Sucht-Beratungsstellen schlagen Alarm: So gefährlich sind Sportwetten

Viele Spielhallen werden in der nächsten Zeit schließen.
Viele Spielhallen werden in der nächsten Zeit schließen.  © DPA

Paderborn - Wegen des neuen Glücksspielstaatsvertrages müssen in ganz Nordrhein-Westfalen zahlreiche Spielhallen schließen. Doch nicht nur das Glücksspiel an Automaten birgt das Risiko der Suchtgefahr.

Sportwetten sind ebenfalls kritisch zu sehen. Vor allem bei Jugendlichen, die selbst Fußball spielen, ist die Gefahr groß. Ihr "Expertenwissen" in ihrem Sport verleitet sie schnell dazu, Wetten abzuschließen.

"Aber die vermeintliche Kompetenz der Sportler ist ein Trugschluss", meint Kathrin Waninger von der Landeskoordinationsstelle Glücksspielsucht NRW gegenüber der Neuen Westfälischen.

Vor allem in der "ständigen Verfügbarkeit im Internet" sieht auch Valentina Beckin, Fachkraft bei der Suchtprävention in Paderborn, einen negativen Trend. "[J]eder hat eine App und auf irgendetwas tippen ist schon fast normal. Weil es jeder macht."

Obwohl Sportwetten unter das Jugendschutzgesetz fallen, damit also erst ab 18 Jahren erlaubt sind, sehen viele Anbieter das nicht so eng. Einen 100-prozentigen Jugendschutz im Internet gibt es daher nicht.

Die Suchtgefahr, die Sportwetten bergen, wird oft unterschätzt.
Die Suchtgefahr, die Sportwetten bergen, wird oft unterschätzt.  © 123RF

Erschwerend kommen die prominenten Werbegesichter hinzu: Wenn ein Oliver Kahn für einen bekannten Anbieter wirbt, wirkt der oft seriöser - und das obwohl gerade Live-Wetten besonders unsicher sind.

Wie beim Automatenspiel gilt auch hier: Kommt ein Gewinnerlebnis, treibt einen das dazu an, weiterzumachen. Es könnte schließlich das große Geld winken. Am Ende ist es allerdings oft so, dass man mit weniger aus dem Spiel geht als man anfangs hatte.

Viele der erwachsenen Spielsüchtigen kamen bereits im Jugendalter mit solchen Dingen in Berührung, wissen die Experten der Suchtberatung. "Das Thema Glücksspielsucht gibt es seit vielen Jahren."

Therapien werden vielerorts angeboten. Mindestens genauso wichtig sei aber die Prävention. "Die Schulen sind ein guter Kooperationspartner und eine Zusammenarbeit mit den Sportvereinen ist ein Ziel, das wir uns gesetzt haben", so Dominik Neugebauer, Leiter der Suchtkrankenhilfe des Caritasverbandes Paderborn.

Während man in der Politik das Thema Spielhallen bereits behandelt, werden Sportwetten oft vernachlässigt. Aufklärung ist daher wichtig.

Der Tipp von Valentina Beckin: "Gegen Spielen ist ja nichts einzuwenden. Das ist sogar okay. Nur sobald Geld ins Spiel kommt, sollte man die Finger davon lassen."

Titelfoto: 123RF


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