Leichen ausgegraben: Ex-Pfleger soll noch mehr Menschen getötet haben!

Oldenburg - Die Untersuchungen um den Serienmörder Niels Högel scheinen kein Ende zu nehmen: Der verurteilte Ex-Krankenpfleger soll nun noch einen Menschen mehr als bisher bekannt getötet haben.

Niels Högel verdeckt sein Gesicht im Landgericht Oldenburg. Neben ihm steht seine Anwältin Ulrike Baumann.
Niels Högel verdeckt sein Gesicht im Landgericht Oldenburg. Neben ihm steht seine Anwältin Ulrike Baumann.  © DPA

Die Staatsanwaltschaft legt dem ehemaligen Krankenpfleger damit 99 Morde an den Kliniken Delmenhorst und Oldenburg zur Last, wie ein Sprecher am Donnerstag sagte.

Die Anklagebehörde habe Högel in einem weiteren Fall wegen Mordes angeklagt und beantragt, dass der Fall mit dem bereits bestehenden Verfahren zu den Krankenhausmorden in Delmenhorst und Oldenburg verbunden wird.

Hunderte Patientenakten hatten die Fahnder ausgewertet und mehr als 100 Leichen ausgraben lassen, um sie auf Rückstände von Medikamenten zu untersuchen.

Die Staatsanwaltschaft hatte auch mehrere Exhumierungen in der Türkei beantragt. In einem Fall hätten die türkischen Behörden inzwischen die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchungen übersandt, sagte der Sprecher.

Demnach wurde bei einem Verstorbenen ein Herzmedikament festgestellt. Die Medizinische Hochschule Hannover habe die Ergebnisse vor dem Hintergrund der Krankenakten überprüft und bestätigt, dass der Mann ein medizinisch nicht notwendiges Herzmedikament bekommen hatte.

In diesem Saal der Weser-Ems-Hallen soll der Mordprozess gegen Högel stattfinden.
In diesem Saal der Weser-Ems-Hallen soll der Mordprozess gegen Högel stattfinden.

Högel soll immer wieder Patienten an den beiden Kliniken zu Tode gespritzt haben (TAG24 berichtete). Der frühere Pfleger soll schwer kranken Patienten eigenmächtig verschiedene Medikamente gespritzt haben, die unter anderem lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösten.

So wollte er seine Fähigkeiten im Bereich der Reanimation gegenüber Kollegen und Vorgesetzten präsentieren und seine Langeweile zu bekämpfen.

Den Tod der Patienten nahm er dabei billigend in Kauf. Eine Krankenschwester hatte Niels Högel im Sommer 2005 auf der Delmenhorster Intensivstation auf frischer Tat ertappt.

Wegen sechs Taten musste er sich bereits vor Gericht verantworten, wegen Mordes wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.

Schon damals gab es Hinweise, dass er möglicherweise noch mehr Patienten tötete. Das Ausmaß der Mordserie war aber erst nach und nach ans Licht gekommen.

Von Oktober an steht Niels Högel nun erneut vor Gericht. Aus Platzgründen hat die Kammer die Verhandlung in die Weser-Ems-Hallen verlegt (TAG24 berichtete).


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