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Terror in Paris. Zweites deutsches Todesopfer bestätigt

Paris/Berlin - Die "Grande Nation" will sich dem Terror nicht beugen: Französische Kampfjets bombardieren IS-Ziele in Syrien, im Inland gibt es mehrere Razzien, Präsident Hollande gibt den entschlossenen Krisenmanager. Doch eine mutmaßliche Fahndungspanne wirft unangenehme Fragen auf.

Frankreich - Nach den Terroranschlägen in Paris erhaltet ihr hier immer die neuesten Informationen.

17:47 Uhr: Nach Angaben des Auswärtigen Amtes gibt es ein zweites Deutsches Opfer. Bei einem der Opfer handelt es sich um einen 28 Jahre alten Architekten aus Oberbayern, der schon längere Zeit in der französischen Hauptstadt gelebt hatte. Er starb im Kugelhagel der Attentäter in einem Café. Wer das zweite Opfer ist, war zunächst unklar. Unter den bei den Attentaten Verletzten sollen dem Vernehmen nach keine Deutschen sein.

15:50 Uhr: In einer neuen Videobotschaft hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Frankreich und seinen Verbündeten mit weiteren Terrorangriffen gedroht. "Wir erneuern unseren Aufruf an die Muslime in Europa, im ungläubigen Westen und überall, die Kreuzfahrer in ihrer Heimat und wo immer sie sind zu attackieren", sagt ein Sprecher in einem rund elfminütigen Film, der am Montag über die sozialen Medien im Internet verbreitet wurde. Zudem droht ein Kämpfer den Staaten, die mit Frankreich zusammen Luftangriffe in Syrien und im Irak fliegen: "Bei Gott, ihr werdet einen Tag erleben wie Frankreich." Weiter sagt er: "Wir haben Frankreich in Paris getroffen. Ich schwöre bei Gott, wir werden Amerika auf seinem eigenen Boden schlagen. Wir werden Rom erobern."

14:43 Uhr: Die belgische Polizei hat ihren Anti-Terror-Einsatz im Brüsseler Stadtteil Molenbeek nach vier Stunden beendet. Das sagte die Bürgermeisterin von Molenbeek, Françoise Schepmans, am Montag im belgischen Rundfunk RTBF. Zu der Zahl der Festgenommenen wollte sie keine Angaben machen. Der RTBF berichtete unter Bezug auf die Staatsanwaltschaft, dass ein Mann festgenommen worden sei. Dabei handelt es sich aber nicht um den gesuchten und zur Fahndung ausgeschriebenen Terrorverdächtigen Salah Abdeslam, berichteten belgische Medien unter Bezug auf die Staatsanwaltschaft.

13:27 Uhr: Die Polizei hat im sauerländischen Arnsberg einen 39 Jahre alten Algerier festgenommen. Der Mann soll mehrere Tage vor den Attacken in einer Flüchtlingsunterkunft gegenüber Mitbewohnern aus Syrien geäußert haben, dass in Paris etwas passieren werde, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montag. Es werde geprüft, ob der Mann sich nur wichtig tun wollte oder ob er wirklich von den geplanten Anschlägen gewusst habe.

12:20 Uhr: Bei dem Anti-Terror-Einsatz in dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek hat die Polizei eine Person festgenommen. Das meldeten der belgische Rundfunk RTBF und die belgische Nachrichtenagentur Belga übereinstimmend. Die Identität des Festgenommenen war zunächst unklar, laut dem Radiosender RTBF handelt es sich aber nicht um den mutmaßlichen Pariser Terroristen Salah Abdeslam.

12:05 Uhr: Ministerpräsident Tillich äußert sich im MOPO24-Interview zur aktuellen Sicherheitslage in Sachsen.

12:03 Uhr: Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Oberbürgermeister Dirk Hilbert gedenken vor dem Institute Francais in Dresden den Opfern von Paris.

12:01 Uhr: Die belgische Polizei hat bei einer Razzia in Molenbeek den flüchtigen Paris-Attentäter Abdeslam Salah geschnappt. Er sei mit Tränengas außer Gefecht gesetzt worden, berichtet der belgische Sender "RTL Info".

11:25 Uhr: Der zuvor mit internationalem Haftbefehl gesuchte Selbstmordattentäter Samy Amimour war in Syrien. Der 28-Jährige habe sich vor etwa zwei Jahren nach einer Phase der Radikalisierung in Syrien aufgehalten, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP am Montag unter Berufung auf Familienmitglieder.

11:12 Uhr: In dem als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Stadtteil Molenbeek hat am Montag erneut ein großer Polizeieinsatz begonnen. Polizisten nahmen Hausdurchsuchungen vor. Demnach forderten bewaffnete Spezialkräfte in der Rue Delaunoy Bewohner per Lautsprecher auf, die Fenster zu öffnen und herauszukommen. Journalisten berichteten von Detonationen. Die Straße wurde für den Verkehr gesperrt.

09:45 Uhr: In einem landesweiten Anti-Terror-Einsatz haben französische Ermittler mehr als 150 Hausdurchsuchungen durchgeführt. Bei einer Razzia in Lyon fand die Polizei unter anderem einen Raketenwerfer. Dort wurden in der Nacht zum Montag fünf Personen festgenommen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. In Toulouse sollen mindestens drei Personen in Gewahrsam genommen worden sein, schrieb AFP unter Berufung auf Kreise der Staatsanwaltschaft. Zudem sei eine Waffe beschlagnahmt worden.

09:00 Uhr: Terroristen sollen über Playstation kommuniziert haben

Die Terrormiliz IS soll auch über die Spielekonsole "Playstation 4" kommuniziert haben, um die Anschläge in Paris zu planen, wie "Forbes" berichtet. Belgiens Vizepremierminister Jan Jambon sagte demnach, die Kommunikation über die Spielekonsole sei wesentlich schwieriger zu überwachen als über andere Kanäle wie Whatsapp.

08:30 Uhr: Terrorbedrohung auch gegen andere Länder in Europa

Die Terrorbedrohung durch den Islamischen Staat richtet sich nach den Worten von Frankreichs Premierminister Manuel Valls auch gegen weitere europäische Länder. "Wir wissen, dass Operationen vorbereitet wurden und noch vorbereitet werden, nicht nur gegen Frankreich, sondern auch gegen andere europäische Länder", sagte Valls am Montagmorgen dem Sender RTL.

Der mutmaßliche Drahtzieher der Terroranschläge in Paris: Abdelhamid Abaaoud.
Der mutmaßliche Drahtzieher der Terroranschläge in Paris: Abdelhamid Abaaoud.

07:45 Uhr: Drahtzieher der Terror-Anschläge in Paris identifiziert.

Die französischen Ermittler haben offenbar den zentralen Drahtzieher der Terror-Anschläge in Paris identifiziert, wie der französische Radiosender "RTL" berichtet.

Im Fokus steht der 27-jährige Abdelhamid Abaaoud, der als einer der brutalsten Henker des IS in Syrien gilt. Er soll der Drahtzieher der Anschläge gewesen sein. Abaaoud ist Belgier, stammt aus dem Problem-Viertel Molenbeek.

Die Terroranschläge in Paris wurden nach Angaben von Frankreichs Premierminister Manuel Valls von Syrien aus "organisiert" und "geplant". "Wir müssen länger mit dieser Bedrohung leben", sagte er am Montagmorgen dem Sender RTL.

Abdelhamid Abaaoud soll schon im Januar im Zuge einer anderen Anschlagserie in Belgien aufgefallen sein.

7:27 Uhr: Ausführlicher Hintergrund am Montagmorgen

Menschen entzünden am Sonntag auf dem Platz der Republik in Paris (Frankreich) Kerzen und legen Blumen nieder.
Menschen entzünden am Sonntag auf dem Platz der Republik in Paris (Frankreich) Kerzen und legen Blumen nieder.

Paris/Berlin - Die "Grande Nation" will sich dem Terror nicht beugen: Französische Kampfjets bombardieren IS-Ziele in Syrien, im Inland gibt es mehrere Razzien, Präsident Hollande gibt den entschlossenen Krisenmanager. Doch eine mutmaßliche Fahndungspanne wirft unangenehme Fragen auf.

Begleitet von massiven Luftangriffen auf die Terrormiliz IS in Syrien treibt Frankreich die Jagd nach den Drahtziehern der Pariser Anschlagserie voran. Während die Luftwaffe "in Koordination mit den amerikanischen Kräften" die syrische IS-Hochburg Al-Rakka bombardierte, sehen sich Frankreichs Behörden mit dem Vorwurf konfrontiert, die Flucht eines mutmaßlichen Terrorkomplizen durch eine Fahndungspanne begünstigt zu haben.

An mehreren Orten in Frankreich gab es in der Nacht zum Montag Razzien.

Bei den Luftangriffen mit zehn französischen Jagdbombern wurden eine IS-Kommandostelle samt Waffen- und Munitionslager sowie ein Ausbildungslager für Terroristen in Syrien zerstört, wie das Verteidigungsministerium am späten Sonntagabend mitteilte.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens 30 Luftangriffen in der IS-Hochburg Al-Rakka und deren Umgebung. Informationen über Tote und Verletzte gab es zunächst nicht.

Frankreich fliegt massive Luftangriffe gegen IS in Syrien (Im Bild: Rafale fighter jet).
Frankreich fliegt massive Luftangriffe gegen IS in Syrien (Im Bild: Rafale fighter jet).

Frankreichs Luftwaffe fliegt bereits seit September 2014 als Teil einer US-geführten Koalition Angriffe gegen IS-Stellungen im Irak. Seit September dieses Jahres bombardierte Frankreich mehrfach auch Positionen in Syrien.

In einer bislang nicht verifizierten Erklärung hatte sich allem Anschein nach der IS zu den Anschlägen in Paris bekannt, bei denen in der zum Samstag mindestens 129 Menschen getötet und mehr als 350 teils lebensgefährlich verletzt worden waren.

Bei der Fahndung nach den Drahtziehern der Terrorserie gab es am späten Sonntagabend eine Hausdurchsuchung im Hauptstadtvorort Bobigny, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das Umfeld der Ermittlungen berichtete. Nähere Details zu der Razzia und deren Ergebnissen wurden zunächst nicht mitgeteilt.

Die Regionalzeitung "La Dépêche du Midi" berichtete zudem über einen Großeinsatz von Spezialeinheiten gegen Islamistenkreise in Toulouse.

Laut AFP hängt die Operation nicht nur mit den Ereignissen in Paris, sondern mit dem allgemeinen Anti-Terror-Kampf zusammen: Mindestens drei Personen seien festgenommen und einer Waffe beschlagnahmt worden, hieß es unter Berufung auf Kreise der Staatsanwaltschaft.

Die Zeitung "Le Dauphiné Libéré" berichtete zudem über eine nächtliche Durchsuchung von 15 Objekten im Großraum Grenoble.

Französische Soldaten am "Place de la Republique" in Paris.
Französische Soldaten am "Place de la Republique" in Paris.

Bei den Pariser Anschlägen starben sieben Attentäter - doch befürchtet wird, dass gleich mehrere Komplizen abgetaucht sein könnten. Besonders im Fokus stehen dabei drei Brüder, von denen einer zu den Selbstmordattentätern im "Bataclan" gehörte, ein zweiter am Samstag in Belgien festgenommen wurde und ein dritter am Sonntag zur internationalen Fahndung ausgeschrieben wurde.

Letzterer könnte Medienberichten zufolge schon längst hinter Gittern sitzen: Demnach stoppten Polizisten den 26-Jährigen Abdeslam Salah und zwei weitere Personen nur Stunden nach den Pariser Anschlägen nahe der belgischen Grenze in einem Auto, ließen sie aber schließlich weiterfahren. Zuvor waren die Grenzkontrollen verschärft worden.

Die spanische Zeitung "El País" berichtete auf ihrer Website, Frankreichs Ermittlungsbehörden hätten die zuständigen Stellen in Spanien und Belgien über das Informationssystem des Schengen-Raums gewarnt, dass sich Abdeslam Salah dorthin absetzen könnte. Dies sei aber «nur eine Möglichkeit", hieß es in dem Zeitungsbericht.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU, 3.v.l.) kondolierte am Sonntag in München.
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU, 3.v.l.) kondolierte am Sonntag in München.

Die Staats- und Regierungschefs der EU haben alle Bürger Europas dazu aufgerufen, am Montag um 12.00 Uhr mit einer Schweigeminute der Opfer von Paris zu gedenken.

Das Weiße Haus ordnete zudem eine mehrtägige Trauerbeflaggung an US-Einrichtungen in aller Welt an.

Frankreichs Präsident François Hollande will in der Pariser Sorbonne-Universität an der Schweigeminute teilnehmen, bevor er sich am Nachmittag vor dem französischen Kongress äußert. Die beiden Parlamentskammern, Nationalversammlung und Senats, treten in Versailles zu einer gemeinsamen Tagung zusammen, was sonst nur höchst selten geschieht.

Hollande sprach von einem "Kriegsakt" des IS und will den verhängten Ausnahmezustand, der Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und die Einrichtung von Sicherheitszonen erlaubt, auf mindestens drei Monate verlängern. Innenministers Bernard Cazeneuve sagte dem Sender France 2, er wolle Moscheen schließen, in denen radikales Gedankengut verbreitet werde, und «Hass predigende» Imame des Landes verweisen.

Über ein schärferes Vorgehen gegen den internationalen Terrorismus wurde auch auf dem G20-Gipfel in der Türkei beraten, der am Montag endet. Unter dem Eindruck der Pariser Geschehnisse kommen außerdem in Brüssel die Außenminister der EU-Staaten zusammen. Dabei werden auch erste Diskussionen über mögliche Reaktionen der EU auf die Terroranschläge erwartet.

Die großen Islamverbände in Deutschland wollen sich am Vormittag zu den Pariser Anschlägen äußern. In München will der CSU-Vorstand eine Anti-Terror-Resolution beschließen, deren Linie sich bereits vorher abzeichnete: Parteichef Horst Seehofer fordert unter anderem eine Ausweitung der Mitte September wieder eingeführten Kontrollen an der österreichischen Grenze.

Die Attentate hatten den Streit in der großen Koalition über die Asylpolitik am Wochenende verschärft. Angesichts der Spekulationen darüber, dass Terroristen als Flüchtlinge getarnt in die EU gelangt sein könnten, warnten mehrere Politiker davor, Asylsuchende unter Generalverdacht zu stellen.

Fotos: dpa Marc Müller (1), Malte Christians (1), Simone Perolari (1), ECPAD (1), twitter.com (1)

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