Originalbrief der Gräfin Cosel aufgetaucht!

Dieser Originalbrief wird künftig auf der Burg Stolpen zu sehen sein.
Dieser Originalbrief wird künftig auf der Burg Stolpen zu sehen sein.

Von Uwe Blümel

Stolpen - Bislang war eine Bibel von 1711, die sich Cosel vom Burgamtmann lieh, das einzige Inventar auf Stolpen, das die Gräfin während ihrer Haft nachweislich benutzte.

Sie verewigte sich darin 21 Mal mit ihrem Monogramm und zahlreichen Anmerkungen.

Ab dem 31. März wird jetzt erstmals ein neu aufgetauchtes Schreiben mit dem Siegel von Gräfin Cosel präsentiert.

In dem handschriftlichen Bittbrief von 1733 fragt sie bei ihrem Vormund - dem Dresdner Hofrat von Wichmannshausen - an, ob ihre Tochter sie wegen einer „finanziellen Angelegenheit“ besuchen dürfe.

„Den Brief haben wir am 26. März vergangenen Jahres vom Berliner Auktionshaus und der Autographenhandlung J. A. Stargardt ersteigert“, sagt Burg-Leiter Jürgen Major.

„Das Startgebot lag bei 400 Euro. Wir haben den Zuschlag schließlich für weniger als 1000 Euro über ein schriftliches Gebot erhalten.“

Per Kurier-Einschreiben kam der Brief nach Stolpen. Der Vorbesitzer und das Motiv, warum er sich von dem Dokument trennte, bleiben geheim.

Der Brief wird gerade übersetzt - keine leichte Sache. „Er ist in Altfranzösisch verfasst, enthält zudem Rechtschreibfehler“, sagt Museologe Jens Gaitzsch.

Der Cosel-Kenner kennt die Handschrift der Gräfin wie seine eigene. Die Echtheit des Dokuments wurde zudem durch Lochfraß im Papier bestätigt: „Zu Cosels-Zeiten benutzte man eisenhaltige Tinte. Die ist schlicht gerostet und hat zwei Löcher hinterlassen.“

Ausstellung zum Mythos der Mätresse

Jens Gaitzsch zeigt Cosels Bibel, die mit ihren Autogrammen gespickt ist.
Jens Gaitzsch zeigt Cosels Bibel, die mit ihren Autogrammen gespickt ist.

Stoplen - Anlässlich des Todestages wird die Ausstellung „Lebenslänglich Stolpen“ im Cosel-Turm völlig neu gestaltet und mit einer Glasvitrine um den „Mythos Cosel“ erweitert.

„Wir zeigen zum Beispiel Ausschnitte aus den glorifizierenden Cosel-Filmen“, sagt Burg-Direktor Jürgen Major (56). „Über QR-Codes können zudem sechs Animationsfilme aus Cosels Leben aufs Handy geladen werden.“

Burg-Museologe Jens Gaitzsch forschte vier Jahre lang in Bibliotheken und Archiven am Mythos Cosel: „Jedes Jahr wurde eine neue Akte über sie angelegt, manche ist 520 Seiten dick.

So gab es einen skurrilen Briefwechsel mit dem Dresdner Hof, als Cosel und ihre Bediensteten plötzlich anfingen, Flachs zu spinnen.“ Wollten sie sich ein Flucht-Seil spinnen?

Fakt ist jedoch: Cosel türmte nie!

„Wir waren überrascht, was sich inzwischen alles mit dem Namen Cosel schmückt“, erzählt Gaitzsch. „So gibt’s unter anderem Cosel-Sekt aus Wackerbarth, Schokolade von Vadossi aus Radebeul und Cosel-Kaffee. Auch eine Pflaumen-Sorte und sogar Kaninchenfutter trägt ihren Namen!“

Manche Mythen erwiesen sich übrigens als erstunken und erlogen, mussten in Textpassagen korrigiert werden.

Gaitzsch: „So lebte Cosel nachweislich nicht von einer Apanage von 100.000 Talern. Es waren nur 15.000 pro Jahr.“ Der durchschnittliche Jahresverdienst belief sich damals übrigens auf 50 bis 80 Taler.

Stadtführerin Martina Zellmer (48) schlüpft regelmäßig in die Roller der Gräfin Cosel (kl. F. r.), Augusts der Starke (kl.F.li.) berühmtester Mätresse.
Stadtführerin Martina Zellmer (48) schlüpft regelmäßig in die Roller der Gräfin Cosel (kl. F. r.), Augusts der Starke (kl.F.li.) berühmtester Mätresse.

Fotos: Ove Landgraf