Exorzismus: Gibt es Teufels-Austreibungen noch in Deutschland?

Paderborn - Wenn man von Exorzismus hört, denkt man vermutlich erst mal an einschlägige Horror-Filme. Dass die "Teufelsaustreibung" aber viel näher ist, würden viele vermutlich nicht denken.

Obwohl es jedes Jahr eine Anfrage zur Austreibung gibt, wird ein Exorzismus oft nicht genehmigt. (Symbolbild)
Obwohl es jedes Jahr eine Anfrage zur Austreibung gibt, wird ein Exorzismus oft nicht genehmigt. (Symbolbild)  © 123RF

Dabei sind Austreibungen immer noch gefragt, wie die Neue Westfälische berichtet. Die Zeitung fragte beim Erzbistum Paderborn nach - und erfuhr, dass seit 2008 insgesamt zehn Personen beim "Befreiungsdienst" einen Exorzismus angefragt haben.

Pressesprecher Thomas Throenle stellt aber klar: "Ein Exorzismus und somit das große Befreiungsgebet der Kirche ist in keinem Fall durchgeführt worden."

Das Vorgehen nach einer Anfrage ist eindeutig geregelt: "Durch das Kirchenrecht ist festgelegt, dass die Beauftragung eines Seelsorgers zu einem Befreiungsdienst einer besonderen und ausdrücklichen Erlaubnis durch den Paderborner Erzbischof bedarf."

Zunächst sucht ein Priester das Gespräch mit dem Betroffenen und bietet ihm eine seelsorgerische Begleitung an. Bevor der Erzbischof einem Exorzismus zustimmt, müsse eine eindeutige medizinisch-psychologische Stellungnahme vorliegen, heißt es weiter.

Dieses Vorgehen sei nötig, um psychische Erkrankungen wie Borderline oder Wahnvorstellungen auszuschließen. In den meisten Fällen sind die Personen eben nicht besessen. Daher ermutigt man sie "zur Inanspruchnahme medizinischer oder psychotherapeutischer Hilfe", so Throenle.

2003 wurde zum letzten Mal eine Austreibung im Erzbistum genehmigt. Dass in Paderborn so offen damit umgegangen wird, ist nicht selbstverständlich. Die 26 anderen deutschen Diözesen hüllen sich in dieser Angelegenheit in einen Mantel des Schweigens.

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