Mehr Bedürftige: Tafeln in Sachsen fehlen ehrenamtliche Helfer

Angesichts der steigenden Zahl von Bedürftigen fehlt es Sachsens Tafeln an ehrenamtlichen Helfern.
Angesichts der steigenden Zahl von Bedürftigen fehlt es Sachsens Tafeln an ehrenamtlichen Helfern.  © Holm Helis

Dresden - Angesichts der steigenden Zahl von Bedürftigen fehlt es Sachsens Tafeln an ehrenamtlichen Helfern.

"Vor allem Fahrer für die Liefer- und Kühlfahrzeuge sind rar", sagte Matthias Thomas, Sprecher des Landesverbandes Sächsische Tafeln, der Deutschen Presse-Agentur. Die Organisation zeigte sich zwar sehr erfreut über die zuletzt angekündigte Finanzspritze. Demnach werden die Tafeln in den kommenden beiden Jahren erstmals mit 400.000 Euro aus dem Landeshaushalt unterstützt. "Damit haben wir im Traum nicht gerechnet."

Das Geld müsse jedoch für Sachleistungen wie Miete für Lagerhallen oder Anschaffung neuer Kühlfahrzeuge eingesetzt werden. "Viel besser wäre aber Personal." Um die Waren in den Supermärkten einzusammeln, müssten diese teils zweimal täglich angesteuert werden. "Das alles ehrenamtlich abzudecken, ist kaum noch möglich", so Thomas.

Derzeit sind für die Tafeln in Sachsen rund 1500 ehrenamtliche Helfer im Einsatz - viele vor allem in der Warenausgabe. Das Problem: Viele sind deutlich älter als 60 Jahre und meist selbst bedürftig. "Das ist ein ostdeutsches Phänomen."

Im Landesverband sind 39 Tafeln organisiert, rund 16.000 Tonnen Lebensmittel wie Tiefkühlware, Molkereiprodukte, Konserven oder Obst und Gemüse haben die Tafeln in diesem Jahr in sächsischen Großmärkten und Discountern eingesammelt. Das entspricht laut Thomas einer Menge von mehr als 1800 Lastwagen oder 60.000 Paletten.

Rund 140.000 Menschen in Sachsen haben die Einrichtungen in diesem Jahr mit gespendeten Lebensmitteln versorgt. "Bei ständig wachsender Klientel", so Thomas.

Jährlich wächst die Zahl der Bedürftigen um 15 bis 20 Prozent, bedingt auch Flüchtlinge, die vor allem in den drei Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz für enormen Zulauf an den Einrichtungen sorgen. "Aber auch die Zahl der Senioren, die sich über die Tafeln versorgen, steigt." Es werde immer deutlicher, dass die Rente für die Menschen nicht mehr reiche.

Zuletzt hatte die Dresdner Tafel für Schlagzeilen gesorgt, unter anderem will der Bundesverband überprüfen, ob sich die Dresdner Einrichtung an geltende Richtlinien wie Gemeinnützigkeit hält. Der Vorsitzende des Tafelvereins steht bereits seit längerem in der Kritik. Bei der Dresdner Staatsanwaltschaft liegt zudem eine Anzeige gegen den Vorstand des Vereins vor.

Bisher hätten sich die Negativ-Schlagzeilen noch nicht auf das Spendenverhalten der Sponsoren ausgewirkt, erklärte Thomas. Dennoch werde die Tafelbewegung von manchen Menschen nun kritischer hinterfragt. «Das ist dem Vorstand offensichtlich nicht bewusst, dass es der ganzen Tafelbewegung schaden könnte.»

Auf Zulauf hofft der Landesverband daher am 23. Dezember, wenn die Dresdner Philharmonie im Albertinum ein Konzert zugunsten der sächsischen Tafeln spielt - dirigiert von Michael Sanderling. Pro Karte wird ein Spendenbeitrag in Höhe von zwei Euro zugunsten der gemeinnützigen Einrichtungen erhoben.


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