Alles andere ist Schokolade: Die Trends im Osternest

München - In Osternestern stecken heuer nicht mehr nur Schoko-Osterhasen aus möglichst günstiger Schokolade. Das Schoko-Handwerk und die Industrie feilen an immer neuen Produktideen.

Eiertanz: Ostern ist auch ein Fest für die Süßwarenindustrie, doch die Schokoladenhersteller müssen sich gestiegenen Ansprüchen der Verbraucher stellen.
Eiertanz: Ostern ist auch ein Fest für die Süßwarenindustrie, doch die Schokoladenhersteller müssen sich gestiegenen Ansprüchen der Verbraucher stellen.  © Daniel Karmann/dpa

Denn der Kunde will die Leckereien einerseits traditionell, doch andererseits neu und ausgefallen.

Ohne Zuckerzusatz, laktosefrei, vegan, bio, proteinreich - auf diese Mischung setzen deshalb gleich mehrere Unternehmen in der Branche.

So zielt etwa der 150 Jahre alte Schokoladenhersteller Frankonia Chocolat im unterfränkischen Veitshöchheim (Landkreis Würzburg) neuerdings auch auf Anhänger kohlenhydratarmer Ernährung (low carb): "High Protein"-Schokolade, ohne Zuckerzusatz, dafür mit mehr Eiweiß.

Seit über 20 Jahren stellt das Unternehmen zuckerfreie Schokolade für Diabetiker her. 2011 fing Frankonia nach eigenen Angaben an, das Sortiment stärker zu erweitern.

Das Ostergeschäft der Branche soll in diesem Jahr besonders gut laufen. Das prognostiziert zumindest der Süßwarenverband Sweets Global Network mit Sitz im München.

Demnach könnten die deutschen Süßwarenhersteller mehr Schoko-Langohren verkaufen als Schoko-Nikoläuse zu Weihnachten - mehr als 220 Millionen. Etwa jeder zweite Hase werde exportiert.

Viel und teuer: Das geben die Deutschen für ihr Osternest aus

Handarbeit aus der Chocolaterie Molina: Nicht jedes Ei kommt bei den Deutschen ins Osternest.
Handarbeit aus der Chocolaterie Molina: Nicht jedes Ei kommt bei den Deutschen ins Osternest.  © dpa/Daniel Karmann

Die Kunden kauften nicht nur mehr, sondern auch verstärkt teure Produkte. "Schon im letzten Jahr brachten die Hersteller starke Neuprodukte auf den Markt, die deutlich das durchschnittliche Preisniveau überstiegen, aber dennoch für eine hohe Nachfrage bei den Konsumenten sorgten", teilte der Vorstandsvorsitzende von Sweets Global Network, Hans Strohmaier, mit.

Im Durchschnitt gäben die Deutschen zwischen fünf und sechs Euro für süße Osterartikel aus.

Laut Verband sind klassische und nostalgische Produkte wie der Hase oder Eier weiter beliebt. Doch die Verbraucher verlangten nach Themenvarianten. Mit neuen Geschmacksrichtungen und individuellen Verpackungen sorgten Hersteller für Variation.

Große Nachfrage gibt es laut Süßwarenverbänden vor allem für nachhaltig produzierte Schokolade beziehungsweise Kakao. Der Anteil liege schon bei über 60 Prozent.

Die Berliner Verbraucherzentrale habe kürzlich festgestellt, dass in Supermärkten kaum wirklich fair gehandelte Schokohasen angeboten würden. Wie aussagekräftig ein Fairtrade-Label ist, können Verbraucher auf der Internetseite label-online.de nachschauen, rät Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern.

"Nachhaltig bedeutet aber nicht immer fair", sagt Krehl. Der Begriff fair sei nicht geschützt.

Schokolade an Ostern: Fair, nachhaltig, regional, Hauptsache "nichts von der Stange"

Schokolade mit Ostermotiven stehen in der Chocolaterie Molina, einer Schokoladenmanufaktur, zum Verkauf aus.
Schokolade mit Ostermotiven stehen in der Chocolaterie Molina, einer Schokoladenmanufaktur, zum Verkauf aus.  © DPA

Mit Fairtrade und Nachhaltigkeit wirbt ebenfalls Riegelein Confiserie aus Cadolzburg bei Nürnberg. Das 1953 gegründete Unternehmen verarbeitet nach eigenen Angaben jährlich rund 18.000 Tonnen Schokolade zu verschiedenen Produkten.

Darunter etliche Mottoprodukte zu Halloween, Silvester, Valentinstag und eben Ostern. Nach eigenen Angaben besteht das gesamte Sortiment inzwischen aus nachhaltigem Kakao. Zudem will Riegelein bei Mini-Schokofiguren ab sofort 49 Prozent der Plastikverpackung sparen.

Das Confiserie-Unternehmen Schwermer im schwäbischen Bad Wörishofen nutzt einen anderen Trend: regionale Produkte. "Ab heuer haben wir das gesamte Sortiment auf Allgäuer Sahne umgestellt", sagt Marketingleiter Gerhard Manner. Das mache sich bemerkbar. Das Ostergeschäft werde "mit einer sehr schönen Zahl" abgeschlossen.

Neben den großen Schokoladenfabriken buhlen etliche kleine Manufakturen am Markt um Kunden. Konditoren können sich sogar zum Schokoladen-Sommelier fortbilden lassen. Einige Manufakturen stellen neben Pralinen und Co. auch spezielle Osterprodukte her. So wie die Chocolaterie Molina in Schweinfurt. Bei Wunsch bietet die Manufaktur auch ausgefallenere Geschmacksrichtungen wie Pfefferminz und Chili an. Laktosefreie und vegane Schokolade führt sie ebenfalls.

Für Inhaberin Linda Gahn-Becker ist klar: "Die Leute wollen nichts von der Stange."

Titelfoto: Daniel Karmann/dpa


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