Geständnis! Niels Högel gibt Morde an Patienten zu

Oldenburg - Der wegen 100 Morden an Patienten angeklagte Ex-Krankenpfleger Niels Högel hat die Vorwürfe vor Gericht gestanden.

Der wegen vielfachen Mordes Angeklagte Niels Högel kommt in den Gerichtssaal
Der wegen vielfachen Mordes Angeklagte Niels Högel kommt in den Gerichtssaal  © DPA

Diese träfen weitgehend zu, sagte er am Dienstag vor dem Landgericht Oldenburg.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von 2000 bis 2005 immer wieder Patienten an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst zu Tode gespritzt zu haben. Wegen sechs Taten sitzt er bereits lebenslang in Haft.

Vor Beginn des Prozesses hatte der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann alle Anwesenden zu einer Schweigeminute aufgerufen. Dies sei unabhängig davon, ob Högel etwas mit deren Tod zu tun habe oder nicht. "Wir werden uns bemühen und mit allen Kräften nach der Wahrheit suchen", versprach Bührmann.

Gleich nach Prozesseröffnung am Dienstagmorgen erklärte der Angeklagte dann, dass er selbst aussagen wolle. Högel antwortete zunächst auf Fragen zu seiner Erziehung und der Berufswahl. Er sei in Wilhelmshaven geboren und dort "behütet und beschützt" ohne Gewalt aufgewachsen.

Als Vorbilder auch für seinen Berufswunsch Krankenpfleger nannte er seine Großmutter und seinen Vater, die beide den Beruf ausübten.

Update, 17 Uhr:

Die Taten soll der Angeklagte an den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg begangen haben.
Die Taten soll der Angeklagte an den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg begangen haben.  © dpa/Hauke-Christian Dittrich

Die allgemein gestellte Frage von Richter Sebastian Bührmann, ob die 100 Vorwürfe vom Missbrauch an Patienten bis zur Todesfolge größtenteils zuträfen, beantwortete Högel mit "Ja".

Die Verhandlung begann mit einer Schweigeminute für die Opfer.

Der bereits wegen anderer Fälle im Jahr 2015 zu lebenslanger Haft verurteilte 41-Jährige soll von 2000 bis 2005 an zwei Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg in Niedersachsen Patienten im Alter von 34 bis 96 Jahren mit Medikamenten zu Tode gespritzt haben.

Die Taten seien aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch begangen worden, sagte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann. Der Prozess gegen den Ex-Krankenpfleger wurde wegen der großen Zahl an Prozessbeteiligten in eine Kongresshalle verlegt.

Högel sagte am Dienstag knapp drei Stunden aus. Es werden noch viele folgen. Selbst als er in Oldenburg fürchten musste, dass man ihm womöglich "auf die Schliche" gekommen war, dachte er nach eigenen Worten nicht daran, von seinen Taten abzulassen.

In einem Punkt bohrten der Richter, Anwälte der Nebenkläger und ein Gutachter hartnäckig nach: Warum hat Högel bei dem Prozess 2015 vehement bestritten, dass er am Klinikum Oldenburg überhaupt "manipuliert", sprich Menschen umgebracht hatte?

Er habe es verdrängt und sich geschämt, sagte Högel, der aber mit dieser Aussage offensichtliche Zweifel hinterließ.

Die Staatsanwältin ging in ihrer rund eineinhalbstündigen Anklageverlesung auf jeden der 100 Fälle ein.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft injizierte Högel seinen Opfern ein Medikament mit tödlichen Nebenwirkungen. Anschließend versuchte er, die Patienten wiederzubeleben - was in vielen Fällen misslang.

Das Motiv: Langeweile und Geltungssucht vor den Kollegen.

Der Prozess ist komplex und aufwendig. Die Staatsanwaltschaft benannte 23 Zeugen und 11 toxikologische und rechtsmedizinische Sachverständige.

"Wir haben vier Jahre für diesen Prozess gekämpft und erwarten, dass Högel wegen weiterer 100 Morde verurteilt wird", sagte Christian Marbach, der Sprecher der Angehörigen.

Sein Großvater war von Högel getötet worden. "Das Ziel ist, dass Högel so lange wie möglich in Haft bleibt."

Titelfoto: DPA

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