"Horror-Haus": Hätte das erste Opfer gerettet werden können?

Paderborn – Zwei Gutachter, zwei Meinungen: Im Mordprozess um die tödlichen Misshandlungen in einem Haus in Ostwestfalen muss die Frage beantwortet werden, ob der Tod einer Frau hätte verhindert werden können. Nun äußert sich ein weiterer Experte.

Im Mai 2016 wurde das Haus in Höxter-Bosseborn auf den Kopf gestellt.
Im Mai 2016 wurde das Haus in Höxter-Bosseborn auf den Kopf gestellt.  © DPA

Im Mordprozess um das sogenannte Horror-Haus von Höxter sagt am Dienstag (9 Uhr) ein weiterer medizinischer Gutachter aus. Der Experte der Uniklinik Essen soll darlegen, ob der Tod eines der beiden Opfer von den Angeklagten zu verhindern gewesen wäre, wie es die Staatsanwaltschaft behauptet. Susanne F. war im April 2016 in einem Krankenhaus gestorben.

Über Jahre hinweg sollen Wilfried W. und seine mitangeklagte Ex-Frau Angelika W. mehrere Frauen in ein Haus nach Ostwestfalen gelockt und dort schwer misshandelt haben. Susanne F. und eine weitere Frau aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien. Der 48-jährige Wilfried W. und die 49-jährige Angelika W. sind in Paderborn wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt.

Die beiden waren wegen einer Autopanne aufgeflogen: Laut Anklage wollten sie Susanne F. nach einem Sturz auf den Kopf aus Höxter zurück in ihre Wohnung nach Niedersachsen bringen. Weil das Auto liegen blieb, kamen sie nicht in Bad Gandersheim an. Das Duo verständigte Rettungskräfte. Diese brachten die Frau verletzt und unterkühlt ins Krankenhaus.

Um die Bewertung der Todesumstände hat sich ein Gutachterstreit entwickelt. Ein Rechtsmediziner der Uni Göttingen hatte ausgesagt, dass selbst schnelle ärztliche Hilfe das Leben der Frau nicht hätte retten können.

Laut einem Experten der Uni Münster hingegen hätte Susanne F. mit großer Wahrscheinlichkeit überleben können - wenn sie früher ins Krankenhaus gekommen wäre.

UPDATE, 9.52 Uhr: Peter Wüller, der Strafverteidiger von Angelika W. moniert, dass der Rechtsmediziner Thomas Bajanowski letztlich nur an Verstorbenen geforscht habe. Damit sei aber nicht klar, wie es sich bei Patienten verhalte, die eine Gehirnblutung erlitten haben und zu behandeln seien.

Damit schließt der Vorsitzende Richter Emminghaus die Verhandlung. Der nächste Prozesstag ist am 31. Juli 2018.

UPDATE, 9.47 Uhr: Der Gutachter Dr. Thomas Bajanowski von der Universitätsklinik Essen ist ebenfalls der Meinung, dass Susanne F. vermutlich hätte gerettet werden können, wenn ihr schnell ärztliche Hilfe zuteil gekommen wäre. Im Krankenhaus hätte man auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes sofort reagieren können.

Auf der Anklagebank: Wilfried W. (l.), sein Anwalt Detlev Binder und die Angeklagte Angelika W..
Auf der Anklagebank: Wilfried W. (l.), sein Anwalt Detlev Binder und die Angeklagte Angelika W..  © DPA

Titelfoto: DPA


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