Stundenlange Dialyse, jahrelanges Warten: Wann bekommt Sachse Stefan seine Spenderniere?

Leipzig - 9400 Menschen haben 2018 in Deutschland auf eine Spenderniere, eine Lunge oder ein Herz gewartet, nur 955 Organe standen jedoch für eine Transplantation zur Verfügung. Im Universitätsklinikum Leipzig (UKL) beispielsweise stehen 189 Patienten auf der Warteliste für eine neue Niere - so wie Stefan Breidung.

Stefan Breidung wartet seit drei Jahren auf eine neue Niere. In Behandlung ist er bei Dr. Anette Bachmann vom UKL-Transplantationszentrum.
Stefan Breidung wartet seit drei Jahren auf eine neue Niere. In Behandlung ist er bei Dr. Anette Bachmann vom UKL-Transplantationszentrum.  © Stefan Straube/UKL

Der 49-Jährige arbeitet als technischer Leiter bei der DHL HUB in Leipzig, wartet schon seit drei langen Jahren auf eine Niere. Anlässlich des heutigen bundesweiten Tags der Organspende hat das Uniklinikum mit dem Mann gesprochen.

"Ganz gut" gehe es ihm, sagt Breidung, "ich habe die Dialyse gut vertragen. Es gibt da sehr unterschiedliche Tage und nicht immer steckt man diese fünf Stunden so einfach weg." Vor einiger Zeit sei er von der Heimdialyse auf die Blutreinigung im UKL umgestiegen, könne seinem Job dennoch nachgehen und auch Sport treiben. "Das ist wichtig für mich, damit ich den Durchhaltewillen nicht verliere - ich weiß ja, dass vermutlich noch fünf Jahre Wartezeit vor mir liegen."

Fünf lange Jahre könnte es dauern, bis endlich ein Organspender für Stefan gefunden wird. "Ich bin sehr optimistisch, dass ich es mit der Dialyse schaffen werde bis zu dem Tag, an dem ein neues Organ für mich da sein wird. Bis dahin gilt meine Devise 'Bleibe Meister deines Lebens'. Ich musste eben lernen, mit meinem Handicap zu leben."

Fit bleiben, um die kommenden Jahre zu überbrücken

Im Universitätsklinikum Leipzig (UKL) warten aktuell 189 Patienten auf eine Spenderniere.
Im Universitätsklinikum Leipzig (UKL) warten aktuell 189 Patienten auf eine Spenderniere.  © dpa/Peter Endig

Der 49-Jährige habe seinen Alltag so organisiert, "dass ich trotz der dreimal fünf Stunden Dialyse pro Woche voll arbeiten kann. Dass geht natürlich deshalb gut, weil mein Arbeitgeber und mein Arbeitsbereich mir die Flexibilität geben, meinen eigenen Arbeitsrhythmus zu finden." Außerdem könne er auch einen Großteil seiner Arbeit im Dialysezentrum erledigen.

Auch seine Leidenschaft für den Sport könne er als Mitglied des TransDia e.V. für Transplantierte und Dialysepatienten ausleben. Stefan stolz: "Bei der aktuellen deutschen Meisterschaft in Murr starte ich in Golf, Weitsprung und Ballweitwurf", erzählte er im Vorfeld. Es sei für ihn wichtig fit zu bleiben, um die kommenden Jahre des Wartens gut zu überbrücken und in einer guten körperlichen Verfassung in die Transplantations-OP zu gehen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat aktuell einen Gesetzesentwurf zum Thema Organspende vorgestellt. Die sogenannte Widerspruchslösung besagt, dass alle Personen ab 16 Jahren ausführlich informiert und als Spender registriert werden - außer sie widersprechen dem. Bislang musste man sich aktiv als Organspender melden und einen entsprechenden Ausweis mit sich führen.

"Ich bin sehr begeistert über die aktuellen Initiativen, weil sich damit jetzt etwas tut", sagt Stefan Breidung. Er hofft, dass die Widerspruchslösung bald kommt, "damit wir es schaffen, die großen Hürden abzubauen, die derzeit die Organspende schwierig machen." Als Betroffener hoffe man schließlich, "dass es viele Menschen gibt, die sich für die Spende eines Organs nach ihrem Tod entscheiden."

Wir drücken die Daumen, dass für Stefan Breidung und die anderen Patienten auf den langen Wartelisten bald das passende Organ gefunden werden kann.

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