Oktoberfest ist Geschichte: So fällt die große Wiesn-Bilanz aus

München - Leicht verregnet, friedlich und rekordfrei geht das Oktoberfest in diesem Jahr zu Ende. Nach Schätzung der Festleitung drängten in den zwei Festwochen rund 6,3 Millionen Gäste auf das Volksfest - so viele wie im Vorjahr.

Rund 6,3 Millionen Gäste sollen nach Schätzungen auf der Wiesn gewesen sein.
Rund 6,3 Millionen Gäste sollen nach Schätzungen auf der Wiesn gewesen sein.  © Felix Hörhager/dpa

"Es war eine schöne Wiesn", sagte der Münchner Wirtschaftsreferent und Festleiter Clemens Baumgärtner (CSU) am Sonntag zum Abschluss des größten Volksfestes der Welt. Wirte und Schausteller seien sehr zufrieden. "Wir haben eine friedliche Wiesn gehabt mit einem entspannten und gut gelaunten Volksfestpublikum", erklärte er.

Die Wiesn sei "als Gesamtkunstwerk neu entdeckt worden", führte Baumgärtner aus. Es werde "wieder mehr aus den Zelten herausgegangen in die Schaustellerstraße", um dort in historische Karussells oder moderne Hightech-Fahrgeschäfte zu steigen. Alle Generationen seien da gewesen, "vom Kleinkind bis zu Oma und Opa".

Unter den fast 3800 Fundsachen war auch dieses Jahr wieder ein Gebiss. Es fehlt auch mit steigenden Transplantationskünsten der Zahnärzte nie. Bei den Trachten waren edlere Stoffe angesagt - anstatt greller Farben, Glitzer und Perlen. Der Hendlhut erlebte einen neuen Boom und die Italiener entdeckten den klassischen Filzhut neu.

Auch die Prominenz feierte an den 16 Festtagen kräftig mit. Politiker, Schauspieler und TV-Größen zeigten sich in mehr oder minder traditionellen Trachtenoutfits. Der FC Bayern München musste einmal mehr mit Frust auflaufen.

E-Scooter sorgen während Wiesn für viele Führerscheinverluste

Kingsley Coman und der FC Bayern München besuchten das Oktoberfest ebenfalls.
Kingsley Coman und der FC Bayern München besuchten das Oktoberfest ebenfalls.  © Stefan Matzke/Paulaner/Sampics/dpa

Spieler, Trainer und Führung kamen - in Lederhosen - nach einem 1:2 gegen Hoffenheim im Bierzelt an. Eine Woche zuvor hatten die Wiesngäste vergeblich auf einen besonderen Gast gewartet: Der ehemalige US-Präsident Barack Obama, der zur Gründermesse "Bits & Pretzels" in München war, reiste ohne Wiesnbesuch wieder ab.

Die Gäste kamen mit gutem Appetit und verzehrten wie im Vorjahr 124 Ochsen sowie 29 Kälber (2018: 27). Zugleich wurde laut Leitung mehr Vegetarisches und Öko-Essen verzehrt. Dafür waren die Gäste zurückhaltender beim Bier: 7,3 Millionen Maß rannen durch durstige Kehlen, 200.000 weniger als im Vorjahr. Das In-Getränk mit weniger Kalorien und Alkohol: "Saures Radler" - mit Mineralwasser.

In der Wiesn-Sanitätswache mussten die Helfer zwar mit 6592 mehr Patienten behandeln, aber weniger Bierleichen: Die Aicher Ambulanz Union registrierte rund 600 alkoholbedingte Intoxikationen, fast 120 weniger als noch im vergangenen Jahr.

Trotzdem gab es bei den Alkoholfahrten einen Rekord: 774 Mal (!) wurden Verkehrsteilnehmer unter Alkoholeinfluss gestoppt. Insgesamt 414 von ihnen allein auf E-Tretrollern. Bei 469 Verkehrsteilnehmern wurde der Führerschein sofort sichergestellt, davon überaus stolze 254 E-Scooter-Fahrer.

Viele betrachteten die Fahrzeuge nicht als ernstzunehmendes Verkehrsmittel, sondern ein Lifestyle-Produkt oder eben als Spielzeug, sagte der Pressesprecher der Münchner Polizei, Marcus da Gloria Martins.

Im Vorjahr hatte es 332 Alkoholfahrten und 192 sichergestellte Führerscheine gegeben. Da spielten die Scooter allerdings auch noch keinerlei Rolle.

Rückgang bei Straftaten - allerdings nur ein leichter

Die Polizei hatte auch in diesem Jahr auf der Wiesn wieder so einiges zu tun.
Die Polizei hatte auch in diesem Jahr auf der Wiesn wieder so einiges zu tun.  © Angelika Warmuth/dpa

Die Polizei meldete einen leichten Rückgang der Straftaten um ein Prozent auf 914. Allerdings mussten die Beamten öfter ausrücken (1915, 2018: 1786). Das zeige, dass die anwesenden Gäste schon in potenziellen Konfliktsituationen die Polizei alarmierten, erklärte da Gloria Martins hierzu.

Es gab weniger Taschendiebstähle. Dafür stiegen Sexualdelikte leicht (45, 2018: 42). Teils wurden Täter in flagranti erwischt, dreimal verhinderten Einsatzkräfte ein Sexualdelikt. 263 Mal kam es zu Körperverletzungen (256), 32 Mal schlugen Gäste mit dem Maßkrug zu (27).

Dennoch sei das Volksfest angesichts der Menschenmassen und des Alkoholkonsums extrem sicher, sagte da Gloria Martins. Welche Kräfte Alkohol freisetzen kann, erlebten die Beamten auf der Wiesnwache: Ein Mann riss eine Zellentür heraus - ein anderer eine Kloschüssel.

Mehr Zulauf erlebte mit 550.000 Gästen (500.000) auch die Oide Wiesn, vielleicht trieb Wehmut die Menschen auf diesen traditionelleren Teil des Volksfestes. Denn die "Oide" muss 2020 dem Zentral-Landwirtschaftsfest der Bauern weichen.

Wiesn-Hit? Fehlanzeige! Stattdessen seien Oldies und Klassiker gespielt worden, sagte Baumgärtner. Er hatte grundsätzlich geworben, den Fokus beim Wiesnbesuch mehr auf Qualität zu legen. Er findet jedenfalls: "Ich glaube, wir haben eine wirkliche Qualitätswiesn geschafft."

Das Oktoberfest 2019 in München ist am Sonntag zu Ende gegangen. Zeit, um eine erste Bilanz zu ziehen.
Das Oktoberfest 2019 in München ist am Sonntag zu Ende gegangen. Zeit, um eine erste Bilanz zu ziehen.  © Felix Hörhager/dpa

Titelfoto: Felix Hörhager/dpa

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