Sexy, witzig, brutal: Darum begeistert Tarantinos "Once Upon A Time In Hollywood"!

Hollywood (USA) - Stars ohne Ende! Kult-Regisseur Quentin Tarantino ("Pulp Fiction", "Inglourious Basterds", "Django Unchained") versammelt in seinem neuen Film "Once Upon A Time In Hollywood", der am 15. August in den deutschen Kinos startet, ein herausragendes Ensemble.

Rick Dalton (M., Leonardo DiCaprio) und sein Stuntman Cliff Booth (l., Brad Pitt) treffen sich mit dem Filmproduzenten Marvin Schwarsz (Al Pacino).
Rick Dalton (M., Leonardo DiCaprio) und sein Stuntman Cliff Booth (l., Brad Pitt) treffen sich mit dem Filmproduzenten Marvin Schwarsz (Al Pacino).  © PR/Andrew Cooper/Sony Pictures Entertainment Deuts

Im Mittelpunkt stehen im Jahr 1969 der Fernsehschauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und sein Stuntman Cliff Booth (Brad Pitt), die in Hollywood leben und arbeiten.

Dalton trifft sich in einem Restaurant mit dem Produzenten Marvin Schwarsz (Al Pacino), der ihm genau erklärt, wie das Business funktioniert und ihn eindringlich bittet, lieber Rollen in Spaghetti-Western anzunehmen, anstatt sich als Film-Bösewicht verheizen- und die Sterne anderer Schauspieler aufgehen zu lassen.

Nach diesem Gespräch muss Booth seinen besten Kumpel trösten, glaubt dieser doch, zum alten Eisen zu gehören.

Der ohnehin von Selbstzweifeln geplagte Dalton findet aber schnell wieder in die Spur, als er entdeckt, dass Star-Regisseur Roman Polanski (Rafal Zawierucha) und seine bildschöne Frau Sharon Tate (Margot Robbie) seine neuen Nachbarn im Cielo Drive sind.

Booth entdeckt hingegen die verführerische, blutjunge Pussycat (Margaret Qualley) für sich und fährt diese zur berühmten Spahn-Filmranch, wo er früher selbst gedreht hat. Dort wird Cliff aber schnell misstrauisch, da es erkennbar nicht mit rechten Dingen zugeht...

In "Once Upon A Time In Hollywood" verfliegt die Zeit

Autogramme und Bilder von Quentin Tarantino: Der Regisseur hautnah bei den Fans im Rahmen der Deutschlandpremiere seines Filmes im Sony Center in Berlin.
Autogramme und Bilder von Quentin Tarantino: Der Regisseur hautnah bei den Fans im Rahmen der Deutschlandpremiere seines Filmes im Sony Center in Berlin.  © PR/Adam Berry/Sony Pictures Entertainment Deutschl

Diese Geschichte hat Tarantino herausragend gut umgesetzt. So dreht sich "Once Upon A Time In Hollywood" zwar hauptsächlich um Dalton und Booth, doch der Regie-Meister nimmt sich auch der berühmt-berüchtigten Tate-Morde der Manson Familie an, macht daraus eine eigene Version - und gleichzeitig ganz großes Kino!

Denn dem zweifachen "Oscar"-Gewinner gelingt das Kunststück, seinen 161 Minuten langen Film viel kürzer wirken zu lassen.

Und dabei soll das noch nicht mal die endgültige Fassung gewesen sein! Im Gespräch ist ein vierstündiger Cut, der irgendwann mal bei Netflix laufen soll!

Doch bereits in seiner Kinoversion ermöglicht es Tarantino durch seine flüssige Erzählweise, sich durch sein Werk treiben zu lassen und verzaubert die Zuschauer dabei mit einem vielschichtigen Blick hinter die Kulissen Hollywoods.

Allerdings muss man seinen Stil und seine ganz eigene Art, Filme zu drehen, mögen, um auch mit seinem neuen Werk etwas anfangen zu können.

Es gibt einige Stimmen, die den Film als langatmig, ohne roten Faden und uninteressant empfunden haben. Wer sich auf Tarantinos Ideen einlassen kann, wird allerdings auf mehrfache Weise belohnt: Denn sein Drehbuch sprüht geradezu über vor flotten Dialogen und abwechslungsreichem Humor, unzähligen Anspielungen auf Filme und Serien der damaligen Zeit und der Popkultur im Allgemeinen.

Schauspieler in "Once Upon A Time In Hollywood" begeistern

Brad Pitt liefert als Cliff Booth eine starke Leistung ab.
Brad Pitt liefert als Cliff Booth eine starke Leistung ab.  © PR/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

So unterhält "Once Upon A Time In Hollywood" durchgängig, ist zugleich hintergründig, entlarvend, ironisch, spannend, interessant und brisant.

Dazu hat sich Tarantino auch mit der Musikuntermalung voll ins Zeug gelegt und verstärkt die jeweilige Stimmung gekonnt, weshalb es viele großartige Szenen zu bestaunen gibt.

Es greift wie in einer gut geölten Maschine ein Rädchen in das andere. Die beeindruckende Kameraführung vom dreifachen "Oscar"-Gewinner Robert Richardson ("JFK", "Aviator", "Hugo Cabret") sorgt in Verbindung mit den sonnigen Locations und dem herausragenden Kostümdesign der zweifachen "Oscar"-Kandidatin Arianne Phillips für eine packende Atmosphäre.

Dazu weiß auch die fantastische Star-Riege viel mit ihren tiefschürfenden Rollen anzufangen. Ob DiCaprio und Robbie (beide in "The Wolf of Wall Street"), Pitt ("Der seltsame Fall des Benjamin Button") oder die Nebendarsteller um Al Pacino ("Der Pate"), Kurt Russell und Bruce Dern (beide in "The Hateful Eight"): Sie alle demonstrieren ihre überragende schauspielerische Klasse.

Dazu kommen noch viele weitere Kurzauftritte bekannter Namen und Gesichter. Am beeindruckendsten von den weniger namhaften Darstellern agiert Qualley ("The Leftovers"), die Pitt in ihren gemeinsamen Szenen nicht nur klasse die Bälle zuspielt, sondern ihm mit ihrer angemessen überdrehten und zugleich verführerischen Art stellenweise die Show stiehlt.

Verteilt eingesetzte Gewaltauswüchse in "Once Upon A Time In Hollywood"

Leonardo DiCaprio wirft sich geradezu in seine Rolle als selbstzweifelnder Rick Dalton rein und reißt das Publikum mit.
Leonardo DiCaprio wirft sich geradezu in seine Rolle als selbstzweifelnder Rick Dalton rein und reißt das Publikum mit.  © PR/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Außerdem begeistert auch die altkluge Trudi, die von Julia Butters großartig gespielt wird und in Verbindung mit DiCaprio für einige Lacher in deren gemeinsamen Szenen sorgt.

Gerade für Cineasten und Fans großartiger schauspielerischer Leistungen ist "Once Upon A Time In Hollywood" ein Genuss, der am besten gar nicht enden sollte.

Natürlich gibt es auch wieder explizite, Tarantino-typische Gewaltexzesse, die aber zielgerichtet über den Film verteilt eingesetzt werden und deshalb eine viel stärkere Wirkung erzielen, als es in einigen anderen Werken von ihm der Fall ist. Ein Abnutzungseffekt ist hier nicht festzustellen.

Daher kann Tarantinos neuster Film als großer Triumph bezeichnet werden, in dem von der ersten bis zur letzten Sekunde erkennbar ist, warum dieser Regisseur Kultstatus genießt.

Alles, was den Stil des High-School-Abbrechers ausmacht, ist in diesem traumwandlerischen, ausschweifenden und reifen Werk zu sehen, das bei der "Oscar"-Verleihung 2020 im Normalfall eine große Rolle spielen dürfte.

Rick Dalton (l., Leonardo DiCaprio) schlägt sich als Schauspieler so durch, während der Stern von Sharon Tate (Margot Robbie) erstrahlt. (Bildmontage)
Rick Dalton (l., Leonardo DiCaprio) schlägt sich als Schauspieler so durch, während der Stern von Sharon Tate (Margot Robbie) erstrahlt. (Bildmontage)  © PR/Andrew Cooper/Sony Pictures Entertainment Deuts

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