Ohne Rücksicht! Zwölfjähriger alleine nach Mazedonien abgeschoben

Bereits am Montagmorgen ging es für den Zwölfjährigen zurück in seine mazedonische Heimat (Symbolbild).
Bereits am Montagmorgen ging es für den Zwölfjährigen zurück in seine mazedonische Heimat (Symbolbild).  © 123RF

Alsfeld - Eine heftige Diskussion herrscht zwischen Flüchtlingsrat und dem hessischen Regierungspräsidium. Der Grund: die Abschiebung eines zwölfjährigen, vermutlich sogar psychisch kranken mazedonischen Jungen.

Das berichtete die Frankfurter Rundschau am Dienstag. In seinem Heimatland wurde er in die Obhut seines mutmaßlich gewalttätigen Vaters übergeben, obwohl seine in Hessen lebende Großmutter das Sorgerecht innehatte. Dem widerspricht das Regierungspräsidium jedoch.

Am Montagmorgen flog der Zwölfjährige alleine zurück nach Mazedonien, während seine Großmutter im Krankenhaus lag. Darüber hinaus erklärte der Flüchtlingsrat, dass die Mutter des Jungen drogenabhängig war und bereits verstorben ist. Nun wäre der ebenfalls suchtkranke und bereits wegen verschiedener Vergehen zu Gefängnisstrafen verurteilte und gewalttätige Vater allein für die Aufsicht zuständig.

Die aktuelle Situation des Vaters veranlasste ihn jedoch selbst bereits dazu seine mangelnde Fähigkeit zur Erziehung des Kindes in einem Schriftstück festzuhalten.

In seiner Heimat übernimmt sein gewalttätiger Vater das Sorgerecht. (Symbolbild)
In seiner Heimat übernimmt sein gewalttätiger Vater das Sorgerecht. (Symbolbild)  © 123RF

Dieses liege der Frankfurter Rundschau ebenfalls vor. Weiterhin berichtet die FR, dass der Junge in der Vergangenheit bereits mehrmals von seinem Vater misshandelt wurde.

Deshalb flüchtete die Großmutter mit ihrem Enkel nach Alsberg im Vogelsbergkreis. Da der Zwölfjährige aufgrund seiner Erlebnisse vollkommen traumatisiert war und entsprechende Verhaltensauffälligkeiten zeigte, wurde er vom Jugendamt auch in einer spezialisierten Jugendhilfeeinrichtung untergebracht.

Die Aussagen des Flüchtlingsrats bezeichnet das Regierungspräsidium jedoch als nicht korrekt. Seit März 2016 habe die Großmutter kein Umgangsrecht mehr, ihr Enkel lebe seitdem auch nicht mehr bei ihr. Aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen könne man aber nicht auf den genauen Zustand des Vaters, über den man ausschließlich aus Erzählungen der Großmutter Bescheid wüsste, eingehen.

Des Weiteren behaupten die zuständigen Behörden, dass die Abschiebung bereits "im Vorfeld mit den mazedonischen Behörden besprochen" und "von beiden Seiten eng begleitet worden" sei, berichtete die Frankfurter Rundschau. In Skopje wurde der Junge dann von seinem Vater in Empfang genommen. Auch das mazedonische Jugendamt sei eingeschaltet worden und begleite die weitere Entwicklung des Falles.

Gegen die Forderung des Flüchtlingsrates, die Abschiebung umgehend zu widerrufen, sträubt sich das Regierungspräsidium weiterhin. Jedoch gab man laut Frankfurter Rundschau an, Minderjährige in Zukunft nicht mehr ohne Begleitung ausreisen zu lassen.

Auch über die genaue Zuständigkeit für Abschiebungen gibt es derzeit Streit (TAG24 berichtete). Die schwarz-grüne Landesregierung prüft, die Zuständigkeit für Abschiebungen von den Städten und Kreisen ganz auf die Regierungspräsidien zu übertragen. Viele Landkreise wollen aber ausreisepflichtige Ausländer lieber selbst abschieben.

Titelfoto: 123RF


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