"Onward"-Regisseur Dan Scanlon im Interview: "Habe ihn emotional gebrochen"

Berlin - Zu Tränen gerührt! Als bei der internationalen Premiere des neuen Disney-Pixar-Films "Onward: Keine halben Sachen" im Rahmen der 70. Berlinale am 21. Februar im Berlinale Palast zum wiederholten Mal lang anhaltender Applaus aufbrandete, konnte Regisseur Dan Scanlon seine Gefühle nicht mehr zurückhalten und wischte sich bewegt über die Augen.
"Onward"-Regisseur Dan Scanlon (l.) und Produzentin Kori Rae vor der Internationalen Premiere am 21. Februar auf dem Roten Teppich des Berlinale Palasts am Potsdamer Platz.
"Onward"-Regisseur Dan Scanlon (l.) und Produzentin Kori Rae vor der Internationalen Premiere am 21. Februar auf dem Roten Teppich des Berlinale Palasts am Potsdamer Platz.  © PR/© Disney•Pixar
Kein Wunder, ist die Geschichte hinter "Onward" für ihn doch eine sehr persönliche, wie er dem Publikum vor der Premiere erklärte und das auch am 22. Februar im Interview mit TAG24 im Berliner Hotel Adlon Kempinski bekräftigte.

"Meinen Vater nicht zu haben, als ich aufwuchs, ihn nicht zu kennen und mich nicht an ihn zu erinnern, löste in mir den Wunsch aus, herauszufinden, wie es mit wäre, einen Tag mit ihm zu haben."

Das sprach auch Produzentin Kori Rae sofort an: "Ob es ein Freund, ein Zwilling oder irgendjemand in deinem Leben wie ein Lehrer ist, der sich für dich eingesetzt und dir geholfen hat, der zu werden, der du bist: Das sah nach einem interessanten, universellen Thema aus, auf das wir uns stürzen konnten."

Deshalb sagte Scanlon zu den positiven Reaktionen des Publikums: "Wir waren beide sehr bewegt. Auf diesem Festival zu sein, ist sehr besonders. Der Fakt, dass dieses Festival diesen Film gesehen und ihn auf dieses Level gehoben hat, Animationsfilme respektiert, das Herz und den Spaß in ihm gesehen hat, ist eine echte Ehre."

Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: "Deshalb hatte ich eine Wimper in meinem Auge." Rae kam aus dem Lachen nicht mehr heraus: "Sagt er!"

Kori Rae und Dan Scanlon arbeiteten über viele Jahre in "Isolation" am neuen Disney-Pixar-Film

Ian Lightfoot (l.) und sein Bruder Barley spielen in "Onward" die Hauptrollen.
Ian Lightfoot (l.) und sein Bruder Barley spielen in "Onward" die Hauptrollen.  © PR/© Disney•Pixar

Denn offensichtlich waren es echte Gefühle, die Scanlon bei der Premiere übermannten.

Rae erklärte dazu: "Wir haben diesen Film über eine lange Zeit gemacht. Es war erst das zweite Publikum, mit dem wir ihn gemeinsam gesehen haben. Und besonders ihn auf diesem Festival zu zeigen, ist eine unglaubliche Ehre. Es ist sehr bewegend, wenn Menschen auf etwas reagieren, an dem du so viele Jahre in Isolation gearbeitet hast. Es sind viele Emotionen."

Scanlon verdeutlichte: "Nach 'Die Monster Uni' hatten wir die Möglichkeit, einen originellen Film zu drehen, haben über unsere Leben gesprochen und haben versucht, das emotionale Ding zu finden, an das wir glauben. Denn es sollten sechs Jahre Arbeit werden und es sollte etwas werden, mit dem wir uns wirklich verbinden konnten."

Sie entschieden sich bald für eine Fantasy-Welt und kamen nach und nach zu der Version, die ab dem 5. März auch regulär in den deutschen Kinos läuft.

"Wir haben viele ältere Fantasyfilme geguckt, lasen viele Bücher und haben einige der Rollenspiel-Games gezockt", so Rae. Man habe viele Referenzen eingebaut, die die Zuschauer erkennen können.

Dan Scanlon widmete "Onward: Keine halben Sachen" seinem Bruder

Kori Rae (r.), Dan Scanlon (M.) und TAG24-Redakteur Stefan Bröhl nach dem Interview im Berliner Hotel Adlon Kempinski.
Kori Rae (r.), Dan Scanlon (M.) und TAG24-Redakteur Stefan Bröhl nach dem Interview im Berliner Hotel Adlon Kempinski.  © privat

"Die Suche beginnt in einer Taverne, wo du Informationen bekommst." Außerdem gebe es in fast allen Fantasyfilmen eine Szene, "in der die Figuren festhängen".

In "Onward" handelt es sich um eine einfallsreiche Sequenz auf einer Tankstelle: "Wir haben dann eine moderne Wendung eingebaut."

Es stellt sich natürlich die Frage, wie man die Motivation über so viele Jahre oben hält? "Jeden Tag, den wir zur Arbeit kommen, verändert sich etwas", erklärte Rae.

Die Produzentin holt aus: "Es ist ein langer Prozess, aber die Geschichte verändert sich, die Dialoge auch und wenn man die Produktion beginnt, sieht man nur ein grobes Modell der Charaktere. Dann gehst du die nächste Woche wieder rein und sie sind besser ausgearbeitet. Es verändert und entwickelt sich also durchgehend, was die Energie hochhält. Es ist nie langweilig, weil du immer aufschlussreiche und neue Informationen und Dinge siehst."

Scanlon fügt hinzu: "Es hilft außerdem, wenn man es für jemand Bestimmten macht. Ich habe es in meinem Kopf für meinen Bruder gemacht und habe ihm ein wenig davon erzählt. Aber ich habe ihm nichts gezeigt, bis zum Tag, wo er den gesamten Film zu sehen bekommt. Das hilft, besonders, wenn die Witze langweilig werden, man aber denkt: Er hat sie aber noch nicht gehört."

Dan Scanlon und Kori Rae machen nach sechs Jahren Arbeit erstmal "lange Urlaub"

Regisseur Dan Scanlon (l.) und Produzentin Kori Rae beim Photocall.
Regisseur Dan Scanlon (l.) und Produzentin Kori Rae beim Photocall.  © PR/© Disney•Pixar

Der Regisseur sagte weiter: "Denn es ist zu abstrakt, zu denken, wie die Welt das sehen würde." Es sei also wie "eine Überraschungsparty" für seinen Bruder.

Der sah den Film vor einigen Wochen "und war extrem bewegt und liebt ihn. Es war sehr emotional. Er sah ihn auf der Premiere nochmal und fand ihn da sogar noch besser, weil er sich auf den Film konzentrieren konnte."

"Er ist wie Barley", also der ältere Bruder der Hauptfigur in "Onward", verdeutlichte Scanlon und erlaubte sich einen kleinen Scherz: "Ich denke, ich habe ihn emotional gebrochen", so der in Michigan geborene US-Amerikaner mit einem Schmunzeln in Bezug darauf, wie sehr der Film seinen Bruder bewegt und an ihre gemeinsame Vergangenheit erinnert hat.

Dennoch gibt es eigentlich immer Details zu verändern, weshalb sich die Verantwortlichen schwer damit taten und tun, ihr Projekt loszulassen. Rae lachte deshalb nach dieser Frage herzhaft und sagte: "Dafür sind Deadlines! Wir halten uns an das Datum im Kalender, aber selbst am Tag davor kann es noch Veränderungen geben."

Ein Plan für die nähere Zukunft haben Scanlon und Rae auch schon mal: "Wir machen erstmal lange Urlaub" so die gut aufgelegte Produzentin lachend. Den haben sie sich auch verdient. Wie TAG24 das neuste Werk aus dem Hause Disney Pixar gefallen hat, könnt ihr am Mittwoch in unserer Kritik nachlesen.

Regisseur Dan Scanlon (r.) und Produzentin Kori Rae bei der Berlinale-Pressekonferenz.
Regisseur Dan Scanlon (r.) und Produzentin Kori Rae bei der Berlinale-Pressekonferenz.  © PR/© Disney•Pixar

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