bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern brach erneut ein Feuer aus. Der Brand im nordöstlichen Teil des Waldgebietes konnte aber schnell gelöscht werden. Anfang Juli hatten bei einem Großbrand am Rand des Übungsplatzes mehrere Orte vorsorglich evakuiert werden müssen.

Der Landkreis Harz rief die Menschen zum Wassersparen auf, weil Bäche und sogar größere Flüsse vielerorts von der Austrocknung bedroht sind. Besonderen Grund zur Sorge gebe das Grundwasser, einige Bäume zeigten bereits deutliche Trockenschäden, teilte die Kreisverwaltung in Sachsen-Anhalt mit.

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