Pendler aus Sachsen! "Kommt zurück! Wir brauchen euch hier!"

Dresden - Im Ra­dio du­delt "Dri­ving home for Christ­mas", und auf der Au­to­bahn ver­dich­tet sich der Ver­kehr - alle Jah­re wie­der wie­der­ho­len sich zum Fest und zum Jah­res­wech­sel die glei­chen Sze­nen.

Heimat im Rückspiegel. Auf der Suche nach guten Jobs und Aufstiegschancen verlassen noch immer viele Fachkräfte Sachsen.
Heimat im Rückspiegel. Auf der Suche nach guten Jobs und Aufstiegschancen verlassen noch immer viele Fachkräfte Sachsen.  © 123RF

Zehn­tau­sen­de Män­ner und Frau­en kom­men al­lein oder mit ih­ren Fa­mi­li­en nach Sach­sen, um Verwandschaft und Hei­mat zu be­su­chen. Sie werden sehn­suchts­voll er­war­tet - von ih­ren Angehöri­gen, aber auch Po­li­ti­kern und Wirt­schafts-Bos­sen. Letztere wol­len die Chan­ce nut­zen und die Exil-Sach­sen zur Rück­kehr ani­mie­ren. Mot­to: "Kommt zu­rück! Wir brau­chen Euch drin­gend hier!"

Die Mo­ti­va­ti­on der Mi­nis­ter, Land­rä­te, Bürgermeister und Fir­men­in­ha­ber ist greif­bar. Sachsen droht zu ver­grei­sen. Die Babyboo­mer-Jahrgän­ge kom­men ins Ren­ten­al­ter. Seit 2011 gehen je­des Jahr mehr Men­schen in den Ru­he­stand, als Jün­ge­re nachrücken. Al­lein 2017 lag die Dif­fe­renz bei rund 30.000 Men­schen.

Die Un­ter­neh­men freu­en sich über eine gute Konjunk­tur und su­chen Fach­kräf­te. Ak­tu­ell sind über 40.000 freie Stel­len ge­meldet.

Die Rech­nung ist sim­pel: 138.800 Frau­en und Män­ner kehr­ten im ver­gan­ge­nen Jahr Sach­sen den Rü­cken, um ei­ner Be­schäftigung au­ßer­halb des Frei­staats nach­zu­ge­hen. Je­der Zwei­te pen­del­te nach Westdeutschland. Der Pend­ler-Sal­do liegt im ne­ga­ti­ven Be­reich.

Herkunfts- und Zielregionen der sächsischen Ein- und Auspendler (Stand: Juni 2017).
Herkunfts- und Zielregionen der sächsischen Ein- und Auspendler (Stand: Juni 2017).  © Bundesagentur für Arbeit Regionaldirektion Sachsen

Kon­kret hei­ßt das: Die Zahl der Men­schen, die Sachsen für die Ar­beit ver­las­sen, liegt um 18 800 höher als die, die des Jobs wegen her­kom­men (also "ein­pen­deln").

"Das kön­nen wir uns mit dem Blick auf die ho­hen Fach­kräf­te­be­dar­fe nicht mehr leis­ten. Sach­sen braucht Zu­wan­de­rung und wir hel­fen da­bei!", sagt Frank Voll­gold, Spre­cher der Bun­des­agen­tur für Arbeit in Chem­nitz. Im gan­zen Land wer­den zwi­schen den Jah­ren Job­bör­sen und -mes­sen veranstaltet, und die Ar­beits­agen­tu­ren be­tei­li­gen sich dar­an.

Voll­gold: "Rück­kehr­wil­li­ge Men­schen und Auspendler müs­sen künf­tig für Sach­sen zu­rück­ge­won­nen wer­den. Nur so blei­ben säch­si­sche Betriebe im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb konkurrenz­fä­hig."

Im "Kampf" um die Köp­fe kön­nen hie­si­ge Arbeitgeber aber nur punk­ten, wenn sie at­trak­ti­ve Ver­dienstmög­lich­kei­ten so­wie gute Ar­beits- und Rah­men­be­din­gun­gen bie­ten kön­nen. Denn das Geld ist noch im­mer das Haupt­mo­tiv fürs Pen­deln: Etwa 900 Euro ver­dient man mehr, wenn man im Wes­ten ar­bei­tet.

Sachsens Unternehmer werben um Rückkehrer, denn sie haben Probleme ihre freien Stellen zu besetzen. Davon sind Industrie und Handwerk gleichermaßen betroffen.
Sachsens Unternehmer werben um Rückkehrer, denn sie haben Probleme ihre freien Stellen zu besetzen. Davon sind Industrie und Handwerk gleichermaßen betroffen.  © 123RF
Vor den Feiertagen nimmt der Fernverkehr auf den Autobahnen merklich zu. Dann fahren die Menschen quer durchs Land, um ihre Lieben zu besuchen.
Vor den Feiertagen nimmt der Fernverkehr auf den Autobahnen merklich zu. Dann fahren die Menschen quer durchs Land, um ihre Lieben zu besuchen.  © Imago
Frank Vollgold
Frank Vollgold

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