Personenschutz! Fassaden-Streit am Neumarkt eskaliert

Der historische Neumarkt kann auch modern bebaut werden: An der Frauenkirche 2.
Der historische Neumarkt kann auch modern bebaut werden: An der Frauenkirche 2.

Von Dominik Brüggemann

Dresden - Das Palais Riesch am Neumarkt erhält für den Wiederaufbau eine moderne Fassade. Weil diese Entscheidung nicht allen gefällt, kam Bauunternehmer Christoph Gröner (47, CG Gruppe) am Donnerstag sogar mit Personenschutz zur öffentlichen Vorstellung.

Die vorgelegte Variante soll erneut überarbeitet werden, vom Grundsatz aber modern bleiben.

Am Mittwochabend hatte Gröner schon im Bauausschuss die angepassten Fassadenpläne für das Palais Riesch (Rampische Straße 16-18) vorgestellt. Aber die moderne Fassade stieß dort fraktionsübergreifend auf Ernüchterung und endete sogar mit einer Drohung: „Mir ist geraten worden, mit Polizeischutz herzukommen“, so Gröner.

Christoph Gröner (47, li.) und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (39, Grüne).
Christoph Gröner (47, li.) und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (39, Grüne).

Warum einige Stadträte erzürnt waren: Die historische Fassade lässt sich nicht umsetzen. Tilo Wirtz (48, Linke) zu dem Entwurf: „Damit wird dem modernen Bauen in Dresden ein Bärendienst erwiesen!“ Auch Hendrik Stalmann-Fischer (23, SPD) bestätigte eine gewisse Enttäuschung, dass die historische Fassade nicht wieder errichtet werden könne.

Gunter Thiele (53, CDU) meinte: „Ich war am Abend bedient. Das vorgestellte Ergebnis war aus meiner Sicht enttäuschend.“ Er begrüße zwar, dass die CG Gruppe am Neumarkt investiere, aber die jetzt geplante Fassade passe nicht in den Gesamtzusammenhang am Neumarkt.

Gröner erklärte unterdessen die Gründe für die moderne Variante: „Aufgrund der kleinen Fenster wären viele Wohnungen schlicht zu dunkel. Im Erdgeschoss würden wir keine gewerblichen Mieter finden.“

Dieser moderne Entwurf sollte zunächst das Palais Riesch ersetzen. Nach Kritik will Gröner die Variante überarbeiten.
Dieser moderne Entwurf sollte zunächst das Palais Riesch ersetzen. Nach Kritik will Gröner die Variante überarbeiten.

Dresdens Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (39, Grüne) sagte: „Es wurden viele Schritte für die historische Riesch-Fassade unternommen. Wenn sie nicht umsetzbar ist, muss man sich das irgendwann eingestehen.“

Die CG Gruppe will zwischen Rampische Straße und Landhausstraße insgesamt 136 Millionen Euro in die Baulücke am Neumarkt (Quartier III/2) investieren.

Geplant sind Wohnungen, Gewerbe und auch ein Hostel im Palais Hoym. Dieses werde unterdessen komplett historisch aufgebaut, wie Gröner betonte.

Blick auf das Quartier III/2 am Neumarkt.
Blick auf das Quartier III/2 am Neumarkt.

Fotos: Eric Münch (2), CG Gruppe


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