Gartensparte soll Neubauten weichen: "Meine Scholle bekommt Ihr nicht"

Penig - Kleingärtnerin Silke Hartig (51) kämpft auf (fast) verlorenem Land. Ein Investor will 32 Gärten plattmachen, dafür 15 Eigenheime bauen. Die Penigerin ist die Letzte, die sich Stadt und Bauträger entgegenstellt.

Pächterin Silke Hartig (51) soll ihren Garten in Penig räumen, weil ein Investor auf dem Areal Eigenheime bauen will. Landwirt Enrico Fitzner (46) sieht die Stadt im Unrecht.
Pächterin Silke Hartig (51) soll ihren Garten in Penig räumen, weil ein Investor auf dem Areal Eigenheime bauen will. Landwirt Enrico Fitzner (46) sieht die Stadt im Unrecht.

"Ich will nicht weg. Meine Tochter ist hier aufgewachsen. Es sind viele Erinnerungen, die in den 280 Quadratmetern stecken", sagt sie - hauptberuflich Gärtnerin im Garten- und Landschaftsbau.

Seit 1994 ist Silke Hartig Mitglied im Kleingartenverein "Frohsinn". Die meisten Pächter hätten freiwillig klein beigegeben, doch sie sei nicht auf Entschädigung aus.

Die Stadt Penig begründet die Umnutzung unter anderem mit dem hohen Leerstand. "Von 784 Gärten stehen 161 leer. Außerdem liegt diese Fläche innerstädtisch sehr günstig mit kurzen Wegen zum Bus, in die Kindertagesstätten und zu Nahversorgern, Ärzten sowie Apotheke", teilte Sprecherin Manuela Tschök-Engelhardt (51) mit.

Kein Grund also, auf der Seite der Hobby-Gärtnerin zu stehen.

Stadtrat Enrico Fitzner wittert Verschwörung

Die Stadt begründet die Bebauung mit dem hohen Leerstand der Gärten. 31 der betroffenen Schollen stehen bereits leer. Die meisten Kleingärtner hatten keine Lust, sich mit der Stadtverwaltung anzulegen.
Die Stadt begründet die Bebauung mit dem hohen Leerstand der Gärten. 31 der betroffenen Schollen stehen bereits leer. Die meisten Kleingärtner hatten keine Lust, sich mit der Stadtverwaltung anzulegen.  © Ronald Bonss

Landwirt und CDU-Stadtrat in Limbach-Oberfrohna, Enrico Fitzner (46), wittert gar eine Verschwörung:

"Vieles ging nicht mit rechten Dingen zu. Der Verkaufspreis zum Beispiel war viel zu niedrig. Die Stadt wollte unbedingt diesen Investor."

Weil der Bauträger alle Folgekosten (Erschließung, Rückbau etc.) tragen wollte, bot der Bürgermeister die 5 800 Quadratmeter zum Spottpreis an.

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Nach Prüfung der Kommunalaufsicht wurde schließlich für 2,85 Euro/Quadratmeter verkauft. "Für Bauland ist das immer noch zu billig."

Silke Hartig soll nun eine Abtretungserklärung des Investors für ihr Eigentum unterschreiben. Ab 16. Dezember hat die F+S Baukonzept GmbH das Sagen.

Sie bleibt hartnäckig: "Ich will bleiben." Baurecht besteht seit Ende August dieses Jahres.

"Der Investor wird zügig mit der Beräumung beginnen. Die ist bereits seit Kündigung Ende November wirksam. Nächstes Jahr sollen die ersten Häuser entstehen", so Tschök-Engelhardt.

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