Biervorräte aufgekauft und bunter Protest: So wehrte sich Ostritz gegen das Nazi-Festival

Ostritz/Dresden - Kein Bier für Nazis! Mit ihrem spontanen Protest gegen das rechtsextreme "Schild und Schwert Festival" haben die Einwohner von Ostritz ein Signal gesendet.

Rund 1 400 Beamte waren am Samstag und Sonntag im Einsatz.
Rund 1 400 Beamte waren am Samstag und Sonntag im Einsatz.  © Lausitznews

Nachdem für die Veranstaltung ein Alkoholverbot verhängt worden war, hatte das Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal (IBZ) am Samstag die Biervorräte eines Supermarktes aufgekauft.

"Wir sind froh, dass wir damit ein Zeichen setzen konnten für Bürgerengagement", sagte der Vorstandsvorsitzende der IBZ-Stiftung, Michael Schlitt. Nach der gerichtlichen Bestätigung des Alkoholverbots für das Rechtsrock-Konzert auf dem Gelände eines früheren Hotels hatte die Polizei dort rund 4 200 Liter Bier beschlagnahmt und bei Kontrollen der Anreisenden noch rund 200 Liter alkoholische Getränke eingezogen.

Damit sich die Nazis nicht schnell noch Nachschub im Supermarkt holen konnten, um sich vor dem Festgelände zu betanken, schleppten die Ostritzer mehr als 120 Kästen Bier aus dem nächsten Supermarkt (TAG24 berichtete).

"Ich denke, dass wir damit geholfen haben, das Alkoholverbot umzusetzen", so Schlitt. Das Ziel war erreicht: So rechte Stimmung kam beim Konzert nicht auf. Auch die 750 erwarteten Gäste kamen bei der Veranstaltung nicht zusammen. Schon vor der Schlussveranstaltung hatten sich die Reihen noch mehr gelichtet. Nach dem offiziellen Ende gaben die Behörden die konfiszierten 42 Hektoliter Bier wieder zurück. Was die rechten Veranstalter nun damit machen, ist nicht bekannt.

Pfiffige Aktion: Auch diese Supermarkt-Kundin karrte kistenweise Bier davon, damit Neonazis auf dem Trocknen sitzen bleiben.
Pfiffige Aktion: Auch diese Supermarkt-Kundin karrte kistenweise Bier davon, damit Neonazis auf dem Trocknen sitzen bleiben.  © dpa/Daniel Schäfer

An den bunten Protesten gegen das Nazifestival beteiligten sich über 2000 Besucher - beim Friedensfest, dem 100-jährigen Jubiläum des örtlichen Fußballvereins und zwei Demonstrationen. Bei einer Kunstaktion erinnerten 2 262 aufgestellte Paar Schuhe an die vergangenes Jahr im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge.

Rund 1 400 Polizisten waren Samstag und Sonntag im Einsatz. Unterstützt wurde die Landespolizei von Kollegen aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin sowie durch das LKA und die Bereitschaftspolizei. „Wir haben uns gründlich vorbereitet. Das Ergebnis gibt uns Recht. Alle Versammlungen und Veranstaltungen verliefen friedlich", so der Leitende Polizeidirektor Holger Löwe (54).

Dennoch wurden 32 Straftaten und fünf Ordnungswidrigkeiten aufgenommen. Ein Verfahren läuft auch gegen Veranstaltungsleiter Thorsten H. Der hatte laut Medienberichten bei seiner Rede den ARD-Journalisten Tim Mönch ("Panorama") mit den Worten angesprochen: "Die Pistole ist schon geladen, Herr ...".

Vor dem Hintergrund des mutmaßlich von einem Rechtsextremisten erschossenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke (†65) konnte das auch als Morddrohung verstanden werden. Die Polizei bestätigte via Twitter: "Ein entsprechendes Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet. Weitere Maßnahmen laufen."

Zum Friedensfest in Ostritz wurde mit 2 262 Paar Schuhen an ertrunkene Flüchtlinge in einer Kunstaktion erinnert.
Zum Friedensfest in Ostritz wurde mit 2 262 Paar Schuhen an ertrunkene Flüchtlinge in einer Kunstaktion erinnert.  © Matthias Weber
An den bunten Protesten gegen das Nazifestival beteiligten sich über 2000 Besucher.
An den bunten Protesten gegen das Nazifestival beteiligten sich über 2000 Besucher.  © Lausitznews

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