Beliebte Ostsee-Regionen in Gefahr! Pipeline-Vorfall führt zur Invasion der Schmierfett-Klumpen

Schwerin/Greifswald/Berlin - Am Mittwoch klang die Mitteilung des Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt noch harmlos: Dort wurde über Schmierfettablagerungen an einigen Stellen im Bereich der Halbinsel Zudar (Rügen) und in Stahlbrode (südlich von Stralsund) gesprochen. Eine Gefährdung von Umwelt und Personen bestand nicht, hieß es weiter. Doch könnte es sich dabei um eine Fehleinschätzung von offizielle Seite handeln? Denn immer mehr gefährliche Klumpen tauchen auf.

Schmierfettähnliche Klumpen liegen am Ufer des Greifswalder Boddens und des östlichen Strelasunds.
Schmierfettähnliche Klumpen liegen am Ufer des Greifswalder Boddens und des östlichen Strelasunds.  © Martina Rathke/dpa

"Bislang wurden größere Mengen der Schmierfettablagerungen an den westlichen Stränden des Greifswalder Boddens gefunden", wie Anne Böhnke-Henrichs, Expertin für Meeresschutz bei NABU, gegenüber TAG24 mitteilte. "Dabei ist das betroffene Gebiet deutlich größer als die Meldung des Umweltministerium vom Mittwoch vermuten lässt."

So gab es Klumpen-Funde auf dem Struck, den Freesendorfer Wiesen und am Strand von Wampe. "Wie stark die Belastung des Boddens tatsächlich ist, lässt sich derzeit noch nicht abschließend klären. Wir befürchten, dass es sich bei den angespülten Schmierfettklumpen nur um die Spitze des Eisbergs handelt", so die Meeresschutz-Expertin.

Böhnke-Henrichs verwies auf weitere Sichtungen von Seglern, die am Pfingstwochenende auf dem Bodden unterwegs waren. Sie sahen solche Klumpen vermehrt auf dem Wasser schwimmen. Somit ist nicht auszuschließen, dass die Klumpen auch weitere Strände im Bodden erreichen, in andere Gewässer abdriften oder sogar auf die offene Ostsee treiben.

Wie gefährlich sind die Schmierfettklumpen für Mensch und Tier?

Eine Frau spaziert mit ihrem Hund im flachen Gewässer des Greifswalder Bodden.
Eine Frau spaziert mit ihrem Hund im flachen Gewässer des Greifswalder Bodden.  © Christian Charisius/dpa

Bislang wurden kaugummi- bis tischtennisballgroße Klumpen angespült, doch welche Gefahr von ihnen ausgeht, darüber kann bislang nur spekuliert werden.

Mitarbeiter der Staatlichen Ämter für Landwirtschaft (StALU) und Umwelt haben Proben entnommen, die derzeit untersucht werden. Ergebnisse werden zeitnah erwartet. Dennoch warnt Böhnke-Henrichs: "Es besteht jedoch die Gefahr, dass Vögel die Substanz für Futter halten. Zudem könnte die Substanz wegen ihrer auffälligen Farbe an Strand spielende Kinder anziehen", allerdings kann die Giftigkeit der Klumpen aktuell nicht abgeschätzt werden.

Woher die Schmierfettklumpen stammen, müssen weitere Ermittlungen der Wasserschutzpolizei zeigen. Allerdings gibt es seltsame Auffälligkeiten zu den aktuellen Baggerarbeiten im Zuge des Ausbaus der Gaspipeline Nord Stream 2 im Greifswalder Bodden.

Analyse beweist: Arbeiten an der Gaspipeline Nord Stream sind der Ursprung

Bagger arbeiten im Greifswalder Bodden am Unterwassergraben der neuen Ostseepipelin Nord Stream 2.
Bagger arbeiten im Greifswalder Bodden am Unterwassergraben der neuen Ostseepipelin Nord Stream 2.  © Stefan Sauer/dpa

Am Donnerstagabend sollte sich der anfängliche Verdacht der NABU-Meeresshutz-Expertin bestätigen.

Die Labor-Analytik habe bestätigt, dass es sich bei den Anlandungen um ein Maschinen-Schmierfett auf Mineralölbasis handele, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums.

Die Nord Stream 2 AG habe außerdem eingeräumt, dass es möglicherweise einen zurückliegenden Vorfall gegeben haben könnte. Bei einem Baggerschiff seien Auffälligkeiten festgestellt worden, die die Verursachung einer Schmierfett-Verunreinigung nicht ausschließen, hieß es.

Das Schiff sei umgehend außer Betrieb genommen und in den Hafen zu technischen Untersuchungen beordert worden.

Noch ist aber unklar, welche Auswirkungen dieser Vorfall auf die Umwelt haben könnte.