Berlin in den Fängen der Bandenkriminalität? Geisel und Slowik legen Karten auf den Tisch

Berlin - Berlins Innensenator Andreas Geisel (53, SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik (53) stellen am Mittwoch (10 Uhr) eine umfangreiche Analyse zur Organisierten Kriminalität (OK) in der Hauptstadt vor.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik (l) und Andreas Geisel (SPD), Berliner Innensenator, kommen zu einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium zur Verkehrssicherheit in Berlin. (Archivbild)
Polizeipräsidentin Barbara Slowik (l) und Andreas Geisel (SPD), Berliner Innensenator, kommen zu einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium zur Verkehrssicherheit in Berlin. (Archivbild)  © Bernd von Jutrczenka/dpa

In dem sogenannten Lagebild OK geht es um Bandenkriminalität vor allem in den Bereichen Drogenhandel, Einbruch und Diebstahl.

Bekannt ist bereits, dass sich die meisten Berliner OK-Ermittlungen gegen russisch-eurasische Banden richten. Im Visier der Ermittler ist ebenfalls die Kriminalität von Rockern sowie arabischstämmigen Clan-Mitgliedern.

Nach dem deutschlandweiten Lagebild 2018 des Bundeskriminalamtes (BKA) gab es 535 Ermittlungsverfahren der Polizeibehörden gegen Bandenkriminalität. Davon betrafen 59 Fälle Berlin. Damit lag Berlin auf dem dritten Platz hinter denen um ein Vielfaches größeren Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Zum ersten Mal enthielt das Lagebild des Bundeskriminalamtes ein eigenes Kapitel zur sogenannten Clan-Kriminalität, die vor allem von Mitgliedern arabischstämmiger Familien ausgeht, aber auch von Großfamilien, die aus dem früheren Jugoslawien und der Türkei stammen.

Kokainschwemme in Deutschland und Europa

 Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik äußert sich zu den Ergebnissen der Bekämpfung grenzüberschreitender organisierter Kriminalität mit dem Projekt "LIMES".
Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik äußert sich zu den Ergebnissen der Bekämpfung grenzüberschreitender organisierter Kriminalität mit dem Projekt "LIMES".

Update, 13.14 Uhr

Kokain als Party- und Businessdroge erfreut sich weiter großer Beliebtheit. Das stellte die Berliner Kriminalpolizei am Mittwoch bei der Präsentation eines Lagebildes zur Organisierten Kriminalität (OK) in der Hauptstadt fest.

"Wir erleben gerade bundesweit, europaweit kann man sagen, eine Kokainschwemme ungeahnten Ausmaßes", sagte der Abteilungsleiter im Landeskriminalamt (LKA) für den OK-Bereich, Sebastian Laudan.

Es gehe um beschlagnahmte Koks-Mengen, "die man vor Jahren noch nicht hat glauben können". Dabei sei auch Berlin sowohl Umschlagplatz als auch Zielort von Drogenschmuggel und Drogenhandel.

Das sehr einträgliche Geschäft mit dem Kokain werde von diversen Banden, Gruppen und Ethnien betrieben, sagte Laudan. "Die Rauschgiftkriminalität ist das Schmiermittel der Organisierten Kriminalität. Das war schon vor vielen Jahren so, das wird auch in der Zukunft so sein."

Außer dem Drogenhandel ging es bei den 59 OK-Ermittlungskomplexen der Berliner Polizei vor allem um Autodiebstahl, Schmuggel- und Zolldelikte, Zwangsprostitution und Fälschungen.

Rund 460 Verdächtige wurden erfasst. Der große Teil von ihnen (63 Prozent) hat eine ausländische Staatsangehörigkeit. Sie kommen vor allem aus Bulgarien, der Türkei, Polen, Russland, Ukraine, Litauen und Serbien. Von den 173 deutschen Verdächtigen hat ein deutlicher Anteil einen Migrationshintergrund.

Die auffälligsten Banden waren Rocker, Gruppierungen aus den Staaten der früheren Sowjetunion und arabischstämmige Clans. Zu den Clans will die Polizei im Frühjahr 2020 eine eigene Analyse vorstellen.

Die erfassten Schäden lagen bei insgesamt knapp 100 Millionen Euro. Der tatsächliche Schaden liege aber noch deutlich höher, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD).

Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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