"Laufende Zielscheibe": Auch Ex-Verein SCP entsetzt über Anschlag auf Fußballprofi

Nachdem Deniz Naki Anfang November 2016 freigesprochen wurde, sprach er zur Presse. 2017 wurde er überraschend doch wegen "Terrorpropaganda" verurteilt.
Nachdem Deniz Naki Anfang November 2016 freigesprochen wurde, sprach er zur Presse. 2017 wurde er überraschend doch wegen "Terrorpropaganda" verurteilt.  © DPA

Paderborn/Düren - Die Nachricht, dass der deutsch-türkische Fußballprofi Deniz Naki nachts auf der Autobahn 4 nahe Düren aus einem fahrenden Wagen beschossen wurde (TAG24 berichtete), schockte deutschlandweit.

Auch sein Ex-Verein, der SC Paderborn, bei dem er in der Saison 2012/2013 spielte, ist schockiert. Mittlerweile wird wegen versuchter Tötung gegen Unbekannt ermittelt.

"Mit Entsetzen haben wir von dem Anschlag auf unseren früheren Spieler Deniz Naki erfahren", so SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger gegenüber der Neuen Westfälischen.

"Dass hier zudem schwere Gewalt angewendet worden ist, befremdet uns sehr. Wir freuen uns, dass Deniz Naki den Anschlag offenbar ohne gesundheitliche Schäden überstanden hat."

Der 28-Jährige gilt als Kritiker der türkischen Regierung. Eine politisch motivierte Tat wird deshalb nicht ausgeschlossen. In der Welt sprach Naki von einem Mordanschlag.

"Ich hätte sterben können. Und es hat ja nicht viel dazu gefehlt." Nach seiner Aussage wurden zwei Schüsse aus einem Kombi abgefeuert. Die Kugeln hätten sein Auto "in der Mitte am Fenster" und "nahe den Reifen" getroffen.

In der Saison 2012/2013 trug Naki das SCP-Trikot.
In der Saison 2012/2013 trug Naki das SCP-Trikot.  © DPA

Naki selbst mutmaßt, dass ein türkischer Geheimdienst hinter dem Anschlag stecken könnte "oder ein anderer, dem meine politische Haltung nicht passt." Wegen seiner pro-kurdischen Äußerungen sei er in der Türkei eine laufende Zielscheibe.

Aktuell spielt der 28-Jährige beim Drittligisten Amed SK in der türkischen Kurdenmetropole Diyarbakir. Im Frühjahr 2017 wurde Naki von einem türkischen Gericht wegen "Terrorpropaganda" für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK zu einer Bewährungsstrafe von rund 18 Monaten verurteilt (TAG24 berichtete).

Sein Anwalt hatte die Entscheidung damals als "willkürlich" kritisiert. Für Ankara sei er "Staatsfeind", in der kurdischen Bevölkerung werde er verehrt. Naki hatte mehrfach über Attacken auf ihn, das Team und den Vorstand des kurdischen Vereins berichtet.

Erst im August 2017 wurde er auf dem Fußball-Platz von einem türkischen Fan brutal zu Boden gestoßen (TAG24 berichtete). Der aktuelle Anschlag zeige in dramatischer Weise, wie sehr türkische und kurdische Oppositionelle auch in Deutschland bedroht seien, teilte die Linken-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke mit.

Die deutschen Sicherheitsbehörden müssten das "endlich ernst nehmen".

Titelfoto: DPA


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