Terrorgruppe IS reklamiert Anschlagsserie auf Kirchen und Hotels für sich

Colombo (Sri Lanka) - Zwei Tage nach der Serie von Selbstmordanschlägen auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka ist die Zahl der Todesopfer auf 310 gestiegen. Das erklärte die Polizei am Dienstag auf Anfrage.

Überall liegen Trümmer und Leichen: Ein Blick in den Innenraum der durch eine Explosion beschädigte St.-Sebastians-Kirche nördlich von Colombo liegen
Überall liegen Trümmer und Leichen: Ein Blick in den Innenraum der durch eine Explosion beschädigte St.-Sebastians-Kirche nördlich von Colombo liegen  © Chamila Karunarathne/AP/dpa

Mehr als 500 Verletzte wurden demnach noch in Krankenhäusern behandelt. Es habe inzwischen rund 35 Festnahmen gegeben. Mehr als 20 Häuser seien durchsucht worden, hieß es.

In der Nacht zum Dienstag traten Notstandsbestimmungen in Kraft. Staatspräsident Maithripala Sirisena erklärte den öffentlichen Notstand im Interesse der öffentlichen Sicherheit, der Wahrung der öffentlichen Ordnung und der Sicherung der Versorgung mit Waren und Dienstleistungen für die Bürger, wie es in einer Erklärung des Präsidenten hieß.

Mit den Regelungen erhalten Sicherheitskräfte erweiterte Befugnisse, etwa für Durchsuchungen und zur Festnahme von Personen.

Der Dienstag wurde zudem zu einem nationalen Trauertag erklärt. Am Morgen wurden drei Schweigeminuten abgehalten. Zahlreiche Bestattungen waren geplant.

Terrorgruppe IS reklamiert Anschläge in Sri Lanka für sich

Update, 13.22 Uhr: Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) hat die Anschläge für sich reklamiert. Das IS-Sprachrohr Amak berichtete am Dienstag in den sozialen Netzwerken, dass die Angreifer, die die Attacken auf "Bürger der Koalition und die christliche Gemeinschaft" durchgeführt haben, Kämpfer des Islamischen Staates gewesen seien. Mit "Bürgern der Koalition" bezeichnet der IS Staatsbürger von Ländern, die der internationalen Anti-IS-Koalition angehören, die die Terrormiliz in Syrien und im Irak bekämpft.

Die Echtheit der Bekennernachricht ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Sie erfolgte aber über die üblichen Kanäle in den sozialen Netzwerken, in denen der IS auch bereits in der Vergangenheit Anschläge für sich reklamiert hatte. Der IS gilt in seinem Stammgebiet in Syrien und dem Irak als besiegt. Experten warnen aber weiterhin vor der Gefahr von Anschlägen durch die Extremisten.

Unicef: 45 Kinder unter den Toten der Anschläge von Sri Lanka

Update, 12.35 Uhr: Bei den Anschlägen in Sri Lanka sind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef auch 45 Kinder ums Leben gekommen. Das jüngste der 13 in Batticaloa gestorbenen Kinder sei erst 18 Monate alt gewesen, teilte Unicef-Sprecher Christophe Boulierac am Dienstag in Genf mit. In Negombo seien 27 Kinder getötet worden. Außerdem sei der Tod von fünf ausländischen Kindern bestätigt worden, hieß es.

Minister: Anschläge in Sri Lanka als Vergeltung für Christchurch

Update, 10.58 Uhr: Die Anschläge in Sri Lanka waren nach ersten Erkenntnissen der Regierung als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht. Das erklärte Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene am Dienstag im Parlament.

Herzergreifend! Eine sri-lankische Frau, die in der Nähe des St-Antonius-Kirche wohnt, läuft mit ihrem Kind in Sicherheit.
Herzergreifend! Eine sri-lankische Frau, die in der Nähe des St-Antonius-Kirche wohnt, läuft mit ihrem Kind in Sicherheit.  © Eranga Jayawardena/Ap/dpa
Nach dem blutigen Ostersonntag stehen viele Menschen in Sri Lanka unter Schock und Anspannung. Das Entsetzen über die verheerenden Selbstmordanschläge ist groß - nicht nur im Land.
Nach dem blutigen Ostersonntag stehen viele Menschen in Sri Lanka unter Schock und Anspannung. Das Entsetzen über die verheerenden Selbstmordanschläge ist groß - nicht nur im Land.  © emunu Amarasinghe/AP/dpa
Hilfskräfte arbeiten in der beschädigten St.-Antonius-Kirche .
Hilfskräfte arbeiten in der beschädigten St.-Antonius-Kirche .  © XinHua/dpa

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