Schüler wird von eigener Mutter misshandelt: Jugendamt wusste von nichts

Osnabrück - Im Fall des Jungen aus dem Emsland, der jahrelang von seiner Mutter misshandelt worden sein soll (TAG24 berichtete), hat sich der zuständige Landkreis erstmals umfassend geäußert.

Ein Video der jüngeren Schwester, das die Misshandlungen zeigte, brachte die Ermittlungen ins Rollen. (Symbolbild)
Ein Video der jüngeren Schwester, das die Misshandlungen zeigte, brachte die Ermittlungen ins Rollen. (Symbolbild)  © 123RF

2015 habe es einen anonymen Hinweis an das betroffene Jugendamt auf Verdacht einer möglichen Kindeswohlgefährdung gegeben, teilte der Landkreis mit.

In einem persönlichen Gespräch habe der Jugendliche aus Emsbüren aber sämtliche Vorwürfe glaubhaft in Abrede gestellt. Zudem sei unter anderem in zwei mehrwöchigen stationären Aufenthalten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zuletzt 2014/2015 über einen guten Allgemein-, Ernährungs- und Pflegezustand des Jungen sowie eine elterliche Überfürsorge berichtet worden.

Der nach Medienberichten heute 18-Jährige soll zwischen 2015 und 2017 im Haus der Familie geschlagen, gedemütigt und eingesperrt worden sein. Demnach musste er sich nach der Schule ausziehen und in Müllsäcke hüllen und durfte nicht am Familienleben teilnehmen.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück wirft der 37 Jahre alten Mutter unter anderem Misshandlung von Schutzbefohlenen und Freiheitsberaubung vor. Der Stiefvater ist mit angeklagt, weil er nicht eingeschritten sein soll.

Die Ermittlungen ins Rollen brachte ein Video von den Misshandlungen, das die jüngere Schwester heimlich gedreht hatte. Beide wurden danach Anfang 2017 sofort in Obhut des Jugendamtes genommen. "Dass eine Mutter das eigene Kind derart demütigt und misshandelt, macht mich betroffen und meine Mitarbeiter genauso", erklärte Landrat Reinhard Winter (CDU).

"Man stellt sich daher die Frage, ob etwas übersehen wurde oder eine solche Tat hätte verhindert werden können. Deshalb haben wir unsere Vorgehensweise im Nachgang natürlich hinterfragt und geprüft, aber es hat keine konkreten Anzeichen gegeben, die ein Eingreifen erforderlich oder möglich gemacht hätten."

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