Osmanen-Prozess: Extra aus der Türkei eingeflogener Kronzeuge verweigert Aussage

Stuttgart - Es war als Show-down im Stuttgarter Prozess gegen mutmaßliche Führer der verbotenen türkisch-nationalistischen Straßengang "Osmanen Germania BC" gedacht - doch am Dienstag hat ein extra mit freiem Geleit aus der Türkei eingeflogener Kronzeuge die Aussage verweigert.

Cem Özdemir (links im Bild) geht mit seinen Sicherheitsleuten auf das Gelände der Justizvollzugsanstalt Stammheim, wo das Oberlandesgericht den Osmanen-Prozess führt.
Cem Özdemir (links im Bild) geht mit seinen Sicherheitsleuten auf das Gelände der Justizvollzugsanstalt Stammheim, wo das Oberlandesgericht den Osmanen-Prozess führt.  © DPA

Das Stuttgarter Landgericht hatte den 30-Jährigen - ehemaliger Stuttgarter Osmanen-Vizepräsident und Hauptbeschuldigter aus der Türkei - geladen. Nun muss es ohne dessen Aussage weiterverhandeln. Dem Mann wurde zugesagt, dass er nicht verfolgt wird, wenn er innerhalb von 15 Tagen zurückfliegt.

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir beobachtete am Dienstag den Stuttgarter Prozess gegen mutmaßliche Führer der türkisch-nationalistischen Straßengang "Osmanen Germania BC" am Landgericht Stuttgart. Der einstige Grünenchef Özdemir vermutet enge Kontakte der "Osmanen" zum direkten Umfeld des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Dieser unterhalte "Schläger und Zuhälter im Rockerclub Osmanen". Er gilt als scharfer Kritiker Erdogans.

Angeklagt sind noch sieben mutmaßliche Mitglieder der rockerähnlichen Gang - darunter drei, die zur weltweit höchsten Führungsebene gerechnet werden. Den Männern werden unter anderem versuchter Mord, versuchter Totschlag, Erpressung, Zwangsprostitution und Zuhälterei vorgeworfen.

Die Haupttat im Stuttgarter Verfahren ist die Folter eines abtrünnigen Osmanen in Herrenberg bei Stuttgart. Daran soll auch der Kronzeuge beteiligt gewesen sein. Das Verfahren gegen einen Angeklagten wurde am Dienstag wegen schon langer Untersuchungshaft und der zu erwartenden niedrigen Strafe eingestellt.

Besucher stehen im März zu Beginn des Prozesses am Eingang des Gerichtsgebäudes.
Besucher stehen im März zu Beginn des Prozesses am Eingang des Gerichtsgebäudes.  © DPA

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