Erschütterndes Video soll Gaffern die Augen öffnen

Als die drei jungen Leute an einer Unfallstelle vorbeikommen, behindern sie die Rettungskräfte, während sie Fotos und Videos machen.
Als die drei jungen Leute an einer Unfallstelle vorbeikommen, behindern sie die Rettungskräfte, während sie Fotos und Videos machen.

Osnabrück - Für Feuerwehr und Polizei ist es trauriger Alltag: Immer wieder kommt es vor, dass ihre Arbeit durch Schaulustige behindert wird.

Anstelle zu helfen, zücken manche nämlich einfach das Handy, um Bilder und Videos von den Verunglückten zu machen. Dabei versperren sie nicht selten den Rettungskräften den Weg.

Mit einem fast viereinhalbminütigen YouTube-Video will unter anderem die Feuerwehr Osnabrück Gaffern jetzt die Augen öffnen.

Zu sehen sind zwei junge Männer und eine junge Frau, die zunächst im Auto unterwegs sind. Während der Fahrt macht ausgerechnet der Fahrer mit seinem Handy "lustige" Selfies von sich und den anderen.

Schon das ist riskant und gefährlich - nicht nur für die Insassen, sondern auch für unbeteiligte Verkehrsteilnehmer. Irgendwann kommen die drei an einem Unfall vorbei.

Die Selfies postet einer sofort im Internet.
Die Selfies postet einer sofort im Internet.

Sirenen und Blaulicht machen sie neugierig. Das Trio hält an, steigt aus, nähert sich der Unfallstelle und hat nichts Besseres zu tun, als vermeintlich spektakuläre Fotos und Videos zu machen und diese sogleich zu posten.

Im Internet bekommen sie dafür prompt die erhoffte Anerkennung. Dass sie bei den Aufnahmen die Rettungskräfte behindern, die gerade um das Leben einer verletzten Person kämpfen, interessiert niemanden.

Die Feuerwehrleute sehen sich genötigt, die drei immer wieder wegzuschicken. Doch davon lässt sich die kleine Gruppe - auch gepusht durch die Kommentare im Internet - nicht beeindrucken und macht einfach unbeirrt weiter.

Später erfährt man, dass die jungen Leute gerade aus dem Urlaub kommen. Der Fahrer schickt seiner Mutter einige der Selfies. Doch die antwortet nicht.

Der junge Mann bekommt für das spektakuläre Selfie sofort Anerkennung. Davon bestärkt lässt er sich selbst von den Rettungskräften nicht verscheuchen.
Der junge Mann bekommt für das spektakuläre Selfie sofort Anerkennung. Davon bestärkt lässt er sich selbst von den Rettungskräften nicht verscheuchen.

Er beginnt, sich Sorgen zu machen und ruft sie schließlich an. Dann der Schockmoment: Im Hintergrund hört man ein Handy-Klingeln.

Es stellt sich heraus, dass ausgerechnet an der Stelle, an der die Rettungskräfte um ein Menschenleben kämpfen, kurz zuvor die Mutter des Fahrers verunglückt ist.

"Der Film soll eine gesteigerte öffentliche Wahrnehmung für das Thema 'Schaulustige bei einem Rettungseinsatz' bewirken und dazu auffordern kein Gaffer zu werden", heißt es.

Viele loben die Filmemacher - auch wenn einige hoffen, dass das Vorgehen des Trios überspitzt dargestellt ist. "Wir haben anfangs auch gedacht, dass wir mit unserem Film das Ganze überspitzt darstellen", so die Verantwortlichen.

Die traurige Realität sieht aber leider anders aus: "Während unserer Recherchen wurde uns aber immer mehr klar, dass ein solches Szenario durchaus realistisch ist und es sogar ab und an ähnliche Fälle gibt."

Auch seiner Mutter schickt er das Selfie. Eine Antwort bleibt allerdings aus. Er beginnt, sich Sorgen zu machen.
Auch seiner Mutter schickt er das Selfie. Eine Antwort bleibt allerdings aus. Er beginnt, sich Sorgen zu machen.
Als der junge Mann bei seiner Mutter anruft, klingelt plötzlich ein Handy, das hinter ihm neben der verletzten Person liegt.
Als der junge Mann bei seiner Mutter anruft, klingelt plötzlich ein Handy, das hinter ihm neben der verletzten Person liegt.

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