Das herzlose Geschäft mit unseren Tieren


		
	
	
		
			
				
					
						Züchterin Meißners „Eurasier“ entstanden durch die
gezielte Kreuzung von Wolfsspitz-Hündinnen und Chow-Chow-Rüden. Später wurden
noch Samojeden eingekreuzt.
Züchterin Meißners „Eurasier“ entstanden durch die gezielte Kreuzung von Wolfsspitz-Hündinnen und Chow-Chow-Rüden. Später wurden noch Samojeden eingekreuzt.  © Thomas Türpe

Dresden – Der Internethandel mit Tieren boomt. In Online-Börsen können Liebhaber ihr neues Haustier für ein paar Euro kaufen. Eva-Maria Meißner (69), Vorsitzende vom Landesverband Sachsen für das Deutsche Hundewesen (VDH), rät aber grundsätzlich vom Kauf im Web ab.

"So viele Menschen rufen mich an, weil der Hund, den sie übers Internet gekauft haben, schwer krank ist“, erzählt Eva-Maria Meißner. Oft sind die Händler längst über alle Berge. Einige "schwarze Schafe" stellen nicht einmal einen Kaufvertrag aus. "Ich selbst würde niemals übers Internet kaufen oder verkaufen", sagt Maria Meißner.

Aufs Netz ist die anerkannte Züchterin der Rasse Eurasier ohnehin nicht angewiesen. "Ich bekomme erst eine Zucht-Genehmigung, wenn ich genügend Abnehmer habe", erklärt sie das Prozedere beim VDH. Bei dem Verband gibt es auch eine Welpenvermittlung.

Die Auflagen sind streng. Bevor Züchter einen Zucht-Antrag stellen dürfen, müssen sie eine Ausbildung im Rasse- und Zuchtverein durchlaufen. Außerdem prüft ein Zuchtwart anhand bestimmter Kriterien die Voraussetzungen in Haus, Hof und Garten. Eine Deutsche Dogge braucht dabei natürlich mehr Auslauf als ein Teckel oder ein Chihuahua. Auch die potenzielle Zuchthündin muss sich einer Tauglichkeitsprüfung stellen. So untersucht ein Tierarzt die Augen, Zähne und das Skelett auf genetische Defekte. Der Rassehundeverein wertet den Befund und die Zuchttauglichkeit aus.

Gesundheit allein reicht aber noch nicht. Auch das Sozialverhalten des Hundes muss der Rasse entsprechen. Bevor die "Welpen-Produktion" beginnen kann, müssen sich Züchter aber noch einen geeigneten Rüden suchen. Und zwar am besten auf einer internationalen VDH-Ausstellung. Ob Rüde und Hündin zusammenpassen, entscheidet die Zuchtbuchstelle.

Welpe Edgar hatte acht Besitzer. Jetzt ist er tot


		
	
	
		
			
				
					
						Tierschützerin Antje Schmidt (29) zeigt ein Foto des verstorbenen Edgar. Der Schäferhund-Rüde musste eingeschläfert werden.
Tierschützerin Antje Schmidt (29) zeigt ein Foto des verstorbenen Edgar. Der Schäferhund-Rüde musste eingeschläfert werden.  © Thomas Türpe

Welpe "Edgar" war erst 16 Wochen alt, als er ins Chemnitzer Tierheim kam. „Zu diesem Zeitpunkt hatte der niedliche Schäferhund schon acht Vorbesitzer“, erzählt Tierschützerin Schmidt.

Der letzte Halter hatte den jungen Rüden über die Internetplattform Ebay Kleinanzeigen gekauft. Doch auch er kam mit dem Tier offenbar nicht klar. Inzwischen ist Edgar tot, eingeschläfert, um ihn von seinen Qualen zu erlösen.

Seine geistige und körperliche Behinderung hatte sich erst später gezeigt. Edgar litt unter Orientierungsschwierigkeiten, lief phasenweise nur im Kreis. Eine Epilepsie und Lähmungserscheinungen der Hinterläufe kamen dazu.

Jeder kann sich eine Kobra kaufen

Der Leipziger Tierheimchef Michael Spärlich (52) beherbergt neuerdings mehr Reptilien als Hamster.
Der Leipziger Tierheimchef Michael Spärlich (52) beherbergt neuerdings mehr Reptilien als Hamster.  © Thomas Türpe

Inzwischen beherbergt das Leipziger Tierheim mehr Reptilien als Kaninchen und Meerschweinchen. Michael Sperlich (52), Geschäftsführer vom Tierschutzverein Leipzig, ist gar nicht gut auf das Internet zu sprechen. "Facebook kommt gleich nach der Erfindung der Atombombe", sagt er.

Allein die Vermittlung von Fundtieren sei eine Katastrophe. Statt entlaufene Tiere beim Ordnungsamt oder Tierheim anzuzeigen, posten Finder die "süßen Schätzchen" im Netz.

"Uns bleibt keine Chance für eine sinnvolle Vermittlung." Noch schlimmer ist der Internethandel. "Auf den entsetzlichen Reptilienbörsen kann sich heute jeder eine Königskobra kaufen", weiß Sperlich. Die Händler interessieren sich weder für die Sachkenntnis ihrer Kunden, noch fragen sie nach der artgerechten Haltung. "Seriöse Zoohandlungen schließen unterdessen reihenweise ihre Reptilien-Abteilungen."

Die Leidtragenden sind die Tiere. Doch Schildkröten und Schlangen können nicht schreien! "Die Reptilien, die wir als Fundtiere oder aus Beschlagnahmungen bekommen, sind oft in einem erbärmlichen Zustand."

Doch wohin mit all den Exoten? Eigentlich sind Tierheime nur eine vo- rübergehende Herberge. "Diese Rechnung geht nicht mehr auf", so Tierheim-Leiter Sperlich. Als das Veterinäramt mit 19 Schlangen (ein Muttertier und 18 Jungschlangen) vorfuhr, musste er sich was einfallen lassen.

Die beschlagnahmten Boas constrictor emperator hatte ein Mietnomade in seiner Wohnung zurückgelassen. Offenbar handelte es sich um eine illegale Zucht. Bei der zuständigen unteren Naturschutzbehörde des Wohnortes waren die Reptilien jedenfalls noch nicht erfasst.


		
	
	
		
			
				
					
						Tierpflegerin
Holzheuer (29) mit einer
der 18 Jungschlangen.
Die Sorte Boa constrictor emperator wird
knapp zwei Meter lang.
Tierpflegerin Holzheuer (29) mit einer der 18 Jungschlangen. Die Sorte Boa constrictor emperator wird knapp zwei Meter lang.  © Maik Börner

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