"Ostalgie" gegen Demenz! In diesem Seniorenheim lebt die DDR wieder auf

Mit dieser "biografiebezogenen Erinnerungsarbeit" sollen die teilweise dementen Heimbewohner bei ihren Erinnerungen aus DDR-Zeiten abgeholt werden
Mit dieser "biografiebezogenen Erinnerungsarbeit" sollen die teilweise dementen Heimbewohner bei ihren Erinnerungen aus DDR-Zeiten abgeholt werden  © DPA

Teterow - Mit einer ungewöhnlichen Initiative fördern Therapeuten und Mitarbeiter eines Seniorenheimes in Teterow (Landkreis Rostock) das Erinnerungs- und Denkvermögen ihrer Bewohner.

Seit Kurzem werden "Museumstage" zum DDR-Alltag angeboten. Es habe aber weniger mit Nostalgie zu tun, sondern eher mit Gesundheitspflege, erläutert Heimleiter Ronald Hinkelmann. "Wir nennen das 'biografiebezogene Erinnerungsarbeit'", sagt Ergotherapeutin Carmen Renzel, die zu den Initiatoren gehört.

In unregelmäßigen Abständen trifft sich eine Gruppe von Frauen und Männern in einem mit Gegenständen aus dem DDR-Alltag ausgestalteten Saal, um Erinnerungen auszutauschen, wobei auch DDR-Lieder gesungen werden. Dies soll vor allem Senioren mit leichter Neigung zur Demenz helfen.

Bei einem "Museumstag" im DRK-Seniorenheim in Teterow hängen und liegen Pionier-Blusen, FDJ-Blusen, FDJ-Fahnen und andere DDR-Utensilien auf einem Tisch im Raum.
Bei einem "Museumstag" im DRK-Seniorenheim in Teterow hängen und liegen Pionier-Blusen, FDJ-Blusen, FDJ-Fahnen und andere DDR-Utensilien auf einem Tisch im Raum.  © DPA

Angefangen hat alles mit dem Trabant-Jubiläum Anfang November. "Die Männer erzählten uns bei einem Ausflug in ein Museum und ein Autohaus, wo Oldtimer besichtigt wurden, ihre Trabant-Geschichten", erläutert Pflegedienstleiterin Michaela Hinz.

Daraus wurde die Idee geboren, eine Art DDR-Tag zu gestalten. Mitarbeiter brachten alte Radios, Schallplatten, Küchengeräte, Bücher und Embleme mit.

"Und als wir merkten, wie die Atmosphäre wirkte, haben wir Lieder gesungen", berichtet Hinkelmann. Aus einem geplanten Tag wurden drei Tage mit je mehr als 30 Senioren.

Als beim ersten Mal die alte DDR-Hymne erklang, weil die Teilnehmer das so wollten und darüber berichtet wurde, haben die Frauen um Heimleiter Hinkelmann auch Kritik einstecken müssen.

"Per Facebook wurde uns vorgeworfen, dass wir den Schießbefehl vergessen hätten", erklärt Hinkelmann. Darum gehe es aber gar nicht.

Wichtig sei, wie sich die Leute an ihre Zeit erinnern. Trotzdem ließ man das Porträt des damaligen DDR-Staatschefs Erich Honecker bei der Neuauflage des "Museumstages" dann doch weg.

Im DRK-Seniorenheim in Teterow sitzt Ergotherapeutin Carmen Renzel (m) zwischen 14 Heimbewohnern und ihren Betreuern.
Im DRK-Seniorenheim in Teterow sitzt Ergotherapeutin Carmen Renzel (m) zwischen 14 Heimbewohnern und ihren Betreuern.  © DPA

Titelfoto: DPA


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