"Oma als Umweltsau": Demonstrierten Rechte vor WDR-Gebäude?

Köln – Nach einer vom WDR-Kinderchor gesungenen Umweltsatire über die "Oma als Umweltsau" haben am Sonntag Dutzende Menschen vor dem Gebäude des Senders in Köln protestiert.

Wegen einer Umweltsatire gab es am Sonntag eine Demonstration vor einem WDR-Gebäude in Köln (Archivbild).
Wegen einer Umweltsatire gab es am Sonntag eine Demonstration vor einem WDR-Gebäude in Köln (Archivbild).  © Oliver Berg/dpa

Einige Demonstranten hätten augenscheinlich zur rechten Szene gehört, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Ein Privatmann habe die Aktion unter dem Motto "Unsere Oma ist keine Umweltsau" angemeldet.

Außerdem kam es zu einer spontanen Gegendemonstration aus der linken Szene, wie der Sprecher weiter sagte.

Nach bisherigem Stand habe es verbale Auseinandersetzungen zwischen beiden Lagern gegeben, aber es sei zu keinerlei Straftaten gekommen. Zur genauen Zahl der Teilnehmer machte die Polizei zunächst keine Angaben.

Die Veranstaltung begann um 14 Uhr und wurde gegen 15.30 Uhr beendet.

Die vom WDR-Kinderchor gesungene Satire über die "Oma als Umweltsau" hatte einen sogenannten Shitstorm im Netz mit mehr als 40.000 Facebook-Kommentaren bis Sonntagvormittag ausgelöst. Der WDR hatte das Video schon am Freitagabend von der WDR2-Facebookseite gelöscht und sich "für die missglückte Aktion" entschuldigt (TAG24 berichtete).

Entschuldigung des WDR

WDR-Intendant Tom Buhrow (61) entschuldigte sich für den Satire-Beitrag seines Senders.
WDR-Intendant Tom Buhrow (61) entschuldigte sich für den Satire-Beitrag seines Senders.  © Oliver Berg/dpa

Schließlich rief am Samstagabend sogar WDR-Intendant Tom Buhrow vom Krankenhausbett seines 92-jährigen Vaters in einer Spezialsendung von WDR 2 an.

Dort bezeichnete er das "Video mit dem verunglückten Oma-Lied" als Fehler. "Ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber dafür." Sein Vater habe immer hart gearbeitet. "Er ist keine Umweltsau", sagte Buhrow.

In dem Video sangen rund 30 Mädchen im Studio unter anderem die Zeilen: "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau." In einer anderen Strophe hieß es: "Meine Oma fährt mit 'nem SUV beim Arzt vor, überfährt dabei zwei Opis mit Rollator."

"Wir haben mit einem großen Hammer auf einen relativ kleinen Nagel geschlagen", sagte WDR 2-Programmchef Jochen Rausch reumütig in der Spezialsendung und entschuldigte sich mehrmals. Man habe das Wort "Umweltsau" in Verbindung gebracht mit der "lieben Oma", die abends Geschichten vorlese. "Das drückt bei vielen Menschen den roten Knopf", so Rausch. Man habe nicht mit der "nötigen sprachlichen Feinheit" gearbeitet und "nicht lange genug nachgedacht".

Das Redaktionsteam bedauere, "dass die Satire die Gefühle eines Teils des Publikums verletzt hat", teilte der WDR mit. Es sei darum gegangen, den Generationenkonflikt, der sich durch die Fridays-for-Future-Bewegung darstelle, mit den Mitteln der Satire aufzugreifen. Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, Frank Überall, sagte dem Deutschlandfunk, er verstehe nicht, warum das Video so polarisieren konnte, weil es klar als Satire gekennzeichnet worden sei.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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