"Onward: Keine halben Sachen": Der schwere Umgang mit dem Tod des Vaters

Deutschland - Große Gefühle! "Onward: Keine halben Sachen" von Disney Pixar startet am 5. März in den deutschen Kinos und überzeugt als Animationsfilm mit Herz.

Laurel Lightfoot (l.) und ihr Sohn Ian (M.) haben mit dem hyperaktiven Hausdrachen Blazey viel Spaß.
Laurel Lightfoot (l.) und ihr Sohn Ian (M.) haben mit dem hyperaktiven Hausdrachen Blazey viel Spaß.  © PR/© Disney•Pixar

In ihm spielt der unsichere Elf Ian Lightfoot die Hauptrolle. Sein Vater starb nach einer schweren Krankheit noch vor seiner Geburt, weshalb er von seiner Mutter Laurel und seinem älteren Bruder Barley großgezogen wurde.

Ian plagt, dass er überhaupt keine Erinnerung an seinen Dad Wilden hat und seinen Platz im Leben auch deshalb bislang nicht fand.

An seinem 16. Geburtstag beschließt er jedoch, nicht mehr so zaghaft zu sein. Passenderweise überreicht Laurel ihm ein fantastisches Geschenk seines Vaters: Einen Zauberstab mitsamt einem Edelstein.

Barley ist begeistert. Denn er ist ein Magie-Nerd, der sich seit jeher für die Geschichte ihrer Welt interessierte. Doch nicht er hat die Gabe der Zauberei geerbt, sondern Ian!

Aufgrund mangelnder Erfahrung und fehlendem Zutrauen klappt der Zauberspruch, der ihren Vater für einen Tag ins Leben zurückholen soll, nicht wie gewünscht.

Stattdessen erscheinen nur Wildens Beine. Das reicht Ian und Barley aber nicht aus, denn sie wollen Zeit mit ihrem "kompletten" Vater verbringen. Deshalb machen sie sich auf die Suche nach einem weiteren Edelstein, der ihnen genau das ermöglicht. Können die Brüder den steinigen Weg bis zum Ende gehen und sich ihren Traum erfüllen?

"Onward: Keine halben Sachen" ist eine zutiefst persönliche Geschichte von Dan Scanlon

Magisch: Ian (l.) beschwört seinen Vater Wilden mithilfe eines Zauberstabs und -spruchs. Allerdings klappt das nicht wie geplant...
Magisch: Ian (l.) beschwört seinen Vater Wilden mithilfe eines Zauberstabs und -spruchs. Allerdings klappt das nicht wie geplant...  © PR/© Disney•Pixar

Diese sehr persönliche Geschichte hat Regisseur Dan Scanlon ("Die Monster Uni") erstklassig umgesetzt. Ihm ist ein bewegender Film gelungen, der mit erkennbar viel Liebe über sechs Jahre gestaltet wurde.

Das ist wenig verwunderlich, haben ihn doch eigene Erfahrungen zu "Onward" inspiriert, wie er auch im TAG24-Interview sagte. Denn er verlor seinen Vater früh in seinem Leben, weshalb er bald die Idee hatte, es seinen Protagonisten in einer magischen Welt zu ermöglichen, ihren Dad wiederzutreffen.

Doch diese Zauberwelt ist zu Beginn in schlechtem Zustand. Die Magie hat mit der Zeit durch die moderne Technik nämlich immer stärker abgenommen. Viele Fabelwesen sind degeneriert. Der Hausdrache der Familie Lightfoot, Blazey, ähnelt mehr einer Schlange als einem mächtigen Feuerspeier.

Solche bereichernden Details haben die Macher haufenweise in ihren Film eingebaut, was viel zum hohen Unterhaltungswert beiträgt. Auch dadurch verfliegen die kurzweiligen 102 Minuten geradezu.

Denn neben dem universellen Thema des Verlustes geliebter Menschen geht es auch um Freundschaft, Zusammenhalt, Lebensfreude entgegen aller Widerstände, die eigene Entwicklung und Verletzlichkeit, aus der man Stärke bezieht.

"Onward: Keine halben Sachen" reicht nicht ganz an "Zoomania" oder "Oben" heran

...denn Ian (r.) holt nur die untere Hälfte seines Dads zurück ins Leben.
...denn Ian (r.) holt nur die untere Hälfte seines Dads zurück ins Leben.  © PR/© Disney•Pixar

All diese Aspekte hat Pixar hervorragend herausgearbeitet und nachvollziehbar umgesetzt, sodass man die tiefschürfenden Beweggründe der Figuren nachvollziehen kann - ganz, wie man es von Disney gewohnt ist.

Zudem sind die Figuren originell, skurril, abgedreht und mitunter auch herrlich-verrückt. All diese unterschiedlichen Eigenschaften sind sehr gut ausbalanciert worden, sodass sich hinsichtlich der Protagonisten ein stimmiges Gesamtbild ergibt.

Dennoch reicht "Onward" nicht ganz an die Qualität von Allzeitklassikern wie "Zoomania", "Alles steht Kopf" oder "Oben" heran.

Denn dafür gibt es - auf absolutem Weltklasse-Niveau betrachtet - einige durchwachsene Szenen zu viel, die zudem nichts Neues bieten.

Ein Beispiel: Ian will zu seiner Geburtstagsparty einige Mitschüler einladen, verhaspelt sich dabei natürlich und wird dann auch noch von Barley blamiert, der mit seinem geliebten, aber auch ziemlich altersschwachen Van "Krimhild" auf den Bordstein nahe der Schule brettert und Ian auf peinliche Weise zu sich ruft.

Diese Szene kann man noch durchwinken, dürfte bei einigen aber auf Fremdschäm-Momente auslösen. Auch einigen anderen Sequenzen fehlen für den ganz großen Wurf die kreativen Einfälle und somit die Qualität.

Das ist allerdings Meckern auf hohem Niveau. Denn von solchen kurzen Phasen abgesehen funktioniert "Onward" herausragend, rührt und bewegt zutiefst, was auch bei der internationalen Premiere auf der diesjährigen Berlinale deutlich wurde, wo es nach Filmende mehrfach lang anhaltenden Applaus gab.

"Onward: Keine halben Sachen" bietet erstklassige Unterhaltung für die ganze Familie

Ian (r.) und Barley begeben sich auf eine große Reise, um ihren Vater komplett wieder zurückzuholen - zumindest für ein paar Momente.
Ian (r.) und Barley begeben sich auf eine große Reise, um ihren Vater komplett wieder zurückzuholen - zumindest für ein paar Momente.  © PR/© Disney•Pixar

Der hat seine Berechtigung, denn neben der vielschichtigen Story, dem intelligenten Drehbuch, den schlagfertigen Dialogen überzeugt der Film auch auf der Humorebene.

Viele Einfälle sind witzig, oft entsteht die Komik auf glaubwürdige Weise aus der Situation heraus. So zum Beispiel, wenn die Kobold-Motorradgang "Pixie Dusters" mit schrillen Stimmen die Brüder in die Schranken verweist und diese auf ihren winzigen Gefährten verfolgt.

Zwar zündet nicht jeder Gag, doch die Warmherzigkeit der Macher für ihr Werk ist durchgehend deutlich zu spüren.

Des Weiteren sind die Animationen auf dem neusten Stand der Technik und beeindrucken mit großem Detailreichtum. Dazu ist "Onward" auch visuell ein Augenschmaus.

Die großartige Farbpracht, die vielfältigen Locations, die dynamische Kameraführung und die herrlichen Kostüme tragen viel zur dichten Atmosphäre bei. Die aufwendigen Spezialeffekte runden den Film gekonnt ab.

So ist "Onward: Keine halben Sachen" ein äußerst sehenswerter Animationsfilm geworden, der zwar nicht der stärkste Disney-Pixar-Vertreter ist, aber eine Story mit Herz hat, auf hohem Niveau unterhält, dabei wichtige Botschaften sowie Werte mit viel Feingefühl vermittelt und auch mit rasanten Action-Szenen in einer spannenden magischen Welt aufwartet - klasse!

Zwischen Barley (M.) und Ian (l.) gibt es immer wieder Reibereien, von denen Wilden aber nichts mitbekommt.
Zwischen Barley (M.) und Ian (l.) gibt es immer wieder Reibereien, von denen Wilden aber nichts mitbekommt.  © PR/© Disney•Pixar

Titelfoto: PR/© Disney•Pixar

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