Leichtathletik-Olympiasiegerin wechselt wegen Sperre einfach zum Fußball

Südafrika - Die 800-Meter-Olympiasiegerin Caster Semenya sorgte in den letzten Jahren für viel Aufmerksamkeit. Die androgene Sportlerin muss nach den neu eingeführten Regeln ihren Testosteronspiegel weiter senken, um diesen den biologischen Frauen anzugleichen. Das will sie nicht, also kehrt sie der Leichtathletik den Rücken zu.

Caster Semenya während einem 800m-Rennen.
Caster Semenya während einem 800m-Rennen.  © Instagram/ Caster Semenya

Auf ihren Social-Media-Accounts hatte die Südafrikanerin schon unlängst angedeutet, dass der Fußballplatz bald die Laufbahn ersetzen würde.

Nun hat die Mittelstreckenspezialistin bekannt gegeben, dass sie in der kommenden Saison in der semiprofessionellen Sasol League anzutreffen sein wird.

Sie unterschrieb bei JSV Football Club, ein von Südafrikas Rekordnationalspielerin Janine van Wyk gegründeter Verein .

Semenya scheint das Kapitel Leichtathletik abgehakt zu haben: "Ich bin dankbar für diese Gelegenheit und schätze die Liebe und Unterstützung, die ich bereits vom Team bekommen habe. Ich freue mich auf diese neue Reise", so die zweimalige Weltmeisterin.

Doch die Freude liegt nicht nur ihr. "Ich fühle mich absolut geehrt, dass sie von allen anderen Frauenklubs der Welt unseren Verein ausgewählt hat. Ich habe sie bei ihrem ersten Training mit dem Team am Dienstag begrüßt und war beeindruckt. Sie hat definitiv alle Grundlagen", erklärt Janine van Wyk.

Caster Semenya schnürt jetzt die Fußball-Schuhe

Semenya präsentiert 2017 stolz ihre WM-Goldmedaille.
Semenya präsentiert 2017 stolz ihre WM-Goldmedaille.  © dpa/Martin Meissner

Die überwältigende Mehrheit ist erfreut ihren Star bald in einer neuen Rolle zu sehen, aber es gibt eben auch die negativen Kommentare in den sozialen Medien.

Die Themen darunter sind unter anderem wieso sie denn jetzt - ebenfalls bei den Frauen - Fußball spielen darf, Konter gegen ihre Homosexualität und die Frage ob Semenya überhaupt Fußball spielen kann.

Das lässt sich leicht beantworten: Ja. Semenya trainierte in ihrer Jugend jeden Tag in der Schule Fußball.

Außerdem sucht die Athletin sicherlich nicht nur eine neue Herausforderung, sondern auch eine Ablenkung. Die Weltmeisterschaften werden nämlich ab Ende September ohne die Titelverteidigerin stattfinden.

Schon vor dem Beginn der langen Saison in diesem Jahr versuchte der Leichtathletikverband IAAF die Testosteron-Grenze bei Athletinnen mit androgenen Anlagen zum wiederholten Male zu drücken.

Ende Juli hat das Schweizer Bundesgericht die umstrittene Regelung zugelassen. Semenya gehört laut IAAF zu den "biologisch männlichen Athleten mit weiblichen Geschlechtsidentitäten".

Das bedeutet, dass sie zwar rein körperlich wie eine Frau aussieht, jedoch biologisch männlich ist. Dazu gehören angeblich innenliegende Hoden, ein schnellerer Muskelaufbau und Testosteronwerte wie ein Mann. Die Details wurden zu ihren Gunsten und ihrer Gesundheit weitestgehend von der Öffentlichkeit ferngehalten.

Jedenfalls müsste die Mittelstreckenläuferin für die kommende Weltmeisterschaft ihren Testosteronspiegel medikamentös weiter drücken, nicht ungefährlich für sie. Das lehnt sie strikt ab. Daher wird ihr die Titelverteidigung untersagt.


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