Traditionsunternehmen schließt Standort, 340 Menschen werden auf einen Schlag arbeitslos

Paderborn – Am Montag wurde bekannt, dass der Standort Paderborn der Finke-Einrichtungshäuser geschlossen wird. Hunderte Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Der Finke-Standort wird im kommenden Jahr geschlossen.
Der Finke-Standort wird im kommenden Jahr geschlossen.

Am Montagmorgen erhielten rund 340 Mitarbeiter des Finke-Standortes in Paderborn die Nachricht, dass das Möbelhaus geschlossen wird. Bereits am 30. Juni 2019 soll Schluss sein bei dem Traditionsunternehmen.

„Finke ist ein Sanierungsfall. Schon lange macht das Unternehmen operative Verluste, die seinen Bestand ernsthaft gefährden. Die Gründe dafür liegen in der Vergangenheit, sind vielfältig und nicht mehr zu ändern. Klar ist aber, wir wollen das Unternehmen retten. Dazu sind auch schmerzhafte Einschnitte unausweichlich", rechtfertigte Kurt Krieger, Inhaber der Krieger Handel SE, die Entscheidung des Eigentümerunternehmens.

Das Möbelhaus soll Mitte des kommenden Jahres geschlossen und abgerissen werden. Die Verwaltung soll bis zum Ende nächsten Jahres ebenfalls schließen, berichtete die Neue Westfälische.

Der Betriebsrat des Möbelhauses soll einen Sozialplan und einen Interessenausgleich für die zahlreichen Mitarbeiter, die zeitnah ihren Job verlieren werden, schaffen. Die Logistik des Paderborner Standortes soll dabei jedoch behalten werden. Auch die Filialen in Münster, Hamm und Kassel werden erhalten. Die Plätze werden von der Zentral-Verwaltung in Berlin aus geleitet.

Das Finke-Stammhaus in Paderborn wird im Herbst abgerissen.
Das Finke-Stammhaus in Paderborn wird im Herbst abgerissen.  © DPA

Doch auch diese Standorte werden umstrukturiert: „Auch in diesen Filialen sind umfangreiche Maßnahmen notwendig. Finke hat deutlich zu hohe Kosten und ist auch deshalb nicht wettbewerbsfähig. Gemeinsam mit dem Betriebsrat werden wir auch hier Sozialpläne erarbeiten und die nötigen Anpassungen so sozial verträglich wie möglich gestalten. Finke verliert jeden Tag Geld. Und der Wettbewerb wird immer härter. Wir müssen uns neu aufstellen, nur dann haben wir auch eine Zukunft", erläuterte Krieger.

In Paderborn sind 340 Mitarbeiter betroffen. Zur Unternehmensgruppe zählen rund 1.600 Mitarbeiter. Es soll bereits Kontakt zwischen Betriebsrat, Arbeitsagenturen und einem Fachanwalt für Arbeitsrecht aufgenommen worden sein. Der Betriebsrat und auch der Bürgermeister von Paderborn zeigten sich überrascht über das plötzliche Aus: „Das war so nicht absehbar, deshalb bin ich tief geschockt und sehr überrascht", kommentierte Bürgermeister Michael Dreier die Entscheidung.

„Die Stadt hat nach wie vor ein sehr großes Interesse, Paderborn als bedeutenden Standort für den Möbelhandel zu erhalten. Deshalb werde ich mich klar für einen Wiederaufbau des Möbelhauses einsetzen. Dabei bekommt die Krieger-Gruppe jede mögliche Unterstützung seitens der Stadt Paderborn", versuchte Dreier der Schließung entgegenzuwirken.

Die Mitarbeiter des Möbelhauses zeigten sich fassungslos über die plötzliche Schließung, war Wochen zuvor doch noch gesagt worden der Standort bleibe bestehen, berichtete die Neue Westfälische. "Es ist, als ob man sein Zuhause verliert", sagte eine Mitarbeiterin. Viele der Arbeitnehmer arbeiten bei dem Möbelhaus seit Jahren, für viele Familien hat die Schließung schwerwiegende Folgen.

Auch die Angst vor der Zukunft spielt von nun an eine große Rolle im Leben der Finke-Mitarbeiter. Hoffnungen werden jetzt auf den Betriebsrat gesetzt, der schon in Kontakt mit den Arbeitsagenturen stehe. "Die Lage für Berufe im Einzelhandel ist gut. Arbeitgeber suchen nach Fachkräften. Da sind Mitarbeiter mit langjähriger Berufserfahrung besonders wertvoll geworden", bestätigte Matthias Dainat, Sprecher der Arbeitsagentur Ostwestfalen-Lippe.

In der kommenden Woche soll es weitere Mitarbeitergespräche, auch mit den Arbeitsagenturen, geben, es werde um Arbeitslosengelder und Weiterbildungsmöglichkeiten gehen. "Die Mitarbeiter können uns dann alles fragen, was ihnen zum Thema Jobverlust unter den Nägeln brennt", so Dainat. Die Arbeitssuche für die Finke-Mitarbeiter soll schon nächste Woche an den Start gehen.


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