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"Horror-Haus"-Mordprozess: Sieben Zeugen sagen aus

Auch der Ehemann des zweiten Opfers soll heute vor Gericht aussagen. Durch ihren Tod war der Fall 2016 aufgeflogen.
Die letzte Sitzung wurde vorzeitig beendet, weil Wilfried W. nicht aussagen wollte.
Die letzte Sitzung wurde vorzeitig beendet, weil Wilfried W. nicht aussagen wollte.

Paderborn - Das Landgericht Paderborn hat im Mordprozess um das sogenannte "Horror-Haus" von Höxter für Dienstag sieben Zeugen geladen.

Am 16. Verhandlungstag soll nach Angaben eines Gerichtssprechers unter anderen der Ehemann des zweites Todesopfers Susanne F. aussagen. Durch deren Tod war der Fall 2016 aufgeflogen.

Die Angeklagten wollten die schwer verletzte Frau im April des vergangenen Jahres zurück in ihre Heimat nach Bad Gandersheim in Niedersachsen bringen. Sie blieben jedoch wegen einer Autopanne liegen.

Susanne F. starb wenig später im Krankenhaus. Ihr Fall löste die Ermittlungen aus. Als Zeugen geladen sind auch drei Frauen, die jeweils mit dem Angeklagten Wilfried W. ein Verhältnis hatten.

Über Jahre hinweg sollen die Angeklagten Wilfried W. (47) und Angelika W. (48) mehrere Frauen in ein Haus nach Ostwestfalen gelockt und dort schwer misshandelt haben. Beide sind wegen Mordes angeklagt.

Zwei Frauen starben infolge der Quälereien. Bislang haben sich beide Angeklagte gegenseitig beschuldigt, die treibende Kraft gewesen zu sein.

Auch am Dienstag wird TAG24 live vom Prozess vor Ort berichten.

14.55 Uhr: "Wilfried hat Susanne F. geformt, manipuliert." Wilfrieds Strafverteidige, Detlev Binder, moniert, dass die Zeugin ungeschützt etwas von sich gibt. Wo sei die Manipulation, wo die Formung von Susanne durch Wilfried.

Er möchte wissen, wie die Zeugin zu diesen Eindrücken kommt. Hierzu kann die Zeugin nicht mehr sagen, als sie bisher gesagt hat. Binder verlangt ein Ordnungsgeld von 100 Euro für die Zeugin, da sie seine Fragen nicht beantwortet.

Sie könne keine Inhalte von irgendeinem Telefongespräch zwischen Susanne und Wilfried W. wiedergeben. Der Vorsitzende Richter geht auf das Ordnungsgeld nicht ein. "Ich kann nur sagen, dass Susanne schnell zu begeistern war." Mit diesen Worten wird die Zeugin entlassen.

Die Sitzung wird geschlossen. Nächster Verhandlungstag ist der 25. April.

14.38 Uhr: "Susanne hat sich dann irgendwann immer unterwürfiger gegenüber Wilfried und Angelika verhalten. Es wurden teilweise auch schlüpfrige WhatsApp-Mitteilungen von Wilfried W. an Susanne verschickt.

Wenn Susanne am Telefon Wilfried erklärte, wie sehr sie ihn liebe, kam aber keine Erwiderung von Wilfried. Es wurde auch schon mal aufgelegt. Für mich war das von Wilfried eine eiskalt berechnende Art.

Er hat ihr immer von einem Bauernhof erzählt, dass er von einer Frau betrogen worden sei, erzählte von Tieren, Hühnern, Gänsen."

14.33 Uhr: "Alles geschah unglaublich zügig, die Kennenlernphase. Wir haben uns da noch sehr intensiv ausgetauscht. Susanne wollte mit mir auch zu kirchlichen Veranstaltungen gehen. Das hatte sie aber dann verworfen, als Wilfried in ihr Leben trat.

Ich habe ihr immer wieder gesagt, dass sie aufpassen soll und es alles nicht so sein kann, wie es ihr Wilfried vorgaukelt. Sie ist aber darauf nicht eingegangen. Sie suchte und fand Bestätigung bei Wilfried.

Sie zog sich immer mehr von mir zurück und ging mehr auf Wilfried zu. Vermutlich hat sie einiges von Wilfrieds Versprechungen und Erzählungen falsch interpretiert. Ich wusste nur, dass sich Angelika immer als Schwester von Wilfried ausgegeben hat.

Susanne fand es am Anfang ganz toll, dass sie sogar zwei Personen, Wilfried und Angelika, umworben haben."

14.27 Uhr: "Susanne, eines der beiden Todesoppfer, war voller Lebensmut, voller Freude und Zukunftspläne. Wilfried war dann ihr Fokus, ihre Hoffnung. Sie hatte große Illusionen, was die Verbindung mit Wilfried anbelangte.

Dann brach der Kontakt zur ihr irgendwann ab. Ich habe mir große Sorgen gemacht. Sie sprach davor noch von einer Hochzeit mit Wilfried."

14.15 Uhr: Die letzte Zeugin des heutigen Verhandlungstages wird jetzt angehört. Alexandra, 41 Jahre alt, ehemalige Zahnarzthelferin, wohnt in Bad Gandersheim. Sie hat Angelika W. und Wilfried W. nur über WhatsApp kennengelernt. Sie kannte aber das Todesopfer Susanne F..

13.54 Uhr: Die Zeugin konkretisiert noch mal, wie sie an die Zettel in der Zelle gekommen ist: "Die Zettel lagen frei rum, die hätte jeder lesen können. Ich habe nicht rumgekramt.

Ich habe mit Angelika auch über schöne Dinge gesprochen. Sie mag Bücher lesen, im Garten arbeiten, sie mag Tiere, erzählte mir Angelika. Sie habe auch gerne im Kiosk gearbeitet, hier habe sie nette Menschen getroffen."

13.42 Uhr: "Als Angelika W. mal zur Vernehmung war, habe ich in der Zelle einige kleine Zettel gelesen, auf denen schreckliche Dinge standen von Misshandlungen und Quälereien. Plastiktüten über den Kopf gezogen, Gegenstände in den Mund gesteckt, mit heißem Wasser übergossen.

Als ich das gelesen habe, war ich sehr erschrocken. Über die Zettel konnte ich mit Angelika W. nicht mehr sprechen, weil sie nach der Vernehmung gleich in eine Zelle kam und wir nicht mehr zusammenkamen. Ich glaube, dass Wilfried wohl der Initiator aller Quälereien war und Angelika W. eher ein Opfer.

So war mein Eindruck nach den Gesprächen mit Angelika W. Ich habe ihr keine Fragen gestellt. Sie fing immer an, mir etwas zu erzählen. Ich habe auch mal in ihre Akte geguckt, da stand etwas von Mordverdacht gegen Angelika W..

Ich war natürlich neugierig, mit wem ich in der Zelle sitze. Ich habe ihr gesagt, sie käme sicherlich bald wieder raus aus der Haft. Angelika sagte, dass sie daran nicht mehr glaube, vielleicht gar nicht mehr, vermutlich werde sie 10 bis 15 Jahre in Haft bleiben.

Angelika hat sich in der Haft Sorgen um ihren Kater gemacht, der in Bosseborn lebte. Sie befürchtete, dass er ins Tierheim gekommen ist. Von Wilfried erzählte sie mir, dass er ein unglaublicher Autonarr war. Er kaufte Autos, fuhr sie nur eine kurze Zeit, stellte irgendwelche Mängel fest, verkaufte es und schon stand der nächste Wagen auf dem Hof.

Die habe er, so erzählte mir Angelika, im Internet gefunden. Angelika musste dann die Verkaufs- bzw. Kaufverhandlungen führen. Angelika erzählte mir auch was von der Scheidung zwischen ihr und Wilfried. Die Geschichte habe ich aber nicht richtig verstanden. (Damals ging es wohl um staatliche Leistungen, die bei Fortführung der Ehe nicht weiter gezahlt worden wären, Anmerkung der Redaktion).

Er konnte schlecht nach Anweisungen arbeiten, wäre am liebsten sein eigener Chef gewesen. Er wurde des öfteren wütend und laut. Wegen ihm habe sie auch ständig ihre Arbeit verloren. Sie wurde teilweise eingesperrt von Wilfried zur Strafe, konnte nicht zur Arbeit gehen und verlor so ihre Stelle."

13.30 Uhr: "Ich bekam irgendwann Angst vor Angelika W., weil sie mir auch erzählte, dass sie wegen Mordverdachts hier in der Zelle sitzt. Wilfried habe auch immer neue Frauen kennengelernt. Angelika W. war eigentlich sehr nett, ziemlich ruhig und ausgeglichen.

Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass so ungeheuerliche Taten passiert sind. Ich habe sie immer wieder gefragt, warum Angelika sich nicht von Wilfried getrennt habe, sie sagte dann, dass sie sich um Wilfried kümmern musste, ihn versorgen musste, weil er krank ist.

Sie machte sich auch Sorgen, dass er in der Haftanstalt medizinisch nicht richtig versorgt wird. Sie erzählte mir dann von ihrem Gehöft in Bosseborn, schwärmte von einem Bauernhof mit vielen Tieren. Nachbarn wollte sie aber am liebsten nicht haben.

Sie sagte auch, dass sie keinen anderen Mann als Wilfried gehabt hat, und deswegen konnte sie sich nicht trennen. Wilfried habe keinen Führerschein, sie müsse sich um ihn kümmern. Ich habe diese Gründe nicht verstanden."

13.22 Uhr: "Ich saß ungefähr eine Woche mit Angelika W. in einer Zelle, von Ende April 2016 bis Anfang Mai. Wir haben uns über Kindheit und Beruf unterhalten. Angelika erzählte mir, dass ihr Partner auch in Haft sitzt.

Sie hat ihn verteidigt, sagte aber auch, dass ihr Ex schon einmal im Knast gesessen habe, wegen irgendeines Führerscheinvergehens (Wilfried saß knapp drei Jahre wegen schwerer Misshandlung von Frauen, Anmerkung der Redaktion).

Sie hat Wilfried sehr in Schutz genommen. Sie wollte nicht, dass Wilfried verurteilt wird. Angelika erzählte mir auch, dass sie eine Anzeige in der Zeitung gelesen habe und so Wilfried kennenlernte. Bei ihren T-Shirts fiel mir auf, dass sie alle kaputt waren.

Sie sagte, Wilfried habe sie zerrissen. Sie hätten ständig Streit gehabt. Wilfried habe sie ständig schikaniert. Sie erzählte mir auch von Brandwunden. Angelika erzählte mir auch von einem Kiosk, der Wilfried gehörte. Sie erzählte mir, dass sie sich sehr wohl jetzt im Knast fühle.

Sie erzählte mir auch, dass sie mit Wilfried mal an dem Knast vorbeigefahren sei, in dem Wilfried für fast drei Jahre saß. Angelika zeigte mir auch ihre Brandverletzung an Arm und Schulter. Ihr Mann habe sie geschnappt, und habe sie unter das Wasser gezerrt.

Vermutlich habe er aber auch nicht gewusst, wie heiß das Wasser war. Angelika nahm Wilfried immer in Schutz. Die Brandverletzung kam wohl aus Versehen. Sie erzählte auch, dass Wilfried ihr einen Wasserschlauch in den Mund gesteckt hatte und heißes Wasser laufen ließ. Ich habe ihr das alles nicht so richtig geglaubt."

13.10 Uhr: Tatjana S., die ehemalige Mitinsassin von Angelika W., ist 41 Jahre alt und macht eine Ausbildung zur Büromanagerin in Bad Driburg. Es gab einen Stau, deswegen konnte sie heute morgen nicht kommen, erläutert sie ihr Fernbleiben von heute Vormittag. Sie wird jetzt aussagen.

13.05 Uhr: Mittlerweile soll es die Zeugin, die nicht aufgetaucht war, doch ins Gericht geschafft haben.Sie will als Zeugin aussagen. Auch eine weitere Zeugin, die für 13 Uhr vorgeladen wurde, sitzt inzwischen vor dem Sitzungsaal 205 des Landgerichts Paderborn.

12.20 Uhr: Auch nach einigem Warten ist die für 11.45 Uhr geladene Zeugin nicht aufgetaucht. Gegen die Zeugin wird ein Ordnungsgeld erlassen. Es wird 150 Euro oder einen Tag Ersatzhaft beantragt.

Um 13 Uhr ist die nächste Zeugin geladen. Richter Emminghaus hofft, dass diese Zeugin wenigstens kommt. Es geht weiter um 13.15 Uhr.

12.05 Uhr: Es scheint, als sei die Zeugin nicht anwesend. Der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus beabsichtigt aber keine zwangsweise Vorführung, da dies den heutigen Zeitplan völlig durcheinanderbringen würde.

Die Zeugin wohnt in Bad Driburg. Sie saß damals bei Einlieferung von Angelika W. auch in Untersuchungshaft, ist aber inzwischen nach Aussagen von Oberstaatsanwalt Ralf Meyer wieder auf freiem Fuß.

Wie es jetzt am 16. Verhandlungstag weitergeht, ist noch ungewiss.

12 Uhr: Nach einer kurzen Pause wird die Verhandlung fortgesetzt. Als nächste Zeugin soll eine Frau befragt werden, die mit Angelika W. in der Untersuchungshaft saß und die jetzt wegen Doppelmordes Angeklagte im Gefängnis erlebte. Die Zeugin wurde aufgerufen, ist aber noch nicht im Sitzungssaal erschienen.

11.25 Uhr: "Ich hoffte, über die Anzeige jemanden kennenzulernen und suchte nichts Festes. Wilfried wollte umziehen zu mir nach Holzminden, sagte aber immer, eine Wohnung käme für ihn nicht in Frage, und wenn, sollte es ein Haus sein.

Während unserer Treffen hat er auch immer wieder über 'seine Schwester' Angelika gesprochen. Ein Thema war immer wieder ihre Faulheit. Bei meiner ersten Begegnung mit Wilfried war alles noch positiv.

Das änderte sich schlagartig, als ich Wilfried die 3500 Euro gegeben habe. Unsere sexuellen Kontakte waren völlig normal. Im Rückblick war Wilfried W. ein netter Mensch. Ich habe das Erlebnis mit Wilfried W. bis heute noch nicht richtig verarbeitet."

Die Zeugin wird entlassen.

11.10 Uhr: "Ich bin 61 Jahre alt, bin Friseurin und komme aus Lüchtringen. Ich habe Wilfried durch eine Annonce kennengelernt, die Wilfried aufgegeben hatte. Ich habe auf die Anzeige geantwortet, dann haben wir uns getroffen, ich weiß aber nicht mehr, wann es war.

Wir waren uns recht schnell sympathisch, wir haben uns nach mehreren Telefonaten dann bei mir getroffen. Ich habe auch mal mit Angelika telefoniert. Sie wurde mir als Schwester vorgestellt. Ich kann mich an nichts mehr erinnern.

Ich weiß nur noch, wenn ich zu Wilfried etwas falsch gesagt hatte, hatte ich Angelika am Hals. Ich habe Wilfried immer so um 23 Uhr abends getroffen. Er sagte, er habe nur wenig Zeit, hätte nur ein Auto. Es war eigentlich ein angenehmes Verhältnis mit Wilfried.

Im Nachhinein kann ich nichts Schlechtes über Wilfried sagen. Wir hatten ein intimes Verhältnis, das sich vollkommen normal gestaltete. Ich wohnte damals in Holzminden, Wilfried wurde von Angelika gebracht. Angelika wollte ich nicht kennenlernen.

Für Wilfried war es auch kein Thema. Für sein Nichtselbstfahren hatte er immer wieder irgendwelche Ausreden. Er hat mir auch von seinem Kiosk erzählt, der aber nicht gut liefe, da seine Schwester Angelika keine Bock darauf hätte.

Sie würde nicht aus dem Bett kommen. Er hat mir erzählt, dass er auch bei einem Wachschutz arbeitet. Die Arbeit würde er nachts machen. Die Beziehung dauerte aber nicht lange. Irgendwann habe ich mich nicht mehr gemeldet, er hat sich auch nicht gemeldet, und dann war es zu Ende.

Das war Ende März 2016. (der Zeitpunkt, als Susanne F. verstarb, Anmerkung der Redaktion) Es war mir einfach zu blöd. Ich habe ihm damals 3500 Euro geliehen, die ich aber nicht wiederbekommen habe.

Er hatte mir versprochen, es mir so bald wie möglich, in zwei Tagen, wieder zurückzugeben. Er brauchte das Geld für einen Autokauf. Wilfried sagte später, ich hätte ihm das Geld geschenkt."

10.55 Uhr: "Ich habe Wilfried oft gebeten, Angelika einfach rauszuschmeißen. Aber das wollte er nicht. Er sagte dann immer, dass Angelika keiner wolle. Ich der Annonce, die ich aufgegeben habe, wollte ich etwas Dauerhaftes.

Aber das kann ich heute nicht mehr nachvollziehen." Mit diesen Worten wird die Zeugin entlassen. DIe nächste Zeugin sagt aus. Auch sie hatte Kontakt zu Wilfried.

10.48 Uhr: "Er sprach davon, dass er das Gymnasium besucht habe. dass er einen Pilotenschein besitze und dass er ein Boot besitze. Hiervon hat er mir mal ein Foto gezeigt, das Boot habe er aber verkauft.

Nach der Trennung habe ich nicht mehr versucht, das Verhältnis zu kitten. Angelika hätte mich dann sowieso wieder am Telefon beschimpft."

10.40 Uhr: "Wenn Wilfried bei mir war, haben wir uns viel unterhalten. Ich habe für ihn gekocht. Teilweise hat er sich meine Rezepte aufgeschrieben. Ich habe mich in seinen Armen wohlgefühlt. Er war sehr liebevoll. Er hat mich nie hart angefasst.

Es gab keine ungewöhnlichen Aktivitäten. Er driftete dann auseinander, weil er unregelmäßig arbeitete. Außerdem stand Angelika immer zwischen uns. Meine Kritik stieß aber bei Wilfried auf taube Ohren. Ich hätte mich aber sowieso von ihm getrennt.

Ich suchte einen Partner, mit dem ich was unternehmen konnte. Doch das war mit Wilfried nicht möglich. Er sagte immer, er habe Gicht und habe Schmerzen. Wir waren nur zu Hause. Wenn ich Meinungsverschiedenheiten mit Wilfried hatte, hat sich Angelika telefonisch eingemischt.

Wilfried muss gemerkt haben, dass Angelika ein rotes Tuch für mich war. Der letzte Tag unserer Beziehung war ein Telefonat, in dem ich ihm die Trennung mitgeteilt habe. Mehr will ich aber dazu nicht mehr sagen, ich habe diese Zeit vergessen."

10.35 Uhr: "Wilfried brauchte schon manchmal einen Schubs in den Hintern, damit er sich um seinen Kiosk kümmert. Es ging doch nicht, dass er sich erst gegen Mittag um seinen Kiosk kümmert. Ein Kiosk am Bahnhof läuft am frühen Morgen am besten.

Er hat mir auch mal Fotos von seinem Kiosk gezeigt. Nach Geld hat er mich nie gefragt. Ich bin auch nur eine kleine Rentnerin. Wilfried bemängelte mir gegenüber, dass Angelika sich nicht um den Kiosk kümmert. Er hätte den Kiosk nur für seine Schwester gekauft.

Er hat sich immer nur negativ über Angelika geäußert. Sie wäre faul, sie würde nichtkochen, er könne aber nicht ohne sie. Ich habe das nie verstanden. Als ich mich von ihm trennte, sagte er, dazu gehören zwei.

Von ihm aus sollte es weitergehen. Wir haben dann aber nur noch telefoniert. Er wurde massiv mit Worten am Telefon. Ich fühlte mich aber nicht bedroht. Seine Stimmlage wurde anders."

10.22 Uhr: Im Polizeiprotokoll hatte die Zeugin berichtet, dass auch nach der Trennung Kontakt gehalten worden sei. Einen Tag vor der Festnahme von Wilfried soll sie noch einmal Kontakt zu dem jetzt Angeklagten gehabt haben.

Daran kann sich die Zeugin heute nicht mehr erinnern. Sie habe auch alle Kontaktdaten und Dateien auf ihrem Handy gelöscht. "Ich habe alles verdrängt, ich habe das Thema erledigt", sagt die Zeugin.

10.18 Uhr: Jetzt sagt eine weitere Zeugin aus, die Kontakt zu Wilfried W. hatte: "Ich habe Wilfried W. durch eine Zeitungsanzeige, die ich aufgegeben hatte, kennengelernt. Ich bin Witwe. Wir haben telefoniert und dann hat mich Wilfried W. in Holzminden besucht.

Nach längeren Gesprächen hat er mich gebeten, doch nicht nach Bosseborn zu kommen, da es bei ihm unaufgeräumt sei. Bei mir sei es schöner. Ich hatte nichts dagegen, dass er zu mir kam. Das war Anfang 2015.

Das Ganze hat dann ungefähr ein halbes Jahr gedauert, die Beziehung. Er war nicht jeden Tag da, hat sich mal von Angelika bringen lassen, hat sich wieder abholen lassen, das war immer nur für ein paar Stunden. Für mich war Angelika W. seine Schwester.

Er besuchte mich wohl zwei- bis dreimal in der Woche. Am Wochenende hatte er keine Zeit, da musste er mit seiner 'Schwester' wegfahren. Tagsüber schlief Wilfried ja aus, dann fuhr er in sein Kiosk, dann kam er zu mir.

Ich fragte ihn, wie er finanziell zurechtkäme. Er sagte, er hätte Ersparnisse. Das war überhaupt nicht meine Ding. Es gab deswegen immer wieder Streitereien. Wilfried wurde dann mit Worten massiver, war aber nie handgreiflich mir gegenüber.

Seine Schwester Angelika hat mich am Telefon öfter mit bösen Worten beschimpft. Sie wollte, dass Wilfried eine gute Freundin in mir findet. Im Nachhinein weiß ich, dass er mich von vorne bis hinten belogen hat. Wir hatten ein freundschaftliches Verhältnis.

Es kam mir immer sehr suspekt vor, dass bei jeder Gelegenheit Angelika vorgeschoben wurde. Ich habe sie nie persönlich kennengelernt, nur am Telefon. Ihre Stimme war oft rabiat am Telefon, sie warf mir vor, Wilfried nicht richtig zu lieben.

Ich kann mich nicht mehr so gut erinnern, weil ich versucht habe, meine Erlebnis total zu verdrängen. Ich kann nur sagen, dass er ein liebevoller Partner war. Einziger Grund der Trennung war sein Lebensstil, bis nachmittags schlafen, das ging überhaupt nicht."

10.05 Uhr: DIe Zeugin heißt Roswita: "Ich bin 65 Jahre alt, bin Verwaltungsangestellte und komme auf Höxter. Ich erkenne die Frau wieder. Ich gehöre den Zeugen Jehovas an, und habe in Bosseborn ein Flugblatt abgeben wollen.

Eine Frau mit grauen Haaren öffnete mir, sie war sehr nett, danach habe ich nie wieder jemanden angetroffen. Das war aber nicht Angelika, die Frau, die ich traf, hatte graue Haare. Im Februar 2016 bin ich wieder hingefahren.

Ich habe zwei Frauen gesehen. Eine von ihnen konnte kaum gehen. Ich wollte von Angelika W. wissen, warum ich sie nie erreichen könne. Sie hat aber nicht mit mir gesprochen. Die Frau mit den grauen Haaren hätte ja mal sagen können, dass sie Hilfe braucht. Aber das hat sie nicht."

Bei der Frau mit den grauen Haaren hat es sich vermutlich um Susanne F. gehandelt, die später starb. Die Zeugin wird entlassen.

9.55 Uhr: Angelika W. bestätigt, dass sie zweimal bei Martin F. mit falschem Namen angerufen hat. "Martin F. hat mir ein wenig erzählt, aber irgendwann hat er 'dicht gemacht'.

Er sagte, dass Susanne schwierig wäre, dass sie auch schon mal in Behandlung war. Ich habe das gemacht, weil mich Wilfried immer wieder nervte, warum sich Susanne so seltsam verhält. Deswegen habe ich bei ihrem Mann angerufen."

Als nächstes sagt eine Zeugin aus, die kurz Kontakt zu Wilfrid W. gehabt haben soll.

9.53 Uhr: Martin F. spricht weiter über seine Beziehung zu Susanne F.: "Unsere Beziehung lief eigentlich ganz normal. Natürlich gab es hin und wieder auch mal Streit. Wenn ihr was nicht passte, wurde sie ab und zu laut und hat ihre Meinung vertreten.

Sie hat aber auch Fehler eingestanden. Ich war mal arbeiten, da kam ein Anruf von einer Frau, die ich nicht kannte. Die Frau fragte, ob es normal sei, dass Susanne immer Selbstgespräche führe.

Der erste Anruf kam Mitte Februar 2016, der zweite Anruf kam an dem Tag, als auch die Polizei vor der Tür stand, Ende März 2016. Da wollte die Frau wissen, wie es Susanne geht. Ich habe wieder eingehängt."

Zu diesem Zeitpunkt war Susanne F. bereits in einem Northeimer Krankenhaus gestorben. Angelika und Wilfried W. hatten versucht, die schwerkranke Susanne F. von Höxter-Bosseborn mit dem Auto zurück nach Bad Gandersheim zu bringen.

Auf der Fahrt streikte das Auto. Susanne wurde von einem Krankenwagen abgeholt und verstarb dann nur wenige Stunden später an schweren Misshandlungen im Krankenhaus. Der Zeuge Martin F. wird jetzt entlassen.

9.40 Uhr: Martin F. (45 Jahre) weiter: "Ich hatte die Hoffnung, dass Susanne wieder zurückkommt. Ich wusste nach unserer Trennung über Wochen manchmal nicht, wo sie sich aufhielt. In Bad Gandersheim muss sie einen Freund gehabt haben, das weiß ich aber nicht genau.

Ich habe mich damals sehr darüber geärgert, dass Susanne unsere 10-jährige Tochter so viele Stunden wegen eines anderen Mannes alleine gelassen hat. Ich habe sie eigentlich nie als verantwortungslos erlebt.

Sie war Hausfrau und Mutter, ich habe gearbeitet. Ihre plötzliche Veränderung hat sie mir auch auf Nachfragen nie erklärt. Bis heute weiß ich nicht, wo ihr Stimmungswandel herrührt. Nach der Trennung hat meine Tochter 3 bis 4 Mal mit ihrer Mutter telefoniert. Dann ist der Kontakt abgebrochen.

9.30 Uhr: Susanne und Martin F. heirateten 2005. "Wir haben eine Tochter, die heute bei mir lebt. Wir hatten in unserer Ehe irgendwann eine Krise. Susanne hatte eine sehr gute Beziehung zu meiner Schwester.

Ich hatte Ärger mit meiner Frau. Ich hatte eine Probearbeit als LKW-Fahrer. Ich bin leider zu spät nach Hause gekommen. Da war meine Frau nicht da und hat meine Tochter, die in der Grundschule war, alleine gelassen.

Susanne hat sich an dem Nachmittag mit einem anderen Mann vergnügt. Das war dann auch der Grund für unsere Trennung. Sie traf sich wohl mit einem anderen Mann am Bahnhof von Bad Driburg.

Die Trennung kam nicht ganz plötzlich, aber ausschlaggebend war der andere Mann und dass meine Frau unsere Tochter für einen Nachmittag alleine gelassen hat. Dann ist meine Frau zu meiner Schwester gezogen.

Später kam sie dann in einem Frauenhaus in Bochum unter. Das war nicht wegen Gewalt, sondern wegen drohender Obdachlosigkeit."

Angelika W. hat bereits ausgesagt.
Angelika W. hat bereits ausgesagt.
Wilfried W. hört am 16. Prozesstag nur zu.
Wilfried W. hört am 16. Prozesstag nur zu.

9.20 Uhr: Der 16. Verhandlungstag ist eröffnet. Es werden Zeugen verhört. Als erster Zeuge sagt jetzt Martin F. aus. Er ist der Ehemann der zu Tode gequälten Susanne F..

Fotos: DPA

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