Vater schlägt vier Tage altes Baby tot: So lange muss er nun hinter Gitter

Osnabrück - Wegen tödlicher Schläge gegen einen erst vier Tage alten Säugling hat das Landgericht Osnabrück den Vater des Kindes zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren verurteilt. Das Gericht habe die Tat als Totschlag gewertet, sagte der Vorsitzende Richter Ingo Frommeyer am Freitag.

Der vorsitzende Richter verurteilte den Vater zu zwölf Jahren Haft.
Der vorsitzende Richter verurteilte den Vater zu zwölf Jahren Haft.  © DPA

Der 25 Jahre alte Angeklagte hatte nach Überzeugung der Richter im Mai vergangenen Jahres seinen Sohn beim Waschen im Badezimmer unter anderem mindestens vier Mal massiv mit der flachen Hand gegen den Kopf geschlagen, was letztlich die Todesursache war (TAG24 berichtete).

Der Angeklagte habe aus Wut und Überforderung herausgehandelt, weil das Kind beim Waschen herumgezappelt habe. Dabei sei der Säugling, den der Angeklagte zusammen mit der Mutter erst kurz zuvor aus dem Krankenhaus geholt hatte, kein quengeliges Schreikind gewesen. "Liam hatte überhaupt keine Chance gehabt, seinen Eltern auf die Nerven zu gehen", stellte der Richter fest.

Der Angeklagte verfolgte aufmerksam und mit ernstem Gesicht die mehr als eine Stunde dauernde Urteilsbegründung. Frommeyer schilderte ausführlich die zahlreichen Verletzungen, die Krankenhausärzte und Gerichtsmediziner am kleinen Liam festgestellt hatten.

Dazu zählten Hämatome am Kopf, eine Schnittverletzung unter dem linken Auge, die ein Gutachter einem Ring an einem Finger des Angeklagten zuordnete, aber auch ein Hämatom am Penis und eine Verletzung im Hals. Aus welchem Grund genau der drogen- und alkoholabhängige Vater am 15. Mai zuschlug, konnte die Kammer letztlich nicht feststellen.

Verteidiger Frank Otten (l.) kündigte an, für seinen Mandanten (2.v.r, verdeckt) in Revision zu gehen.
Verteidiger Frank Otten (l.) kündigte an, für seinen Mandanten (2.v.r, verdeckt) in Revision zu gehen.  © DPA

Der Angeklagte neige dazu, auf Stresssituationen auch mit Gewalt gegen andere zu reagieren, stellte der Richter fest. So habe er am Tattag kurz, bevor er sein Kind gewaschen hatte, in einem Streit seine Freundin und die Kindsmutter geschlagen und verletzt. Diese habe sich daraufhin ins Schlafzimmer zurückgezogen und von der Gewalttat nichts mitbekommen.

Nach der Geburt seines Sohnes sei der 25-Jährige mit einem Freund nach Hamburg gefahren, um dort Parties zu feiern. Dort habe er exzessiv Drogencocktails und Alkohol konsumiert. Nach seiner Rückkehr drei Tage später habe er ein wenig Marihuana geraucht, um wieder herunterzukommen, schilderte Frommeyer. Anschließend habe er Mutter und Kind von der Entbindungsstation abgeholt.

Gutachter hätten festgestellt, dass der Angeklagte trotz der Drogen nicht vermindert schuldfähig war, sondern die Folgen seiner Handlung abschätzen konnte. "Sie wollten Liam nicht töten, aber Sie haben seinen Tod billigend in Kauf genommen", sagte Frommeyer.

Der Angeklagte habe aus Wut und Unbeherrschtheit gehandelt, anschließend die Tat bereut. Die Vaterschaft habe den jungen Mann überfordert, Hilfsangebote auch aus der eigenen Familie habe er abgelehnt und sogar aggressiv darauf reagiert. "Das aber gehört zum Erwachsenendasein auch dazu, dass man Hilfsangebote annimmt", sagte Frommeyer. Der Angeklagte solle in der Haft Angebote zur Sozialtherapie und Berufsausbildung nutzen, um die Tat zu verarbeiten, riet der Vorsitzende Richter.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger kündigte an, zunächst Revision einzulegen, um dann die schriftliche Urteilsbegründung zu prüfen. Die Verteidigung hatte acht Jahre Haft beantragt.

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