Pegida-Demo gegen Beschneidung in München abgesagt: Gegendemo mit viel Zuspruch

München - Die rechtspopulistische Pegida-Bewegung möchte am Freitag (16 Uhr) in München gegen die Beschneidung von Kindern und Säuglingen demonstrieren.

Pegida-Demonstration vor der Ohel-Jakob-Synagoge? Die Stadt lehnte dies ab.
Pegida-Demonstration vor der Ohel-Jakob-Synagoge? Die Stadt lehnte dies ab.  © Matthias Balk/dpa

Nach einem Verbot der Stadt wird die Demo nicht mehr wie von den Organisatoren geplant auf dem Platz vor der Ohel-Jakob-Synagoge stattfinden, sondern rund zweihundert Meter entfernt an einer entsprechenden Straßenkreuzung.

Die Stadt begründete dies unter anderem mit der Sorge um die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Mit der Verlegung könne man der Gefahr ausreichend begegnen.

Die zum Thema "Beschneidung von Säuglingen und Kindern verbieten" angemeldete Demonstration hatte umgehend scharfe Kritik hervorgerufen. Im Judentum - wie auch im Islam - ist die Beschneidung von Jungen ein wichtiges Ritual. Nach jüdischer Tradition werden Jungen am 8. Lebenstag beschnitten als Symbol des Bundes, den Gott mit Abraham schloss (Genesis 17,10-27).

"Es kann nicht sein, dass ein so offener Hass und solche volksverhetzenden, die Religionsfreiheit missachtenden Inhalte im Herzen unserer Stadt öffentlich verbreitet werden dürfen", erklärte in diesem Kontext Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern - und sprach sich für ein generelles Verbot der Veranstaltung aus.

Knobloch forderte die Münchner zudem zum Besuch von Gegenveranstaltungen auf. "Ich hoffe, dass am Freitag möglichst viele Menschen ein deutliches Zeichen gegen diesen Judenhass setzen. Die Stimmen für das Miteinander, für Toleranz und Respekt müssen jetzt besonders laut sein."

Ein solches Zeichen möchte die Organisation "München ist bunt" setzen. Sie ruft zum Protest gegen die Pegida-Aktion auf.

"Das ist ein klarer Angriff auf die jüdische Identität, den wir nicht unwidersprochen lassen dürfen!", schreibt der Verein auf seiner Internetseite. Unter dem Motto "Gegen Antisemitismus - Wir stehen solidarisch zusammen" möchten sie am Freitag (16 Uhr) eine Menschenkette um das jüdische Gemeindezentrum am Sankt-Jakobs-Platz in München bilden.

Update, 10:39 Uhr: Pegida-Demo abgesagt

Die rechtspopulistische Pegida-Bewegung hat die für Freitag geplante Demonstration in der Nähe einer Synagoge in München gegen die Beschneidung von Kindern und Säuglingen abgesagt. Das teilte Johannes Mayer, Sprecher des Kreisverwaltungsreferats München, der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit.

Pegida München war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Update 18.00 Uhr: Mehr als 1500 Menschen demonstrieren gegen Pegida

Rund 1500 Menschen haben sich laut Polizei am Freitag vor einer Synagoge in München in Solidarität mit ihren jüdischen Mitbürgern und aus Protest gegen eine zuvor geplante Pegida-Demo versammelt. Unter dem Motto "Gegen Antisemitismus – Wir stehen solidarisch zusammen" hatte das Bündnis "München ist bunt" zu der Demo aufgerufen.

Die Organisatoren sprachen von weit mehr als 2000 Teilnehmern.

Die Stadträte Marian Offmann (SPD; M, l-r) und Christian Vorländer (SPD) halten bei einer Gegendemonstration gegen eine geplante Pegida-Demonstration gegen Beschneidung von Kindern und Säuglingen ein Schild mit der Aufschrift "München ist bunt".
Die Stadträte Marian Offmann (SPD; M, l-r) und Christian Vorländer (SPD) halten bei einer Gegendemonstration gegen eine geplante Pegida-Demonstration gegen Beschneidung von Kindern und Säuglingen ein Schild mit der Aufschrift "München ist bunt".  © Tobias Hase/dpa

Titelfoto: Tobias Hase/dpa

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